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Israel 1997: Gerade hat die junge Journalistin Sarah Gold (Romi Aboulafia) ein Buch veröffentlicht, welches eine geheime Mossad-Aktion in Ostberlin im Jahre 1965/66 beschreibt, an der auch ihre eigene Mutter Rachel Singer (Helen Mirren) beteiligt war. Diese führte gemeinsam mit ihren Kollegen David (Ciarán Hinds) und Stephan (Tom Wilkinson) einen Auftrag aus (in jungen Jahren gespielt von Jessica Chastain, Sam Worthington und Marton Csokas), der die Ergreifung, Verschleppung und anschließende Verurteilung des Chirurgen von Birkenau Dieter Vogel (Jesper Christensen) vorsah. Knapp 30 Jahre sind seit damals vergangen und das ehemalige Trio hat sich aus den Augen verloren. Als jedoch David eines Tages aus heiterem Himmel wieder auftaucht, droht ein altes Geheimnis gelüftet zu werden. Nach der offiziellen Version kam Vogel bei der damaligen Aktion ums Leben. Doch was ist wirklich geschehen? Hat Rachel tatsächlich Vogel auf der Flucht erschossen?

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Basierend auf dem israelischen Film Der Preis der Vergeltung (OT Ha-Hov), erzählt Eine offene Rechnung eine tiefe komplexe Thriller-Geschichte, die vornehmlich den Fokus auf seine Figuren legt. Dies ist angesichts der bisherigen Film-Karriere von Regisseur John Madden auch keineswegs verwunderlich. Schon mit Shakespeare in Love konnte der Brite beweisen, dass er durchaus in der Lage ist, tiefe Charakterstrukturen aufzuzeigen, ohne dabei zu sehr die Story zu vernachlässigen. Zwar waren die letzten Werke von Madden keine Kassenschlager mehr, doch seinen Stil konnte er sich bewahren. Nun folgt also eine weitere geschichtsträchtige Story, die mithilfe der Drehbuchautoren Matthew Vaughn und Jane Goldman (Kick-Ass) zudem den passenden Rahmen sowie die nötige Spannung bekommen hat. So erzählt der Film die Geschichte einer berühmten Mossad-Aktion in den 60er Jahren, als auch die Handlung die in Israel des Jahres 1997 stattfindet.  Ein stetiger Wechsel zwischen den Zeitebenen sowie eine konsequente Spannungskurve sind also garantiert. Dennoch schafft es Regisseur John Madden nicht, seinen Film bis zur letzten Minute interessant zu gestalten.

Dies liegt vor allem daran, dass Eine offene Rechnung zweigeteilt daher kommt. Während sich die erste Hälfte des Films auf die Mossad-Aktion sowie die Buchpräsentation konzentriert (inklusive Agenten- wie Verfolgungs-Part), kommt es in der Mitte zu einem Bruch, der auch einen Setting-Wechsel zur Folge hat. Zwar wirkt stets die Inszenierung ruhig, sogar fast schon altmodisch, und dadurch gekonnt in Szene gesetzt, doch durch den starken Stil-Wechsel, kommt es unweigerlich zu einigen kleineren Längen. Denn während die Thriller-Elemente anfangs wunderbar funktionieren und ineinander greifen, folgt daraufhin ein Kammerspiel (welches nur in einer kleinen Wohnung stattfindet), dass sich vornehmlich auf die gelungenen Figuren konzentriert und so etwas abgegrenzt wirkt. Hier wird dann gestritten, geliebt, gehasst und später auch eine Wahrheit erfunden, die noch dreißig Jahre später das Trio beschäftigt. Der Titel des Originals, der Preis der Vergeltung, passt indes als Beschreibung perfekt. So hat die Aktion rund um Dieter Vogel zwar funktioniert, doch durch eine schief gelaufene Flucht in Berlin, ist das Team in ihrer Wohnung gefangen. Hat sich der Einsatz gelohnt? Und wie wird Vogel nun noch aus dem Land geschafft? Ist vielleicht sogar Mord eine Lösung? Ebenso wie Steven Spielbergs München, steht also die Frage nach der Moral im Vordergrund. Umso überraschender ist schlussendlich die Auflösung als auch das Finale, das noch einmal einen Blick in eine Welt offenbart, aus der es eben nun mal kein entkommen gibt.

Während allerdings der Stilbruch in der Mitte angesichts 113 Minuten spannender Unterhaltung noch gerne Übersehen werden kann, gestaltet sich die Frage nach der historischen Genauigkeit schon schwerer. Zu leichtfertig gehen die Autoren mit dem Thema Israel, Kriegsverbrecher und Vergeltung um. Die Figuren erhalten nur ein geringes Profil bezüglich ihrer Motive für die Jagd, sodass besonders hier einige Fragen offen bleiben. Auch ist erst spät Mord ein Thema. Anfangs soll Vogel nur entführt werden, doch schon hier beginnen sich die beteiligten Personen zu fragen, ob sie das richtige tun. Da aber Vogel vor ein Gericht gestellt werden soll, will sich dem Zuschauer diese moralische innere Zerrissenheit nicht so richtig offenbaren. So wirkt Eine offene Rechnung stets komplex sowie tiefgreifend, ist gemessen am heiklen Thema allerdings viel zu zahm, wodurch hier viel vom eigentlichen Potenzial verschenkt wird.

Besonders gelungen sind indes allerdings die darstellerischen Leistungen. Ob nun die alte Mossad-Truppe in den 60er Jahren oder die alte Garde in den 90ern. Jeder von ihnen leistet einen hervorragenden Job, sodass die komplexe Geschichte ohne Mühen aufgefangen werden kann. Selbst Sam Worthington kann in seiner Rolle des stillen wie verschlossenen David überzeugen. Besonders hervorzuheben sind jedoch die Leistungen von Jessica Chastain sowie Helen Mirren als Rachel. Chastain spielt ihren Part mit solch einer Hingabe und Leichtigkeit, dass schon einzelne Minen ausreichen, um ihre Handlungen zu verstehen. Mirren indes ist die gebrochene alte Frau, die auf Erlösung hofft. Besonders wenn sie noch einmal eine Mission zum Finale hin beschreitet, kann sie durch ihr ergreifendes Spiel überzeugen und bildet so den perfekten Abschluss.

Fazit

Regisseur John Madden präsentiert mit "Eine offene Rechnung" überraschendes wie komplexes Thriller-Kino, das dem Genre durchaus noch einmal frisches Blut verleiht. Vor allem die darstellerischen Leistungen sind herausragend sowie der visuelle Stil ansprechend, weswegen sich allein hier der Kauf eines Tickets lohnt. Allerdings bleibt die scheinbar tiefe Geschichte aufgrund seiner eigentlichen Brisanz dann doch zu zahnlos und der Bruch in der Mitte dürfte vielen ein Dorn im Auge sein. Was bleibt ist spannendes Agenten-Kino, was besonders für Genre-Fans ein Leckerbissen sein wird.

Autor: Thomas Repenning

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