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London im ausgehenden 19. Jahrhundert: Da der selbstgerechte Richter Turpin seine Frau begehrt, wird der Barbier Benjamin Barker unschuldig ins Gefängnis geworfen. 15 Jahre später kehrt dieser aus der Gefangenschaft zurück, nennt sich nun bloß noch "Sweeney Todd" und schwört blutige Rache. Doch statt Frau und Kind, findet er daheim bloß die Bäckerin Mrs. Lovett vor, die ihn darüber aufklärt, dass seine Frau verstorben ist und Richter Turpin seine Tochter an Kindestatt als Mündel adoptiert und in seiner Gewalt hat. Kurzerhand quartiert sich Todd über Mrs. Lovetts Laden ein und eröffnet einen Barbiersalon, in der Hoffnung, dass eines Tages der verhasste Richter durch seine Tür treten wird. Und mit der Zeit fnden er und seine Gespielin ihre ganz eigene Lösung für sowohl die wachsenden Leichenberge, als auch dafür, das dahindarbende Fleischpasteten-Geschäft von Mrs. Lovett kräftig anzukurbeln...


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Quelle: themoviedb.com

Kritik

"There's a hole in the world like a great black pit and it's filled with people who're filled with shit and the vermin of the world inhabit it."  Sweeney Todd

Alle paar Jahre passiert es, dass Hollywood sich auf die Tradition großer, imposant ausstaffierter Musicals besinnt und sie mit einem stimmgewaltigen Star-Cast ins Oscar-Rennen schickt. Meistens werden diese dann mit zahlreichen Nominierungen bedacht und in Kategorien wie "Bestes Kostümdesign" oder "Bester Filmsong" ausgezeichnet, wohingegen sie in den Königsdisziplinen meist den Kürzeren ziehen. Werke wie Rob Marshalls Chicago, welcher 2003 bei Bester Film sogar das Fantasyepos Der Herr der Ringe: Die zwei Türme ausstechen konnte, oder aber der Beinah-Gewinner La La Land von 2018 bilden hier die Ausnahme. Hat man das nun bei Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street im Hinterkopf, welcher trotz drei Nominierungen (Hauptdarsteller, Kostüme, Szenenbild) letztlich nur einen Goldjungen mit nach Hause nehmen konnte, kann man schnell auf die Idee kommen, auch diesen Streifen damit in eine Reihe zu stellen.

Doch beginnen die Unterschiede zu typischer Musical-Oscarware hier schon mit den Namen sowohl vor, als auch hinter der Kamera. Statt einem genre-erprobten Rob Marshall (Nine) traute sich  mit Tim Burton  ein eigenwilliger Traumfabrik-Virtuose auf den Regiestuhl. Und zumindest zu dieser Zeit galt noch die Faustregel: wo ein Tim Burton ist, da ist auch Johnny Depp (Pirates of the Caribbean) nicht weit, geschweige denn Burtons damalige Muse Helena Bonham Carter. Dieses künstlerische Dreigestirn wagte sich nun aber mit einem echten Musical nicht nur auf völlig unerforschtes Terrain, sondern auch an ein wahres Kultobjekt heran. Sweeney Todd, die makabere Legende vom Barbier, der seinen Kunden nicht bloß die Bärte schneidet, gehört bis heute nicht nur den größten Broadway-Erfolgen überhaupt, die Ur-Inszenierung von 1979 mit Len Cariou und Angela Lansbury in den Hauptrollen genießt auch heute noch einen gewissen Bekanntheitsgrad. Noch dazu gelten die teilweise hart dissonanten Harmonien, die Musiker Stephen Sondheim an den Klängen von Bernard Herrmann zum Hitchcock-Meilenstein Psycho inspirierte, als dessen persönliches Meisterwerk. Denkbar also keine sonderlich leichte Aufgabe  für die Combo Burton/Depp/Carter.

