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England befindet sich im frühen 18. Jahrhundert im Krieg mit Frankreich, doch Entenrennen und der Genuss von Ananas erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die gebrechliche Königin Anne (Olivia Colman) sitzt zwar auf dem Thron, doch ihre enge Freundin Lady Sarah (Rachel Weisz) regiert das Land an ihrer Stelle und kümmert sich auch noch um Annes Gesundheit und ihre sprunghaften Launen. Als das neue Dienstmädchen Abigail (Emma Stone) ihre Stelle antritt, schmeichelt sie sich schnell bei Sarah ein. Sarah nimmt Abigail unter ihre Fittiche und Abigail sieht ihre Chance, zu ihren aristokratischen Wurzeln zurückzukehren. Als die politischen Auseinandersetzungen Sarah zeitlich immer mehr in Anspruch nehmen, nimmt Abigail ihren Platz ein und fungiert fortan als Vertraute der Königin. Die aufkeimende Freundschaft gibt Abigail nun die Möglichkeit, ihre ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen, und sie wird nicht zulassen, dass eine Frau, ein Mann, Politik oder sonst irgendetwas sich ihr in den Weg stellen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Es sind nicht die fehlenden Emotionen der Figuren, die die Filme des griechischen Regisseurs und Autors (The Killing of a Sacred Deer) auszeichnen. Die Kernessenz seiner Werke ist die überaus geistreiche Boshaftigkeit. Mit dieser dekonstruierte er bereits diverse gesellschaftliche wie auch familiäre Strukturen. Heilig war ihm dabei nie etwas und gerne schockte er sein Publikum, ohne dabei jedoch seinen schwarz humorigen Fokus zu verlieren. Die filmischen Ergebnisse waren allesamt famos, jedoch für ein Publikum mit einem eher niedrigen Aufnahmewillen nicht sonderlich gut goutierbar. Mit The Favourite - Intrigen und Irrsinn könnte sich das nun ändern.

The Favourite - Intrigen und Irrsinn verzichtet nämlich auf Figuren, die sich so prosaisch benehmen, wie eine Steuererklärung. Stattdessen erlaubt Lanthimos seinen Figuren diesmal teilweise ungezügelt den eigenen Emotionen freien Lauf zu lassen. Am Ergebnis ändert sich aber nichts. Auch The Favourite - Intrigen und Irrsinn ist ein Hort der entlarvenden Boshaftigkeit, die diesmal am Hofe der britischen Königin Anne ausgetragen wird. Anne war die letzte Monarchin des Hause Stuart, die auf dem britischen Thron saß. Ihre Amtszeit war von 1702 bis 1714 und Historiker sind sich sicher, dass die Aristokratin von der Gicht geplagt wurde und mit Sarah Churchill eine enge Vertraute am Hofe hatte, die durchaus Einfluss auf die politischen Entscheidungen der Queen hatte.

In The Favourite - Intrigen und Irrsinn wird dies auf die Spitze gebracht. Während die Königin (, Mord im Orient Express) ein bipolares Wrack ist, leitet Sarah Churchill (, The Fountain) als eloquente und versierte Marionettenspielerin die königlichen Geschäfte. Eigennutz und Freude an der Manipulation gehören sicherlich auch dazu, aber im Grunde versucht sie ihrer guten Freundin wirklich zu helfen. Dies geht sogar soweit, dass beide eine homosexuelle Beziehung miteinander pflegen. Wenn man die Schmerzen der Gicht und der Seele schon nicht mit Medizin besänftigen kann, so kann man sich gegenseitig zumindest ein paar euphorische Minuten mit der Zunge schenken.

Zerstört wird die Zweisamkeit von Abigail (Emma Stone, Battle of the Sexes - Gegen jede Regel), Sarahs gesellschaftlich verstoßener Cousine, die die Kontakte zu ihrer Verwandten nutzt, um eine Anstellung am Hofe zu erhalten. Sobald sie diese hat, beginnt sie Queen Anne zu umgarnen, um ihre eigene Position innerhalb der Adelswelt wieder zu verbessern. Dabei scheint sie mit einer immensen Durchhaltevermögen gesegnet zu sein. Weder ätzende Streiche des Personals, noch all zu aufdringliche Annäherungsversuche junger Monarchen halten Abigail von ihrem Unterfangen ab, wieder ganz oben in der Gesellschaft anzukommen. Und so kommt es rasch dazu, dass zwischen Sarah und Abigail ein Krieg um die Gunst der Königin entbrennt.

