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memorylab

Kritik von memorylab

Gesehen: Februar, 2022

Huiuiui! Ein außergewöhnlich brutales Spektakel bietet „The Sadness“ von Regie-Debütant Robert Jabbaz über die 100 Minuten, doch mein Seheindruck gleicht dem Verzehr eines milden Currygerichts, das mit einer kleingeschnittenen Carolina Reaper knallhart aufgepeppt wird. Die enorme Schärfe (hier: die Brutalität) überdeckt die Kritik an der Gesellschaft und der taiwanesischen Regierung merklich.

Was den Film aber auszeichnet ist die Veranschaulichung der ausbreitenden Anarchie in der Stadt mit einer Gesellschaft, die sich im Endstadium befindet. Mittendrin folgen wir einem Paar – der Frau Kat und ihrem Partner Jim. Beide bekommen es mit wild gewordenen, gewalttätigen, sexsüchtigen Menschen (keine Zombies!) zu tun und es entwickelt sich ein unheimlicher Überlebenskampf. Dazu kommen der (absichtlich) nicht komplett nachvollziehbare Übertragungsweg und die verstörende Visualisierung der Symptome des dafür verantwortlichen Alvin-Virus. Als Zuschauer ist man regelrecht angewidert von den sehr sadistischen Gedankengängen der Infizierten, die obendrein noch tollwütig einen angrinsen mit ihren erweiterten Pupillen.

Die Spezialeffekte sind sehr gelungen – vor allem die aufwändig aufbereitete Gewalt unter den Menschen, wenn Körperteile unter anderem zerhackt, zermatscht oder gegessen werden. Die Kamera hält ordentlich auf das Blutbad drauf, aber dann doch nur zu 95%, wenn der letzte Schritt off-screen und akustisch abgehandelt wird – etwas verwunderlich, aber den Ekel vor diesen Taten spürt man ohnehin schon. Es gibt auch die ein oder andere Blutfontäne, die übertrieben wirkt und ein menschliches Logikloch: In der U-Bahn wird eine Person mitten im Gang abgestochen, die Passagiere registrieren dies kaum und erst nach dem dritten Opfer bricht die Panik aus!

Mit dem zentralen Paar wird man über die gesamte Länge des Films nicht warm, weil Emotionen in den Gesprächen unter ihnen fehlen oder mimisch unklar sind. Die deutsche Synchronisation konnte davon kaum etwas retten. Der Virologe, der die Mechanismen des Virus erläutert, hätte dies auch zu Beginn der Handlung tun können. So bewegt sich die Handlung langsam auf das Ende zu, das die Gewalt und die sexuellen Fantasien der Infizierten erneut auslebt. The Sadness ist enthemmter Wahnsinn in Reinkultur, aber die kritischen Töne über das gesellschaftliche Desinteresse am Virus und der Politik ermüden in diesem späten Stadium der Covid-19-Pandemie.

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