Doch auch wenn Tim Burton in seiner Filmografie schon immer wahlweise zwischen knallbuntem Exzess (Mars Attacks, Pee-wees irre Abenteuer) oder düsterer Gothic-Fantasie (Sleepy Hollow, Batmans Rückkehr) pendelte und sich beide Markenzeichen gleichermaßen auch in diesem Streifen wiederfinden lassen: Sweeney Todd ist womöglich sein düsterster Film. War die Farbpalette bereits in Sleepy Hollow, ebenfalls mit Johnny Depp in der Hauptrolle, fast schon zu einem trostlosen Schwarz-Weiß heruntersaturiert, setzen Burton und Kameramann Dariusz Wolski diesem hier nochmal einen drauf. Nachtschwarz, dreckig und verkommen, erscheint diese Vorstellung des viktorianischen London, dass sie, gemeinsam mit dem oscarprämierten Produktionsdesign von Dante Ferretti, heraufbeschwören. Wenn Depps Sweeney Todd bei seiner Rückkehr die Heimatmetropole als "Jauchegrube, in welcher das Geschmeiß der Welt haust",  mit zusammengepressten Zähnen besingt, ist man spätestens nach der anschließenden Kamerafahrt durch die Fleet Street gewillt, es ihm gleichzutun. Irgendwo zwischen der sozialen Zeitgeist-Kälte eines Charles Dickens und den pulsierenden Fieberträumen aus Blut und Schmutz in From Hell, siedelt Burton diese abgründige Vision an. Bisweilen könnte man dieses London als den heimlichen, dritten Hauptdarsteller bezeichnen, der, zumindest rein visuell, im starken Kontrast zu den Figuren steht.

Besonders Johnny Depp und Helena Bohnham Carter stechen mit ihrer dauerfahlen Blässe und Augenringen zwar aus dem rabenschwarzen Ambiente hervor, doch im Innern sind sie moralisch ebenso verkrüppelt wie ihre unwirklich erscheinende Umwelt. In diesem beengten, vorindustriellen Moloch gilt das Leben, von denen, die wenig haben, sogar noch weniger als von Wohlhabenden wie Richter Turpin, welcher selbstgerecht über verschüchterte Straßenkinder zu Gericht sitzt. "We all derserve to die" lautet das vorherrschende Kredo, für das Turpin einsteht und welches Depps Sweeney Todd sich in dem brachial-tragischen Stück "Epiphany" stimmgewaltig aneignet. Komplettiert wird das durch zwei Gesangseinlagen, in denen Antiheld und Antagonist aufeinandertreffen und über ihre gemeinsame Faszination für schöne Frauen sinnieren, wobei Depps Rasiermesser wie ein Damoklesschwert über der ganzen Szenerie hängt. Hier erschafft Tim Burton, trotz ironischer Spitzen, wahre Gänsehautmomente, die sowohl Depp als auch dem (mittlerweile verstorbenen) Alan Rickman Gelegenheit bieten, die eigentliche Verletzlichkeit ihrer Figuren zutage treten zu lassen. Überhaupt mimt Depp den verbitterten, rachsüchtigen Barbier mit relativer Zurückhaltung, nur um dann in finsteren Schlüsselmomenten dessen ganze Brutalität und Tragik auf die Zuschauer niedergehen zu lassen.

In Sweeney Todd wird zwar schätzungsweise zu 75-80% gesungen (weshalb der Film auch von Musicalmuffeln unbedingt im englischen Originalton gesehen werden sollte), getanzt wird hier jedoch nur selten. Und wenn doch, dann ist es kaum mehr als ein makabares "Steppdichein" zwischen Todd und Mrs. Lovett, die in diesen Momenten allein ihr Hass auf die Obrigkeit vereint. Das alles garnieren Burton und sein Drehbuchautor John Logan (Penny Dreadful) mit  bitterbösem Humor, wenn sie beiden  scheinbar die  Macht über Leben und Tod überantworten und darüber fabulieren lassen, wie sich die vorbeilaufenden Passanten denn genau am besten verarbeiten bzw. verköstigen lassen.