Das Schöne und Besondere an diesem Gefecht ist, dass kein wirkliches Gut und Böse gibt. Es sind Graustufen, in denen sich Sarah und Abigail mit ihren Bemühungen die Königin für sich alleine zu gewinnen, bewegen. Dabei agieren sie alle egoistisch, taktisch und oft genug auch ehr- und würdelos. Nicht nur ihrer Umwelt gegenüber, sondern auch sich selbst. Abigail vertraut so z. B.einmal auf den Effekt der Selbstverletzung, um ihr Ziel zu erreichen. Ähnlich wie es bereits Ben Whishaw (Spectre) in Lanthimos' The Lobster tat, um sich für eine Frau mit chronischem Nasenbluten attraktiv zu machen.

Sarahs und Abigails Taten wirken in der Welt von The Favourite - Intrigen und Irrsinn aber keineswegs herausstechend. Der Film setzt die gesamte britische, aristokratische Welt des frühen 18. Jahrhunderts wie ein Schaulaufen der Extravaganz, Selbstdarstellung und des Exzess in Szene. Es gibt kaum eine Figur, die nicht versucht gesellschaftlich aufzusteigen. Egal ob Naivling oder Stratege, sie alle agieren ohne wirklichen moralischen Kompass. Lanthimos bleibt sich wie gesagt treu. Auch sein neuster Film ist eine gesellschaftliche Reflexion im Zerrspiegel schwarzer Komik und vernichtendem Spott. Dass die Geschichte nicht in der Gegenwart spielt ist dabei ziemlich redundant. The Favourite - Intrigen und Irrsinn erzählt fraglos nicht nur vom gestern, sondern mit großem Drang auch von heute.

Obwohl Lanthimos Filme immer auch ein Kommentar sind, so verweigert er sich stets dem Geschehen auf der Leinwand eine ethische Wertung abzuringen. Das ist bei The Favourite - Intrigen und Irrsinn nicht anders. Regelrecht gefühlskalt lässt der Regisseur das intrigante Treiben vonstattengehen und versucht niemals Sympathien oder gar Verständnis zu generieren. Sogar für Queen Anne hat er kein Mitleid übrig. Selbst wenn diese benommen durch ihre eigene Verzweiflung umherwinselt. Für Lanthimos sind sie alle Opfer und Täter zugleich. Das Einzige, was er durchaus positiv konnotiert ist der Kampf der Frauen gegen die Männer. Denn während Sarah, Abigail und Anne durchaus Erfolge feiern und vorwärtskommen, müssen die Männer entweder in den Krieg ziehen, machen sich mit Selbstüberschätzung lächerlich oder verbringen ihre Zeit damit Orangen zweckzuentfremden.

Dargeboten wird dies alles in sensationellen Bildern. Chef-Kameramann Robbie Ryan, der zuvor bereits gekonnt für die Bilder in Slow West und American Honey verantwortlich war, kleidet The Favourite - Intrigen und Irrsinn in einen absolut einnehmenden wie ultra-dynamischen Stil. Ihm gelingt eine wundervolle Balance aus frenetischer Bewegung und regungsloser Konzentration. Das Kinojahr 2019 erhält also bereits im Januar einen der wohl best bebilderten Filme der nächsten Monate.

Nicht vergessen werden dürfen natürlich die Darsteller. Olivia Colman erhielt erst kürzlich für die Darstellung von Anne einen Golden Globe. Rachel Wesiz und Emma Stone waren ehemals nominiert und Coleman bedankte sich bei ihren Kolleginnen oder wie sie sagte: „My Bitches“. Alle positiven Preise und Nominierungen sind gerechtfertigt. Die drei Hauptdarstellerinnen überzeugen ohne Ausnahme und auch dank ihnen ist The Favourite - Intrigen und Irrsinn ein Film geworden, der das Zeug dazu hat, dass man über ihn sogar noch dann redet und vor allem nachdenkt, wenn ein neuer Monarch auf dem britischen Thron platz genommen hat. Da verzeiht man gerne, dass es der erste, große Film des griechischen Regisseurs ist, ohne ein Tier im Titel. Aber hey, dafür gibt es im Film viele Kaninchen, eine Gans und sogar Hummer.

Fazit

Yorgos Lanthimos entdeckt die Emotionen. Anders als etwa in „Dogtooth“ oder „The Lobster“ verabschiedet sich der Regisseur in „The Favourite“ vom charakterlich prosaischen Tonus. Jetzt wird mit großen Gestus gearbeitet. Eine Kehrtwende seines Stils? Mitnichten. Die Geschichte der abtrünnigen Adeligen Abigail, die am Hofe der bipolaren und gichtverseuchten Queen Anne gegen ihre Cousine intrigiert, besitzt den typischen Lanthimos-Kick: Der Film ist bösartig, hinterlistig und darüber hinaus auch hinreißend amüsant. Ein köstliches wie grandioses Werk, dessen deutscher Beititel „Intrigen und Irrsinn“ wie die Faust aufs Auge passt.

Autor: Sebastian Groß

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