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Einst zeugte die blutrünstige Mörderpuppe Chucky mit ihrer ebenso durchgeknallten Braut Tiffany einen Sohn, Glen. Der, mittlerweile verwaist, macht sich nach Hollywood auf, wo man gerade einen Film über die todbringenden Abenteuer seiner Eltern dreht. Und wie es sich für einen guten Sohn gehört, erweckt Glen seine Erzeuger kurzerhand wieder zum Leben. Eine schlechte Idee, wie sich herausstellt, denn Mama und Papa beginnen zum Entsetzen des Sprösslings sofort mit einer neuen Killer-Tour. Als sich Chucky dann zu allem Überfluss auch noch mit der friedfertigen Natur seines Sohnemanns konfrontiert sieht, hängt erwartungsgemäß der Haussegen schief. Tiffany hingegen schwebt im siebten Himmel, als sie erfährt, wer die Hauptrolle in der Verfilmung ihres Lebens spielt: ihre Lieblingsschauspielerin Jennifer Tilly. Und die lernt die kleine, aber feine Puppendame bald näher kennen, als ihr lieb ist...

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Kritik

Wie uns die letzte Szene aus dem überaus spaßigen Chucky und seine Braut vor Augen geführt hat, ist es der vernarbten Mörderpuppe (Brad Dourif, Einer flog über das Kuckucksnest) und seiner nicht minder mörderischen Freundin Tiffany (Jennifer Tilly, Oscar-nominiert für Bullets Over Broadway) doch tatsächlich gelungen, sich fortzupflanzen. Der aus Plastik und Gummi bestehende Stammbaum erweitert sich also und wie der Titel Chucky's Baby bereits unschwer zu erkennen gibt, wird sich der nunmehr fünfte Teil des Child's Play-Franchise auch genau mit diesem biologischen Wunder beschäftigen: Chucky und Tiffany werden Eltern. Ja, da möchte man durchaus die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Erst recht, wenn man Zeuge davon geworden ist, was Don Mancini (Underground Werewolf) hier über etwas mehr als 80 Minuten veranstaltet.

Bisher hat sich Don Mancini im Chucky-Universum als Drehbuchautor und Ideengeber verdingt und war somit die kreative Triebkraft, um eine der bekanntesten Horror-Ikonen zu entwickeln. Bei Chucky's Baby hat es sich der Schöpfer nun selbst auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht und knüpft an die Marschroute an, die Chucky und seine Braut ganze 6 Jahre zuvor forciert hat: Frischzellenkur und Kurskorrektur sind die obersten Gebote. Die Zeiten, in denen Chucky noch ein schleichendes Mini-Monstrum im Schatten gewesen ist, gehören lange der Vergangenheit an, stattdessen dreht Chucky's Baby die Klamauk-Regler nun endgültig bis zum Anschlag auf und serviert uns eine grotesk-alberne Eigeninterpretation von Wes Cravens Meilenstein Scream – Schrei!: Der Messer-schwingende Winzling ist nicht nur im Meta-Zeitalter angekommen, sondern auch in Hollywood.

Hier sind er und seine Liebste nun die Hauptakteure einer prominenten Horror-Reihe, während Jennifer Tilly, die sowohl erneut Tiffany spricht als auch sich selbst spielt, alle Hebel in Bewegung setzen möchte, um endlich wieder eine attraktive Rolle an Land zu ziehen – wie zum Beispiel die Jungfrau Maria im Bibel-Epos von Redman. Nun ja... Gleichzeitig möchte auch Shitface, so vorerst der Name der Puppen-Brut, endlich in Erfahrung bringen, wer denn nun eigentlich seine wahren Eltern sind, was ihn geradewegs in die Traumfabrik führt. Anders als zu erwarten, wurde Chucky Junior vom Killerinstinkt seiner Erzeuger verschont und tritt als weinerliches Sensibelchen auf, welches gerne knuddelt und sich hin und wieder auch mal vor Schreck in die Hosen macht: Das Töten ist für ihn nur ein immer wiederkehrender Alptraum.

Tatsächlich ist es durchaus amüsant mitanzusehen, wie der kleine Pumuckl-Verschnitt, der später von seiner Mutter Sweetface gerufen wird und sich danach aussuchen kann, ob er Glen oder Glenda sein möchte, mit seinen berühmt-berüchtigten Eltern interagiert. Don Mancini ist sich dabei für keinen Schlag unter die Gürtellinie zu schade und nutzt das Meta-Konzept nicht dafür, um sich über die immer obskurer ausfallende Mythologie der Chucky-Serie auszulassen, sondern, um Hollywood und sein Starsystem bloßzustellen. Vor allem Jennifer Tilly darf sich hier natürlich ordentlich selbst aufs Korn nehmen und beweist eine durchaus sympathische Selbstironie, wenn sie mangelnde Jobangebote,  Affären und etwaige Gewichtsprobleme ins Visier nimmt. Man muss sich allerdings von vornherein im Klaren sein, dass Chucky's Baby dabei niemals sinnstiftend sein möchte.

Weder als Satire, noch als Genre-Flic. Don Mancini hingegen dreht vollkommen frei und lässt kaum eine Szene ohne hemmungslose Zote auskommen. Chucky's Baby ist Quatsch zum Quadrat, aber vielleicht ist genau dies der richtige Weg, um den bereits überaus komödiantischen Vorgänger noch einmal in jeder Hinsicht zu überbieten und dadurch im nächsten Teil wieder den Blick auf das Wesentliche, die Wurzeln zu richten. Gelungen im eigentlichen Sinne ist Mancinis erste Regiearbeit mit Sicherheit nicht, aber dieser unverhohlene Nonsense hat etwas befreiendes, weil er aufzeigt, dass man sich auch bei einer so prominenten Marke wie Chucky – Die Mörderpuppe nicht auf erzählerische Zwänge einlassen muss. Also, einfach frei Schnauze, und wenn man John Waters als Paparazzo sehen möchte, dann besorgt man ihn sich einfach.

Fazit

Was Don Mancini mit seiner ersten Regiearbeit hier auf die Beine stellt, ist gleichermaßen irritierend wie erheiternd. "Chucky's Baby" ist freidrehendes Meta-Kino, fernab jeder Sinnhaftigkeit. Stattdessen gibt es Zoten am Fließband, blutig-lächerliche Kills und eine Jennifer Tilly, die sich durchweg selbst auf die Schippe nimmt. Gut mag der Film im eigentlichen Sinne nicht sein, aber als Kampfansage an Franchise-gebundene Erzählzwänge hat er durchaus etwas sehr liebenswertes.

Autor: Pascal Reis

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