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Psychodrama aus dem Jahr 2004, das ein heikles Thema anspricht. Mit Kevin Bacon in der Hauptrolle. Walter saß 12 Jahre wegen Kindesmissbrauchs im Gefängnis und versucht nun ein neues Leben zu beginnen. Zwar hat er eine Wohnung, Arbeit und unterhält eine Beziehung zu seiner Arbeitskollegin Vickie. Dennoch wird er immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wohl kaum ein Verbrechen ruft ins uns mehr Abscheu, Wut und Unverständnis hervor als der sexuelle Missbrauch an Kindern. Zurecht, darüber muss natürlich nicht diskutiert werden. Dementsprechend fällt es ungemein schwer, ein Strafmaß für diese Taten zu akzeptieren, das unter den maximal Möglichem liegt. Viel mehr noch, denn im Zusammenhang mit dem Thema scheint keine Extreme zu gering: Lebenslänglich, Zwangskastration, Todesstrafe; der sonst so humanitäre Mitteleuropäer verfällt plötzlich wieder in sein mittelalterliches, reaktionäres Auge-um-Auge-Prinzip. Vom emotionalen Standpunkt zu erklären, gerade aus der Sicht Betroffener und Angehöriger auch unter Umständen zu verstehen, doch das es  - vielleicht nicht immer, aber zumindest oft – auch zwei Seiten der Medaille gibt, das zeigt die danach ausschließlich im TV vertretende Regisseurin Nicole Kassell (u.a. The Americans) mit ihrem mutigen, schwierigen und zu einem (gesunden) Teil auch grenzwertigem Drama The Woodsman.

12 Jahre saß Walter (Kevin Bacon, Frost/Nixon) wegen sexueller Belästigung minderjähriger Mädchen im Knast. Nun, wieder auf freiem Fuß, versucht er sich irgendwie wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Keine leichte Aufgabe, denn wer will schon etwas mit einem verurteilten Pädophilen zu tun haben? Selbst seine eigene Schwester will nichts mehr von ihm wissen, verweigert ihm (Hand aufs Herz, wer kann es ihr wirklich übel nehmen?) den Kontakt mit seiner Nichte. Nur ihr Mann, sein Schwager Carlos (Benjamin Bratt, Catwoman) steht noch zu ihm, besucht ihn, versucht ihn weitestgehend unbefangen und ungezwungen zu behandeln. Doch selbst er hat seine Grenzen, sein Ängste und Befürchtungen, wie Walter in einer Szene am eigenen Leib feststellen muss. Und auch das ist nicht unverständlich. Denn Walter weiß selbst, dass er „nicht normal“ ist. „Wann werde ich normal sein?“ fragt er immer wieder seinen Psychiater (Michael Shannon, Bug), fast flehend, er möge irgendwann ein Leben frei von seinen inneren Dämonen führen können. Doch insgeheim weiß er, er wird es nie können. Jeder Tag ist ein neuer Kampf gegen den Trieb, der ihn beherrscht, den er nicht kontrollieren und im Idealfall nur unterdrücken kann.

Walter ist krank, vermutlich unheilbar. Das wollen viele nicht hören, nicht verstehen oder akzeptieren. Das ist der Punkt, der The Woodsman so unangenehm und in seiner Befassung mit der Materie so großartig macht. Der Film ist nicht schwarz und nicht weiß, pauschalisiert nicht, will nicht dämonisieren und – was fatal wäre – auch nicht entschuldigen oder doch die stetig lauernder Gefahren herunterspielen, die in dieser Situation immer gegeben sein werden. Walter ist ein Gefangener seiner Bedürfnisse. Er weiß, dass sie falsch sind. Er versteht, warum ihn die Menschen verachten und vor allem verachtet er sich selbst, für das was er getan hat und doch nicht ausschließen kann, es wieder zu tun. Immer wieder bricht der Konflikt, der Diskurs seiner zwei Seiten in ihm hervor. Die Seite der Vernunft, der Rationalität, der erlernten gesellschaftlichen Norm und die Seite seiner natürlichen Veranlagung, seiner sexuellen Auslegung, dem, was nicht sein darf. Wofür er wahrscheinlich nichts kann. Ursachenforschung wird nicht betrieben, das wäre auch fehl am Platz. Es würde nur wieder implizieren, dass Menschen nur Produkte ihrer Umgebung, ihrer Sozialisierung sind, was zum Teil, aber nicht grundsätzlich und immer ein allgemeingültiger Faktor ist.

