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Ein erfolgloser Puppenspieler nimmt auf Drängen seiner etwas übertrieben tierlieben Frau einen Job bei einer skurrilen Firma im Zwischenstockwerk eines Bürogebäudes an. Eines Tages entdeckt er hinter einem Aktenschrank eine Pforte, die ihn als er hindurchkriecht direkt in den Kopf des Schauspielers John Malkovich befördert, wo er für fünfzehn Minuten durch dessen Augen sehen kann, ehe er aus dem Nichts über der Böschung einer Autobahnauffahrt wieder auftaucht. Während seine Frau von dem Erlebnis eher sexuell erregt wird, macht der Puppenspieler mit seiner Vorgesetzten ein Geschäft aus dem Fund, denn es gibt viele Menschen, die gerne für eine Viertelstunde mal John Malkovich sein wollen.
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Kritik

„Ich war in John Malkovich und guckte raus.“ … „Es hat etwas Vaginales.“

Ein Kinodebut von einem anderen Stern. Oder aus einer völlig anderen Perspektive, aber am besten beschrieben als eine Kombination aus beiden. Sowohl für den besonders durch Musikvideos bereits erprobten Regisseur Spike Jonze (Her) und den Autor Charlie Kaufman (Anomalisa) der erste, gemeinsame Schritt auf die große Leinwand und das direkt mit einem Paukenschlag. Zwischen Erstaunen, Lachen, Irritation, Rührung, Romantik, Tragik, melancholischer Mahnung, Persiflage und messerscharfer (Selbst)Ironie…Being John Malkovich ist ein skurriles, kreatives wie gleichzeitig von seiner emotional-dramatischen Tragweite enorm wertvolles Kleinod, in welches sich kaum nicht auf den ersten Blick verlieben lässt. Auch wenn das mit der Liebe manchmal alles andere als unkompliziert ist.

Talentiert, aber erfolglos: Als Marionetten-Spieler lässt sich nicht das große oder wenigstens nur das notwendigste Geld verdienen. Das muss Craig Schwartz (John Cusack, Love & Mercy) nach dem jahrelangen Verfolgen seiner Passion sich nun auch endgültig eingestehen. Seine Frau, die ebenfalls etwas zu passionierte Tierliebhaberin Lotte (Cameron Diaz, Sex Tape), motiviert ihn zum Ergreifen einer bezahlten Tätigkeit. Als Archivar in der sonderbaren Lester Corporation. Deren Standort: Etage 7 ½ in einem Business-Hochhaus. Einfach zwischen der 7. & 8. den Fahrstuhl anhalten und nebst beigestellter Brechstange die Lifttüren aufhebeln, schon ist man da. Dort, wo man gemäß dem Firmenmotto „Sich bücken, Miete drücken“ im Idealfall im Sitzen arbeitet, alles andere geht aufgrund der sparsamen Deckenhöhe langfristig auf Rücken und Nacken. Hat man den kniffligen Einstellungstest bestanden, begrüßt einen der 105jährige Chef mit nicht zu hörendem Sprachfehler (Orson Bean, The Equalizer 2) mit offenen Armen. Wenn man sich nicht schon da Hals über Kopf aus dem Staub gemacht hat, denn ganz offensichtlich scheinen alle in dem gebückten Stockwerk gehörig was an der Waffel zu haben. Aber Craig braucht das Geld und entdeckt dort nicht nur in der kessen, attraktiven und trotz ihrer arrogant-abweisenden Art enorm aufregenden Maxin (Catherine Keener, Sicario 2) einen eindeutigen Grund zu bleiben, sondern zudem noch ein verstecktes Portal. In den Kopf von Hollywoodstar John Malkovich (Die Kunst des toten Mannes).

Richtig gehört, John Malkovich. Der Typ aus dem Film mit dem Juwelendieb, dem gar nicht bewusst ist, dass man durch einen hinter einem Aktenschrank versteckten Tunnel für eine ¼ Stunde direkt in sein Bewusstsein krabbeln kann, um anschließend in einen Straßengraben am Stadtrand wieder ausgespuckt zu werden. Für Craig und Maxin eine lukrative Geschäftsidee, denn wer würde nicht gern aus nächster Nähe, ja sogar intimer Vereinigung am „eigenen Leib“ miterleben, wie ein Filmstar sich seinen Badvorleger aussucht? Eine absurde, phantastisch-verrückte Spinnerei, die das kongeniale Gespann Jonze & Kaufman für eine clevere Eskapismus-Parabel nutzen. Über Frustration und Unzufriedenheit im eigenen, festgefahrenen, perspektivlosen und in verglühter Romantik wie verdorrten Idealen traurigen Alltags-Scherbenhaufen, der nur aus Mangel an Alternativen und der eigenen Antriebslosigkeit aufrechterhalten wird. Bis sich wie aus dem Nichts eine - im wahrsten Sinne des Wortes - Tür in ein neues Leben auftut. In eine komplett andere Existenz. Anfangs nur begrenzt, aber gerade in der Kombo mit einer von beiden Seiten begehrten Femme Fatale wirbelt dies das Leben des insgeheim schwer frustrierten, strubbeligen Ehepaars heftig durcheinander. Ganz zu schweigen von dem des armen Malkovich, der bald nicht mehr Herr im eigenen Hause ist.

Wahnsinn, was sich die beiden Kino-Debütanten da für einen verrückten wie gleichzeitig hintersinnigen Stoff vorgenommen haben und mit welcher frühreifen Bravour sie ihn in die Tat umsetzen. Being John Malkovich ist ein Geschenk. Ausgestattet mit so vielen zauberhaften und schrägen Ideen, einer mitreißenden und emotional wuchtigen, da zwischen Komik und Tragik harmonisch ausgewogenen Dramaturgie und einem herrlichen Ensemble, aus dem besonders der Mann der Stunde hervorzuheben ist. Ohne Kenntnis des Endproduktes könnte man John Malkovich gar Narzissmus unterstellen, dass sich ein Film direkt mit ihm betitelt, hat man es gesehen widerlegt er diesen Anfangsverdacht vollständig, wandelt ihn gar ins Gegenteil um. Mit erfrischendem, von jeder Eitelkeit befreitem Humor nimmt sich der Charakter-Darsteller selbst aufs Korn bzw. lässt dieses zu und macht da voller Engagement mit. Am Ende des Tunnels wird man nach einem wunderbaren, euphorisierenden, saukomischen und dennoch emotional einfühlsamen Trip nicht nur in den nächstbesten Straßengraben geschleudert, sondern voller Begeisterung elegant und behutsam zurück in das wahre Leben vor dem Bildschirm gebettet. Dabei hätte man gerne noch länger an diesem schönen Ort verweilt.   

Fazit

Ein Brain-Storming und Puppen-Theater der ganz besonderen Art. „Being John Malkovich“ zählt zu den speziellen Film-Sonderlingen, die es auf der großen Bühne nur in sehr ausgedehnten Intervallen zu bestaunen gibt und meistens ist da mindestens einer des Duos Jonze/Kaufman beteiligt. Mit ihrem Anfang haben sie bereits so stark vorgelegt, ein Wunder das sie das Niveau (meistens) halten konnten. Dafür sollten alle Filmliebhaber ernsthaft dankbar sein. Wie für diese brillante und schrullige Groteske.

Autor: Jacko Kunze

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