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Ein behütetes Elternhaus, finanzielle Sicherheit, eine außergewöhnliche Begabung und umwerfender Charme – eigentlich ist der Anfang 20-jährige Student Christopher so etwas wie ein Vorzeige-Amerikaner mit glänzenden Zukunftsperspektiven. Doch dann plötzlich, von heute auf morgen, bricht er aus seiner privilegierten Existenz aus und lässt alles hinter sich. Ohne einen Cent in der Tasche trampt er quer durch die Staaten, Richtung Alaska, in die Wildnis. Unterwegs trifft er auf andere Aussteiger, die wie er am Rande der Gesellschaft leben, und spürt die menschliche Nähe, die er bei seinen Eltern (William Hurt, Marcia Gay Harden) immer vermisste. Doch vier Monate später findet das Abenteuer ein jähes Ende.
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Kritik

Sean Penn hat 2015 den renommierten César für sein Lebenswerk erhalten. Natürlich ist er weitestgehend als Schauspieler bekannt. Als Badboy, als Rowdy und etwas ruppiger Zeitgenosse, was sicherlich auch viel mit dem Gesicht des Schauspielers zu tun hat. Dies erinnert nämlich irgendwie an ein Zitat, das von Sergio Leone („Für eine Handvoll Dollar“) stammt, der anmerkte, Charles Bronson („Spiel mir das Lied von Tod“) habe ein Gesicht, mit dem man eine Eisenbahn aufhalten könne. Sean Penn ist - was durchaus selten im Showbusiness ist - politisch aktiv („11’09“11 - September 11“) und unterstützt NGOs, Minderheiten, ist auf Demos zu finden. Er engagiert sich und gibt, auch was seine Schauspielerei angeht, mehr als 100%, sollte er sich erst einmal ein Ziel vorgenommen haben. Für „Mystic River“ gab es deshalb mehr als verdient den Oscar.

Hier jedoch nimmt der Haudegen hinter der Kamera Platz und verfilmt die relativ kurze aber relativ aufregende Lebensgeschichte von Christopher Johnson McCandless (Emile Hirsch, "Lone Survivor"), der nach seinem Schulabschluss all seine Ersparnisse spendete und mit nur sehr wenig Ausrüstung in der Wildnis leben und nach Alaska reisen wollte. Eine radikale Entscheidung und ein tiefer Schnitt in das bürgerliche Leben, das er vorher geführt hat. Ein Leben aber, das ihn nie zufrieden stellte. Mehr noch; ein Leben, das ihn enttäuschte und anwiderte. Seine Eltern streiten sich immer wieder wegen ihrer Arbeit, was dazu führt, dass Christopher das Konzept der Arbeit, der Wirtschaft und des Konsums mit jeder Faser seines Wesens ablehnt. Er verbrennt sein Geld, er verlässt sein Auto, er legt seinen wahren Namen und damit seine wahre Identität ab. Er wird zu einem neuen Menschen, er will sich seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft selbst konstruieren. Er wird zu Alex Supertramp.

Auf seiner Reise trifft Alex auf allerhand Menschen, von denen er sich formen und beeinflussen lässt, in deren Leben er aber ebenso viel verändert. Auf die Frage, wieso er sich nicht mal einen Job suchen wolle, sagt er „Geld macht vorsichtig.“. Geld begrenzt, Geld legt eine Restriktion auf das Leben des Menschen. Und diese Grenzen will er sich nicht auferlegen lassen. Er möchte nicht weniger Wert und Macht haben als ein Stück Papier. Er möchte nicht einem System unterlegen sein, dessen einziges Ziel die exzessive Ausbeutung eines jeden Menschen ist. Er möchte nicht in der Spirale gefangen sein, die der Konsum darstellt - und so bricht er aus ihr aus. Schluss mit der Abhängigkeit, Schluss mit der Maßlosigkeit und Schluss mit der Bevormundung. Er braucht nicht viel in seinem Leben, solange er die paar Dinge hat, die ihm wichtig sind. Er braucht keine Arbeit, denn so wie er es von Kind auf bei seinen Eltern erlebt hat, ist die Arbeitswelt ein Ort der unterdrückten Gewalt, die sich irgendwann zwangsläufig entlädt. In diesem Fall in den eigenen vier Wänden. Da, wo kein Entkommen ist.

Sean Penn nutzt diese Geschichte, die so schon wahrlich filmreif daherkommt und erzählt eine Geschichte der Freiheit, aber auch der Flucht. Der Demut und des Größenwahns. Des Respekts und der Ignoranz gegenüber der Zeit und der Gesellschaft. Natürlich kommt der Regisseur nicht umhin, die Geschichte von Christopher zu romantisieren und seine Reise als eine Art Leben 2.0 zu inszenieren, aber dadurch, wie er gekonnt mit mehreren Ebenen jongliert, entfaltet der Film ein enormes emotionales Potenzial, dass sich am Ende schlagartig entlädt. Während der Film nämlich die Erlebnisse in der Wildnis zeigt, nutzt er das Element des Voice-Overs um für den Zuschauer eine Brücke zur Zivilisation und der Familie von Chris zu schlagen. Seine Schwester erzählt immer wieder Geschichten über ihn, fragt sich, wie er wohl aussehen würde und erklärt seine Motive. Sie gibt ihrem Bruder ein Profil, Charakter und macht damit deutlich, welcher Wert dem Aussteiger in seinem freien Leben noch fehlt.

Fazit

Mit „Into The Wild“ ist Sean Penn ein kurzweiliger, beeindruckender und sehr emotionaler Film gelungen. Rein inhaltlich ist das sehr interessant und spaßig zu verfolgen, hat aber auch seine reizvollen Bilder und Momente, die das Herz zum Springen und das Auge zum Strahlen bringen. Penn lässt seinen Protagonisten auf die Natur treffen und überkommt dabei die Grenze, die seltsamerweise immer wieder zwischen Mensch und Natur gezogen wird. Chris geht den mutigen Schritt und wird eins mit der Natur, erreicht das, was er sich erträumt. Eben weil er fleißig und radikal in diesem Sinne ist. Eine völlig neue Form des amerikanischen Traums. Sehr sehenswert.

Autor: Levin Günther

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