Obwohl hier keiner der Schauspieler ausgebildeter Sänger ist, liefert der illustre Cast mehr als souverän ab. Auch wenn die Gesangsstimmen der Darsteller zunächst gewöhnungsbedürftig sein mögen, so hinterlassen sie alle einen bleibenden Eindruck. Hervorstechen kann dabei besonders der Auftritt von Borat Sacha Baron Cohen (Borat), welcher mit beeindruckender (und geradezu absurder!) Kopfstimme auftrumpfen kann. Ebenfalls als junges Gesangstalent empfiehlt sich Ed Sanders als Waisenkind Toby, das im Verlauf der Handlung zwischen die Fronten von Todd und Mrs. Lovett gerät. Helena Bonham Carter ist die Passion für Rolle hingegen mehr als nur anzuhören, was eventuelle Bedenken über die Besetzung durch ihren (Ex-)Mann Tim Burton rasch zerstreuen dürfte. Der Film widmet ihr sogar die Nummer "By the Sea", in welcher sie offen ihre Hoffnung einer Patchwork-Familie mit Todd und Waisenkind Toby zum Besten gibt. Hierfür bricht Sweeney Todd sogar kurzzeitig aus  seinem bisherigen Farbschema aus, was angesichts der tristen Grundstimmung beinahe schon wie ein (buchstäblicher) Ausflug ins Surreale anmutet.

Überstilisiert ist Sweeney Todd aber ohnehin bis ins Mark. Ob nun das zappendüster gesättigte Setting, die großen Gesten, die aber nie in Kitsch abgleiten, oder aber das Blut. Bereits in der Titelsequenz, die kaum burtonesker daherkommen könnte, suppt der zähflüssige Lebenssaft in Rinnsalen über den Bildschirm, nur um sich dann wie gleich mehrere rote Fäden durch die gesamte Geschichte zu ziehen. Dabei überspitzt Tim Burton aber die Farbe, Konsistenz und vor allem den Einsatz von Kunstblut, das in Sturzbächen und Fontänen aus den Kehlen quillt, so sehr, dass es schon bizarre Züge annimmt. Das bedeutet aber keineswegs, dass es den zusehends brutaler werdenden Mordszenen an emotionaler Wucht fehlen würde.im Kern mag Sweeney Todd eine relativ einfache Rache-Story sein, in welcher die Einflüsse von Der Graf von Monte Christo, die  Stephen Sondheim in die Bühnenadaption nach Christopher Bond einfließen ließ, ebenso deutlich spürbar sind wie die Bühnenherkunft. Dennoch durchzieht die makabere Mär, bei aller grafischen Gewalt und schwarzem Humor, eine düstere Romantik, die bisweilen in bittere Melancholie umschlägt. Kulminieren tut das in einigen Gesangsmomenten, aber vor allem im (kunstblut-)haltigen Finale, was Burton dieses morbide Meisterstück in einem der poetischsten Schlussbilder gipfeln lässt, die der (un-)angepasste  Hollywood-Querkopf vielleicht jemals hervorgebracht hat.

Fazit

Mit "Sweeney Todd - Der teuflische Barbier aus der Fleet Street" lieferte Tim Burton sein erstes Musical ab und überzeugt dabei als Genre-Neuling auf nahezu ganzer Linie. Seine Verfilmung des Broadway-Hits ist eine visuell atemberaubende, tiefschwarze, blutige Horror-Oper, bei der Burton trotzdem seinen Hang zum Skurrilen nie abhanden kommt. Getragen von den durchweg grandios agierenden Darstellern und natürlich der großartigen Musik aus der Feder von Stephen Sondheim, erschafft Burton hier ein ganz und gar ungewöhnliches Musical, das es Genre-Fans wie passionierten Verächtern gleichermaßen nicht leicht machen dürfte, es in all seiner blutverschmierten Schön-Schrecklichkeit ins Herz zu schließen. Einen Ruck geben sollten jedoch sich beide Parteien, verpassen sie doch ansonsten eines der stilsichersten und womöglich auch besten Werke von Tim Burton.


Autor: Dominik König

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