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In den 1930er Jahren unternimmt das Gangster-Pärchen Bonnie und Clyde einen blutigen Streifzug durch die Vereinigten Staaten. Und selbst die volle Kraft des FBI und die neueste forensische Technologie reichen nicht aus, um die beiden dingfest zu machen. Also entschließen sich Lee Simmons, der zu dieser Zeit für die Gefängnisse in Texas verantwortlich war, sowie Ma Ferguson, die erste weibliche Gouverneurin des Staates, die beiden ehemaligen Texas-Ranger Frank Hamer und Maney Gault zu reaktiven, damit diese sich als Spezialeinheit einzig und allein der Aufgabe widmen, Bonnie und Clyde aufzuspüren. Schließlich haben diese zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Polizisten und drei Zivilisten auf dem Gewissen. Und mit all ihrer Erfahrung gelingt es Hamer und Gault tatsächlich, sich den beiden an die Fersen zu heften.

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Kritik

Er gilt als Urknall, als Keimzelle des New-Hollywood-Kinos: Bonnie und Clyde von Arthur Penn (Little Big Man) aus dem Jahre 1967. Eine wildromantische Gangster- wie Außenseiterballade, so bitter-schwer wie lyrisch. Wenn am Ende eine letzte Gewehrsalve auffaucht und danach die große Stille einkehrt, dann ist man nicht nur Zeuge wahrhaftiger Filmgeschichte geworden, sondern hat auch einen weiteren Grund dafür geliefert bekommen, wieso das Verbrecherpaar mit 14 Morden auf dem Konto bis heute fester Bestandteil der Populärkultur ist. The Highwaymen von John Lee Hancock (The Founder) betrachtet den Mythos rundum Bonnie & Clyde nun von einer anderen, filmisch nahezu unbearbeiteten Seite und widmet sich den beiden Männern, die verbissen Jagd auf das kriminelle Duo, welches zum Koryphäen-artigen Aushängeschild der sogenannten Ära der Staatsfeinde austieg, machte.

Frank Hamer (Kevin Costner, Der mit dem Wolf tanzt) und Maney Gault (Woody Harrelson, Solo: A Star Wars Story) werden von Ma Ferguson (Kathy Bates, Titanic), der ersten weiblichen Gouverneurin von Texas, mit dem Spezialauftrag versehen, Bonnie und Clyde zu schnappen. Die ehemaligen Ranger wurden eigentlich aus dem Verkehr gezogen, man hatte weder für sie, noch für ihre Arbeitsmethoden Verwendung noch Argumente gefunden, harte Zeiten allerdings erfordern noch härtere Maßnahmen. Und wenn es jemand versteht, mit der nötigen Entschlossenheit die Faust zu ballen, dann ist es Frank Hamer. Mindestens 16 Projektile stecken noch in seinem Körper, den ersten Mann hat er umgebracht, als er sich eigentlich auf den Weg zum Priester-Seminar befand – und ein Lächeln huscht ihm ohnehin niemals über die Lippen. Das Leben hat ihn verhärmt.

Was nach einem archetypischen Stilisierung des gnadenlosen Ordnungshüters klingt, wird von Kevin Costner von Beginn an mit einer unterschwellig wabernden Melancholie unterwandert, der sich sein Charakter im Verlauf der Handlung jedoch erst bewusst werden muss. Dieser Frank Hamer mag Orden bekommen haben, dieser erinnern ihn jedoch nur daran, dass er getötet hat, um dann irgendwann aussortiert zu werden. Maney Gault, an dessen Händen ebenfalls Blut klebt, ist im Gegensatz zu seinem Partner nicht (mehr) den altertümlichen Vorstellungen von Gut und Böse erlegen, sondern sieht hinter dem Verbrecher immer noch einen Faktor Mensch. The Highwaymen mag keine herausragend vielschichtigen Charakterprofile anlegen, aber er bemüht sich zusehends, tradierte Überzeugungen souveräner Männlichkeit zu hinterfragen. Und überraschenderweise gelingt es dem Film durchaus, derlei rückständige Mythenbildung zu dekonstruieren.

