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Ricki ist eine Frau, die einst alles für ihren Traum, ein Rockstar zu werden, aufgegeben hat. Nun kehrt sie nach Hause zurück, um mit ihrer Familie endlich wieder alles ins Reine zu bringen.

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Kritik

Seine Klasse ist unbestritten, doch in den letzten Jahren ist es reichlich still um den Mann geworden, der uns einst einen der größten Klassiker des amerikanischen Kinos geschenkt hat: Jonathan Demme. Mit „Das Schweigen der Lämmer“ zog er in den Regie-Olymp ein und legte verantwortungsbewusst mit dem ein Jahr später erschienenen AIDS-Drama „Philadelphia“ hochklassig nach. Jonathan Demme stand für großes Kino und noch größere Emotionen; ein Filmemacher, der es beherrschte, bedrückendes Unbehagen als auch eine flammende Liebe adäquat anzupacken. Darüber hinaus aber scheint es eher den Cineasten und Geeks vorbehalten zu sein, weitere Arbeiten von Jonathan Demme aufzuzählen, wie zum Beispiel die ebenfalls überaus gelungene Hitchcock-Hommage „Tödliche Umarmung“ oder das intime Familien-Porträt in „Rachels Hochzeit. Vielleicht bewirkt die Strahlkraft eines anderen Superstars einen gewissen Popularitätsschub, hat es sich ein Jonathan Demme doch durchaus verdient, nach wie vor die Anerkennung zu bekommen, die Anfang der 1990er Jahre regelrecht auf ihn eingeschlagen ist.

Auf Starpower hat Jonathan Demme in „Ricki – Wie Familie so ist“ jedenfalls setzen können, ist die tragende Hauptrolle doch mit der großen Meryl Streep („Die Eiserne Lady“) hochkarätig besetzt worden: Eine Schauspielerin, die augenscheinlich jeder verehrt; die alles kann, für alles bereit ist, für alles gejubelt wird und für ihre bei den verschiedensten Veranstaltungen erhaltenen Auszeichnungen längst anbauen musste (die drei Oscars gehen regelrecht unter!). Und vermutlich ist es auch als Regisseur eine Wohltat, eine Künstlerin wie Meryl Streep zu inszenieren – so kundig und gewandt, wie sie sich in ihrer grenzenlosen Erfahrung gibt. Natürlich wäre es gelogen, würde man nun an dieser Stelle proklamieren, Streep könne hier in der titelgebende Rolle nicht überzeugen – das tut sie. Doch auch ihre Grandezza reicht nicht, ebenso wenig wie das einnehmende Charisma des wunderbaren Kevin Kline („Ein Fisch namens Wanda“), um das schwache, in biederem Gebaren geronnene Drehbuch von Diablo Cody („Juno“„Young Adult“) in irgendeiner Weise zu sanieren.

„Ricki – Wie Familie so ist“ ist, das muss man so forsch sagen, generische Wohlfühlsülze aus der Hollywoodretorte. Einzig die Momente, in denen man Meryl Streep zusammen mit Rick Springfield auf der Bühne einer urigen Kneipe in Los Angeles beobachten darf, lassen etwas lebensgewandte Energie anklingen, während der Rest schlicht und ergreifend im Morast harmoniesüchtiger Tragikomödien verendet. Zwanghaft bemüht man sich in „Ricki – Wie Familie so ist“ am Narrativ der Reue und Vergebung entlangzuarbeiten, findet aber niemals die Schärfe, um den familiären Scherbenhaufen ins Visier zu nehmen, für den sich Ricki nach all den Jahren schuldig fühlt. Stattdessen zeigt man eine in die Jahre gekommene, aber immer noch lebendige Frau, die hofft, dass ihre (eigentlich) Liebsten ihr Abbitte tun, im bedeutungsvollen Finale aber tatsächlich dem Geltungstrip Vorrang lässt, um doch wieder die plärrende Ricki-Show anzustimmen – während die Menschen um sie herum in beste Feierlaune geraten. „Ricki – Wie Familie so ist“ besitzt nicht einen Funken Sinn für (zwischenmenschliche) Stimmungen.

Fazit

„Ricki – Wie Familie so ist“ möchte keine Risikos eingehen. Stattdessen nistet er sich in einer biederen Wohlfühlzone ein, die er zu keiner Zeit verlässt, aber fortwährend harmoniesüchtigen Pompanz ablässt. Wer wirklich hofft, dass „Ricki – Wie Familie so ist“ auf die menschlichen Schicksale im Zentrum eingeht, der wird enttäuscht. Dabei waren die personellen Bedingungen mit Jonathan Demme, Diablo Cody und Meryl Streep so stark.

Autor: Pascal Reis

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