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Gerade hat Josh es übers Herz gebracht, das wildfremde Objekt seiner Begierde auf offener Straße anzuquatschen, da bricht die Schöne zusammen. Der rettende Krankenwagen ist schnell zur Stelle. Doch als er seiner Herzdame nach Feierabend einen Besuch abstatten will, ist sie in keiner Klinik zu finden. Josh stellt Nachforschungen an und fürchtet sich bald selbst vor jedem aufflackernden Blaulicht…

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Ich kann ihr Ableben nicht ganz ausschließen. Aber eins kann ich ihnen versprechen: Sie beenden ihr Leben in bester Gesundheit. Ist das nicht schön?“

Larry Cohen ist schon ein ganz besonderer Vogel, dessen Name vielen gar kein Begriff sein wird, aber seit Jahrzehnten eine etablierte Größe des B-Genre-Kinos darstellt. In letzter Zeit ist es sehr ruhig um ihn geworden, ist ja auch nicht mehr der Jüngste, anstehende Remakes einiger seiner Arbeiten werden dieses wohl nicht entscheidend ändern. Die aktuelle Mediabook-Veröffentlichung seiner letzten, halbwegs (für seine Preisklasse) größeren Regiearbeit Ambulance ist eine gute Gelegenheit, sich diesen durchaus spannenden Kerl mal wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Hauptsächlich war Cohen als Autor tätig, dies seit den frühen 60ern, und fast hätte er sogar sein wohl bestes Script an niemand anderes als Alfred Hitchcock (Vertigo – Aus dem Reich der Toten) persönlich verkauft. Hitch war stark interessiert, das Projekt scheiterte an der Umsetzbarkeit. Zeitlich angepasst erblickte es erst 2002 (!) mit Nicht auflegen! das Licht der Leinwandwelt. Nicht auszudenken, was für eine Richtung Cohen’s Karriere womöglich eingeschlagen hätte, wenn es damals schon zu der erhofften Adaption gekommen wäre. So lieferte er beständig Ideen und Drehbücher zu eher wenig wahrgenommenen (und qualitativ auch nicht immer sonderlich wertvollen) B-Movies ab, bei einigen führte er gleich selbst Regie. Von Horror-Baby-Trash wie Die Wiege des Bösen (und dessen Sequels), subversiven Low-Budget-Produktionen wie Special Effects oder vergessenen DTV-Sequels wie Salem 2 – Die Rückkehr (beruhend auf der Stephen King-Verfilmung Brennen muss Salem). Einer seiner größten Hits – wenn man es so nennen will – war William Lustig’s Maniac Cop (eines der ausstehenden Remakes), der sogar zur Trilogie wurde. Ambulance, bei dem er nun wieder selbst Regie führte, geht in eine vergleichbare Richtung und eigentlich ist es schade, dass daraus nicht eine ganz eigene Trilogie wurde.

Erst war es die Polizei, nun die Rettungssanitäter…wenn jetzt noch diabolische Feuerwehrmänner dazu kämen hätte man die Achse des Bösen übertragen auf staatliche, eigentliche Helfer in der Not komplett vollendet. Und hey, das wäre doch durchaus originell, oder? Genau so sollte das Schaffen von Larry Cohen – zumindest in diesen, seinen besten Arbeiten – auch betrachtet werden, denn auch Ambulance muss eigentlich in die Trash-Sparte einsortiert werden, ist sich aber erstens dessen nur zu gut bewusst und nimmt der logischen Angriffsfläche durch direkt gelegte Gegenfeuer den Wind aus den Segeln, bevor das Schiff irgendwo unfreiwillig strandet. Zweitens ist die Idee hinter dem manchmal mehr als offensiv ausgelebten Quatsch gar nicht so billig und banal, wie man es locker abwerten könnte.

Eigentlich schlummert in Ambulance ein Suspense-Thriller mit viel Potential, bei dem sich von außen betrachtet nicht mehr richtig sagen lässt, ob da zuerst das Huhn oder das Ei war. Viel zu direkt geht Cohen mit seinem Film hausieren, überzeichnet alles Over the Top. Nicht zufällig ist sein  grausam eingekleideter und frisierte Protagonist Josh (Eric Roberts, Express in die Hölle, so zappelig und agil wie Bruce Campbell zu Glanzzeiten, prima) Comic-Illustrator bei MARVEL (Stan Lee spielt sich übrigens mit augenzwinkerndem Ton selbst), der in ein mitunter absurdes, aber stetig rastloses, durchgehend spannendes (wenn man Spannung dadurch definiert, dass man nie sicher sein kann, was wohl als nächstes passiert) Szenario rutscht, da er auf äußerst unangenehme Art eine wildfremde Frau belästigt, die kurz darauf spurlos verschwindet. Nicht ganz spurlos, sondern in einem Krankenwagen, der aber offensichtlich nicht die üblichen Zielorte angesteuert hat. Fortan muss Josh jedesmal um sein Leben fürchten, wenn mal wieder die Sanis anrauschen (was bemerkenswert oft passiert) und wird in der Folgezeit eher als paranoider Spinner wahrgenommen, besonders von dem ermittelnden Cop (James Earl Jones, der bereits bei Best of the BestRoberts für denkwürdigen B-Movie-Quark zur Seite stand). Wer nach den ersten 15 Minuten vielleicht noch auf einen halbwegs seriösen Thriller hofft, den holt Bubblegum-Jones mit seiner abstrusen wie ironischen Performance schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

-„Wer ist verantwortlich für das ganze Chaos?“

-„Wir haben alles unter Kontrolle!“

Ambulance ist ein schräger Film, da er wie ein frisch gefangener Fisch allen beruhigenden Sehgewohnheiten durch die Finger glibscht und sich immer wieder wild zwischen diversen Ausrichtungen hin und her windet. Auch da lassen sich Parallelen zu Maniac Cop ziehen, der oft wie ein billiger 08/15-Slasher daher schlotzte, aber im Kern eine eigentlich interessante Ausrichtung hatte und bei dem man nie so ganz sicher war, ob das Gezeigte jetzt Absicht oder Unvermögen darstellt. Bei Ambulance muss diese Frage gar nicht gestellt werden. Zwischen einer Folge von Geschichten aus der Gruft, überzeichneter Satire und rasantem Horror-Thriller aus der Blütezeit des VHS-Zeitalters wird herumgealbert, mit bösen Gedankengängen hantiert und diese gleich wieder dadurch entschärft, das sich hier nichts und niemand über Gebühr ernst nimmt. Trotzdem funktioniert der Film als kurzweiliger Reißer, da er lange nicht so blöd ist, wie er sich manchmal bewusst und gerne gibt. Für die ganz späten Groschenfaller bietet er ein famos-irrsinniges Finale, wenn der sadistische Chefarzt persönlich mit dem Krankenwagen durch einen Club brettert.

„Ich muss bekifft sein, aber langsam fange ich an dich ins Herz zu schließen.“

…eigentlich ein Filmzitat, könnte aber auch das Fazit sein.

Fazit

Was theoretisch ganz einfach klingt, ist praktisch sogar sehr respektabel gelöst. „Ambulance“ ist eine (teilweise gewollt) krude, aber immer spaßige, manchmal sogar scharf-sarkastische Mixtur aus Suspense-Thriller, paranoiden Horrorfilm, Comicstrip und Trash-Festival, für die keine der erwähnten Kategorien exakt zutreffend ist. Irgendwie alles und nichts konkret. Eine runde Sache, voller Ecken und Kanten. Klingt merkwürdig? Genau das!

Autor: Jacko Kunze

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