Nicole Kassell bewegt sich mit ihrem Film auf einem schmalen Grat aus Verständnis und Mitgefühl, verwechselt diesen menschlichen, empathischen Appell aber nicht mit einer Verharmlosung oder gar Rechtfertigung für grausame Verbrechen, die nur aus der Sicht dieses Täters, aus seiner persönlichen Empfindung im Moment, nie als solche wahrgenommen wurden. Damit hat Walter natürlich auch ein Stück weit versucht, seine Taten vor sich selbst einzugestehen, die für ihn keine Akte der Gewalt, nur der Zuneigung sind. Für ihn etwas Natürliches, obwohl er weiß, dass sie es für die Allgemeinheit nicht sind. Das kann The Woodsman tatsächlich glaubhaft ausdrücken, kippt dabei nie in eine ernsthaft bedenkliche Richtung, auch wenn dieser Gedankengang natürlich extrem befremdlich ist. Und Angriffsfläche bietet für Kritiker, die ihm Inkonsequenz vorwerfen könnten. Ist Walter nun gefährlich, gar ein Monster, oder nur ein armer, kranker Mann? Muss ihm eine zweite Chance gewährt oder die Gesellschaft vor ihm (oder er vor sich selbst) geschützt werden? Darauf bietet der Film keine eindeutigen, keine leicht herauszulesenden Antworten. Er schildert nur eine Situation, aus die jeder selbst seine Schlüsse ziehen muss und die umso eindringlicher verdeutlicht, wie diffizil, wie wenig kategorisierbar es im Einzelfällen (was sie immer sind) ist.

Was eindeutig gezeigt wird, ist das ein Mensch durchaus zur Läuterung bereit sein kann, aber sich jedesmal auf Neue seinen Dämonen stellen muss. Dass es nicht leicht ist und oft an der Grenze zum Scheitern. Aber das wir nicht zwingend von Tieren, von Perversen, von Monster sprechen können und dürfen. Nur von Menschen, die mit sich kämpfen. Manchmal gewinnen sie, manchmal verlieren sie. Eine Herausforderung für sie, aber auch für uns, damit umzugehen, selbst wenn es schwer fällt. In dieser klugen Grauzone hinterlässt einen The Woodsman, mit dem unguten aber auch einzig richtigen Gefühl, das klare Antworten mit dem Leben nicht viel zu tun haben. Einziges Manko dieses intensiven Psychogramms: Die Nebenfiguren fallen leider etwas plakativ, zweckdienlich aus, dafür zeigt Kevin Bacon abermals, was für ein großer und oftmals unterschätzter Charakterdarsteller er doch ist.

Fazit

Ein Anti-Wohlfühlfilm, der den Zuschauer mit seiner eigenen Einstellung zu einem kontroversen Thema konfrontiert. Ihm aufzeigt, aber nicht zu belehren versucht und darauf fokussiert, eine Diskussion oder zumindest einen Denkanstoß zu liefern. Wenn er wie hier dabei keine eindeutige, in dem Fall auch ungünstige, Partei ergreift sondern einfach das Gezeigte für sich wirken lässt, hat er so ziemlich alles richtig gemacht. Respekt, daran würden sich die Meisten alle Zähne ausbeißen. Wenn sie es denn überhaupt versuchen…

Autor: Jacko Kunze

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