Atmosphärisch könnte man The Highwaymen wie eine Mischung aus Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses und Die Unbestechlichen von Brian De Palma (Der Tod kommt zweimal) beschreiben. Regisseur John Lee Hancock nimmt sich ungemein viel Zeit, um seine stilvolle Inszenierung derart zu grundieren, um durch die ausgefeilten Fotografien der amerikanischen Südstaaten ein gesellschaftliches Klima der sozialen Verwahrlosung heraufzubeschwören. Bonnie und Clyde sind in den ländlichen Gebieten der Staaten wie Volkshelden gefeiert worden, weil sie die Menschen dort unterstützt haben, wo die Politik versagt hat. The Highwaymen verklärt das Pärchen nicht, aber er macht durchaus verständlich, wieso auf den Beerdigungen von Bonnie und Clyde insgesamt über 15.000 Menschen anwesend waren. Frank und Maney müssen sich diesem Umstand im Zuge ihrer Verfolgungsjagd ebenfalls mehr und mehr im Klaren sein.

Wer sich einen Faible für das im besten Sinne altmodische Erzählkino der 1970er Jahre bewahrt hat, der wird mit The Highwaymen seine helle Freude haben: Entschleunigt, oftmals in sich gekehrt, durchweg streng auf seine Hauptfiguren fokussiert und nur mit gelegentlichen Action-Sequenzen garniert, lebt Hancocks in elaborierte Bilder gegossene Regie von der Charakterdynamik zwischen Kevin Costner und Woody Harrelson. Zwei Kollegen, vielmehr Freunde, deren Fähigkeit nicht nur gebraucht werden, sondern die sich auch einander brauchen. Ihr Auftrag gleicht einer Konfrontation nationaler Spannungen zur Zeit der Weltwirtschaftskrise. Sie selbst sind noch unverschont geblieben vom Alter, sowohl körperlich, aber auch intellektuell: Beide sind in einer Phase ihres Lebens angekommen, in der sie (endlich) beginnen, nachzudenken. In der sie die Zielstrebigkeit ihrer Arbeit nicht mehr auf Gewalt betten möchte, von oberster Instanz aber dazu gezwungen werden. 

In einer Szene beschreibt Frank den Süden als Spielwiese des Teufels. Nicht um ihn zu mythologisieren, sondern um seiner Angst verbal Ausdruck zu verleihen, seine Seele nicht mehr vor dem Fegefeuer retten zu können. So sehr sich The Highwaymen stilistisch zeitweise auch den Gesetzen des Cop- Neo-Western-Genres bedienen mag, am Ende begreift sich der Film als ein trauriger, müssen sich Frank und Maney doch wieder in der Rolle vorfinden, die sie eigentlich für immer hinter sich lassen wollten: Als Helden, die dafür ausgezeichnet werden, Menschenleben beendet zu haben. The Highwaymen ist damit nicht nur Abgesang auf archaische Maskulinität, sondern auch auf den Mythos, dessen Zentrum Bonnie und Clyde wurden. In der womöglich besten Szene tritt William Sadler (Stirb langsam 2) als Vater von Clyde in Erscheinung. Ein nachwirkender Moment außerordentlicher Desillusion.

Fazit

Mit "The Highwaymen" liefert Regisseur John Lee Hancock seinen womöglich besten Film ab: Nicht nur als Abgesang auf den Mythos, der um das Verbrechenpaar Bonnie und Clyde erschaffen wurde, sondern auch als Dekonstruktion altertümlicher Männlichkeitsvorstellungen. Ungemein klassisch erzählt besticht "The Highwaymen" durch überraschend facettenreiche Charaktere und starke Bilder und führt direkt in das Klima eines Landes, welches sich fest im Klammergriff von Desillusion und Verwahrlosung befindet. Nichts ist weniger heldenhaft, als für das Töten ausgezeichnet zu werden.

Autor: Pascal Reis

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