{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Verfügbar auf

Sky ticket

Inhalt

Um einen geheimnisvollen Krater in der Nähe von Philadelphia zu erforschen, startet Waffenfabrikant Prudent mit einem Heißluftballon zu einem Erkundungsflug. Mit an Bord sind seine Tochter Dorothy, sein Assistent Philip Evans und der Regierungsagent Strock.
  • Hqvfwox7pvb1inynr0re90ge5ju
  • Ukpkpmznd1jhmkg5alf27proph0
  • Rnqtu6qlquxsai6orqpoftb91ki
  • Zs63m9xrruisnrll6hbz7vrydzv
  • Hsbht7xxwe0xywqht9sy293uttz
  • U1mdwggw9zrnksjtce9wyge3ag
  • Unupzedalmdbfgje6gjydy8phdc
Quelle: themoviedb.com

Kritik

Jules Verne zählt zweifelsohne zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Trivialliteratur. Viele seiner technikaffinen, phantastischen Science-Fiction- und Abenteuergeschichten gehören längst zum generationsübergreifenden Kulturgut und wirken heute aufgrund erstaunlich realitätsnaher Spekulationen über den Fortschritt und die Entwicklung umso beeindruckender. Natürlich auch ein gefundenen Fressen für die Filmindustrie, speziell der 50er und 60er Jahre, als die Möglichkeiten solche Adaptionen erstmals ernsthaft zuließen und der Zeitgeist sehr an diesen Stoffen interessiert war. Filme wie 20.000 Meilen unter dem Meer, In 80 Tagen um die Welt oder Die Reise zum Mittelpunkt der Erde wurden Kassenknüller und gelten heute als wahre Klassiker. Hier wurden zwei seiner durch die Figur des Robur mit inhaltlichen Überschneidungen angelegten Romane direkt zu einem Film gemischt: Aus Robur, der Eroberer und Der Herr der Welt wurde Robur, der Herr der sieben Kontinente.

Im Mittelpunkt der zusammengelegten Handlung stehen zunächst der rüstige Waffenproduzent Prudent (Henry Hull, Das Rettungsboot), seine Tochter Dorothy (Mary Webster, Der Stern des Gesetzes), deren Verlobter Evans (David Frankham, Die Rückkehr der Fliege) und der Regierungsbeamte Strock (Charles Bronson, Spiel mir das Lied vom Tod), die sich mittels eines mit Propellern ausgestatteten Ballons – dem ihrer Meinung nach modernsten Fluginstrument Mitte des 19. Jahrhunderts – auf eine Aufklärungsmission begeben. Die findet ein jähes Ende, nachdem sie abgeschossen werden und an Bord eines wirklich progressiven Flugapparats erwachen. Kapitän dieses futuristischen, tonnenschweren und gigantischen Luftschiffs ist der mysteriöse Robur (Vincent Price, Das Kabinett des Professor Bondi). Stolz präsentiert er seinen unfreiwilligen Passagieren seinen hochmodernen Papier-Flieger, der unsichtbar durch den noch nicht eroberten und daher ziemlich verwaisten Luftraum gleitet. Mit einer Mischung aus Erstaunen, Furcht und angebrachter Skepsis nehmen die Gäste das Geschehen auf. Fühlen sich als Geiseln, obgleich Robur sie nie direkt bedroht. Aber auch verdeutlicht, dass sie nun eine Weile an seiner Seite verweilen müssen. Wohin diese Reise geht, das stellt sich dann relativ schnell heraus.

