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Kriminalthriller von Walter Hill aus dem Jahre 1978. Gangster engagieren ihn als Fluchtfahrer nach ihren Coups: den "Driver". Eines Tages hängt sich ihm allerdings ein erfahrener Cop an die Fersen.
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Kritik

Was wurde Nicolas Winding Refn und seine stylisch-ikonische Preziose „Drive“ doch mit internationalen Jubelkanonaden befeuert und vom Feuilleton in den Himmel gelobt: Ein (post-)modernes Meisterwerk, jede Einstellung soll einem Gemälde gleichkommen, welches von einem unermesslichen Stilbewusstsein in Szene gegossen wurde. Da hatten die Kritiker sicher nicht Unrecht, denn „Drive“ ist großes Kino, dessen Visualität eine wahrhaftige Sogwirkung entfachte und jeden Zuschauer von Minute zu Minute tiefer und tiefer in die Leinwand gezogen hat. Was Nicolas Winding Refn und sein Kunstverständnis aber erst so sympathisch und effizient macht, ist nicht seine exzessive Zitierwut, sondern die Offenheit, mit der er mit seinen fein säuberlich selektierten Einflüssen hausieren geht: „Drive“ könnte dementsprechend auch ein kinematographisches Synonym für eine gar ungezügelte Cineastik sein. Ein schöner Nebeneffekt, den man kürzlich auch durch „Django Unchained“ miterleben durfte, ist, dass der Fokus im Allgemeinen wieder verstärkt auf die großen Vorbilder kontemporärer Hits verlagert wird. Und da kommt Walter Hills „The Driver“ ins Spiel.

Es wäre natürlich Quatsch zum Quadrat, würde man „Drive“ zum bloßen Remake von Hills „The Driver“ erklären, dafür funktioniert Refns ästhetischer Neo-Noir eben auch alleinstehend verdammt gut und streckt seine Fühler simultan in viele andere Richtungen - „Der eiskalte Engel“ von Jean-Pierre Melville beispielsweise – aus. Dass der dänische Filmemacher aber viel Gefallen an Hills Klassiker gefunden hat, lässt sich während der Sichtung von „Drive“ schnell ablesen (ein Double-Vorschlag ist an dieser Stelle nun unumgänglich). Angefangen bei unserem Protagonisten, dessen Namen wir, wie bei Ryan Gosling in Drive“, nicht erfahren und über dessen Vergangenheit einzig vage Mutmaßungen aufgestellt werden können. „The Driver“ geht in dieser Hinsicht aber noch weiter, weil er jeden Charakter namentlich auf seine schiere Funktion herunterbricht und Los Angeles zu einer Metropole erklärt, in der Individuen nicht mehr gewertet wird. Der Driver (Ryan O'Neal) ist ein hervorragender Fluchtwagenfahrer und schüttelt die Polizei in halsbrecherischen Verfolgungsjagden ganz routiniert ab. Der Detektiv (Bruce Dern) aber hat sich schon lange an die Fersen des Drivers gehangen und scheint den Verbrecher vielmehr aus einer persönlichen Motivation heraus dingfest machen zu wollen.

Dann gäbe es da noch die zwielichtige Spielerin (Isabelle Adjani in ihrer ersten amerikanischen Produktion), wie die Agentin, die dem Driver durch die Unterwelt von L.A. eskortiert und ihn so mit möglichst riskanten Aufträgen versorgt. Es erweckt den Eindruck, gerade in Bezug auf den Driver und den Detektiv, als kämen ihre namentlichen Funktionen einer genetischen Veranlagung gleich, von der sie sich einfach nicht entwurzeln können und sich dazu gezwungen sehen, ihr flammendes Duell aufrechtzuerhalten, um den urbanen Organismus mit vitalen Kräften zu versorgen. „The Driver“ bringt also einen ungemein existenzialistischen Subtext mit sich und veranschaulicht ganz wunderbar, wie diese Menschen in ihren „Rollen“ eingekesselt scheinen und durch die spezifischen Vorschriften ihrer jeweiligen Funktion längst einer tiefen Obsession verfallen sind: Niemand „kann“ hier, hat also quasi eine Wahl, jeder „muss“ - Unbedingt. Dringend. Ausnahmslos. Und stellt dazu überhaupt keine Ansprüche, sondern jagt einzig dem Kick hinterher, der das verzweigte Großstadtgeflecht stetig in Atem hält. Beeindruckend ist daher auch, wie Walter Hill es vollbringt, seiner Vision von Los Angeles ein eigenes, temperamentvolles Gemüt anzukleiden.

„The Driver“ formuliert sich indessen nicht durch einen forcierten Ästhetizismus, sondern hat etwas ungemein Pures, was sich natürlich von ebenfalls hervorragend durchkomponierten Bildern einbetten lässt. Hills minimalistisch-stilvoller Duktus passt sich dem selbstredend perfekt an und komprimiert die Sets wie die Dialoge auf das Nötigste. Herausragend, weil ebenfalls in spektakulärer Reduktion auftretend, sind die einstreuten Verfolgungsjagden durch die labyrinthisch anmutende Straßensystem Los Angeles': Die quietschenden Reifen, das fauchende Getriebe, die keuchenden Zylinder, das zersplitterte Glas aus dem Asphalt und das zerdellte Metall, welches wie eine einnehmenden Reminiszenz an die dominierenden Reize dieses Mikrokosmos gehandhabt werden, gemahnen immer wieder daran, dass Walter Hill ebenfalls als Regieassistent bei Peter Yates' „Bullitt“ mit Steve McQueen fungiert hat. Die Kamera wechselt ihre Position dabei in dynamischer Flexibilität, findet sich mal an der Heck-, dann wieder der Stoßstange, saugt sich an den Gesichtern der Beteiligten fest, um das Vehikel anschließend in einer Außenaufnahmen zu manifestieren. Und der Driver kommentiert das alles mit seiner obligatorischen Regungslosigkeit, während das Adrenalin durch des Zuschauers Venen pumpt.

Fazit

Ein Klassiker, der wie ein einziger Arenalinrausch über den Bildschirm prischt. So unfassbar reduziert auf das Wesentliche, hat Walter Hill mit „The Driver“ eine wahre Referenz im stilprägenden (Auto-)Action-Kino inszeniert. Die Verfolgungsjagden sind spektakulär, während „The Driver“ durch die Etablierung seiner Charaktere, namentlich schon einzig auf ihre Funktion konzentriert, einen existenzialistischen Unterbau erhält. Sollte man gesehen haben: Pures Kino.

Autor: Pascal Reis

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