Selbsternannter Pazifist, bekennender Anarchist und praktisch ein gnadenloser Terrorist, als solcher offenbart sich Robur alsbald. Sein Ziel ist der Weltfrieden, das Ende jeder kriegerischer Handlungen. Seine Methode: Einschüchterung durch seine überlegene Technologie und wenn auf seine radikalen und sofort umzusetzenden Forderungen nicht eingegangen wird – absolute Vernichtung. Ausgezogen um das Sterben zu beenden wird er selbst zum apokalyptischen Todesengel, in dem er jeden auslöscht, der sich nicht seiner Ideologie ad hoc anschließt. Was völlig unmöglich ist, aber das ist genau der Punkt, an dem Idealismus in Wahnsinn kippt. Die Idee hinter Robur, der Herr der sieben Kontinente ist sehr interessant, die Mixtur der beiden Vorlagen von Jules Verne eigentlich ganz spannend und gar nicht mal so ungeschickt gelöst. Theoretisch stimmt hier einiges, bei der praktischen Umsetzung müssen leider sehr viele Kompromisse eingegangen werden.

Das mitunter kunterbunte Setdesign schwankt zwischen charmant-sehenswert (die Beleuchtung bei den Innenaufnahmen des Schiffs sehen schon schön aus), dagegen stehen oftmals deutlich als Notlösung zu erkennende Kulissen. Mal primitiv gemalt (der Vulkan), mal überdeutliche Studio-, beinah Theatersets mit billiger Hintergrunddauerschleife. Wolken bieten sich nun mal an und sehen immer gleich aus. Das kann man machen, aber wenn dann bitte etwas geschickter verwendet. Insgesamt mutet der Film trotz einiger netter Momentaufnahmen locker 5 – 10 Jahre älter an, als er eigentlich ist. Was nicht zuletzt an der sehr befremdlichen Methode liegt, jedwede Action außerhalb des Schiffs ausschließlich mit seltsam eingefügtem Archivmaterial auszufüllen. Das sieht sehr schäbig aus und kegelt den Zuschauer ratzfatz aus der zwischenzeitlich immer wieder ganz ordentlich aufgebauten Geschichte.

Denn an und für sich schlummert hinter der ungünstigen Inszenierung und der nicht konsequenten Narration von Robur, der Herr der sieben Kontinente ein eskapistisches, recht spannendes Sci-Fi-Abenteuer mit einem moralischen Zwiespalt und dahingehenden Anleihen eines Psychothrillers. Der von Vincent Price abermals exzellent verkörperte Robur sieht sich als Retter und Weltenbürger, schwingt sich aber zum Halbgott und Massenmörder herauf, da er nur der eigenen, weltfremden Moral folgt. Sich und seine Ansichten über alles stellt und statt dem Kompromiss nur die totale Vernichtung akzeptiert. Macht führt irgendwann zu Machtmissbrauch, wenn man keinen regulierenden Instanzen mehr obliegt. Price findet die ideale Mischung aus notwendiger, aber dennoch dezenter Theatralik, um die ambivalente Tragik seiner Figur mit Leben zu erfüllen. All das wird sicher nicht optimal vorgetragen, wobei technische Defizite hier das größte Problem darstellen.

Übrigens: Wenn möglich unbedingt in der 103 Minuten umfassenden Version ansehen. Die deutsche Kinofassung wurde um rund 20 Minuten gekürzt. Sollte wohl das Tempo erhöhen, tatsächlich wurden viele für den Plot und dessen Dramaturgie ziemlich wichtige Szenen entfernt. So kann man sich auch selbst das Wasser abgraben, bravo.

Fazit

Schade, wie sehr „Robur, der Herr der sieben Kontinente“ unter ungünstigen Entscheidungen zu leiden hat. Die Inszenierung ist oft zu desinteressiert und begnügt sich damit, aufwändige Sequenzen durch abgelegtes Archivmaterial auf die Leinwand zu schummeln. Zudem beherbergt die Geschichte aufregende Ansätze, die maximal angerissen werden. Vincent Price ist klasse und grundsätzlich versprüht der Film genug Charme, um ihn sich mühelos mal zur Genüge zu führen. Mehrwert ist dann doch eher gering. Gut gedacht, mittelprächtig umgesetzt.

Autor: Jacko Kunze

Wird geladen...

×