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Inhalt

Die 25-jährige Lara studiert Architektur, ohne sich sonderlich dafür zu interessieren. Egal, ihre Eltern zahlen ja die Wohnung in Berlin. Als sie ungewollt schwanger wird und das Kind austragen möchte, verändert sich eine ganze Menge in ihrem Leben. Und in der Welt um sie herum.

Kritik

Einen so bezeichnenden Lebenslauf muss man einfach mal kommentarlos darlegen: Nach kleineren Jobs im Filmbereich studierte Pola Schirin Beck (DRUCK) an der Hochschule Konrad Wolf, der renommiertesten Filmhochschule in Deutschland. Ihre Diplomarbeit beschäftigte sich mit der Suche nach „guter Schauspielführung“. Ihren ersten Langfilm namens Am Himmel der Tag inszenierte sie nach Abschluss des Studiums. Schaut man sich nun den Film an und wird Zeuge davon, was Pola Beck unter guter Schauspielführung versteht, dann mag man seinen Augen und Ohren nicht trauen. Nicht nur, was sie unter guter Schauspielführung versteht, sondern was sie aus ihren Darstellern herauszuholen vermag. Was für Emotionen, Wahrheiten und Kleinigkeiten sie generieren kann ist - nach Ermessen des Autors - von deutschen Schauspielerinnen unvergleichlich. Schnallt euch an, es wird noch viel Lob folgen.

Ein knapp dreiminütiges Intro begleitet in den Film. Extreme Detailaufnahmen von Haut, Lippen, Augen, Wimpern, Atmung. Von Zärtlichkeit, Vertrauen und plötzlich eruptiver Gewalt. Pola Beck etabliert eine innige Beziehung zwischen Lara (zum Niederknien: Aylin Tezel, The Yellow Birds) und Nora (fast genau so gut: Henrike von Kuick, Der Baader Meinhof Komplex), die jedoch ihre Ecken und Kanten hat. Nora ist weitaus offensiver und - so fühlt es sich für Lara an - selbstsüchtig. Nora ist weitaus vorlauter und frecher als Lara, die rationaler in ihrer Natur ist. Hier und im Tiefpunkt des Films ist das Sensorische, das Fingerspitzengefühl besonders wichtig Beck. Das Knistern, wenn man die Haut des anderen um einen Nanometer nicht berührt, aber dennoch spürt, macht diese Detailaufnahmen aus. Der Schweißfilm auf der Haut im Club, die Haut, die sich im Rhythmus der Atmung auf und ab bewegt. Diese Bilder verfehlen nie ihre Wirkung, sie sind ein Gegenentwurf zum oftmals rustikalen und unterkühlten Kino aus der Hauptstadt. Hier ist es ein Kino der puren Gefühle.

Eine so extrem intensive Emotionalität erreicht Pola Beck eben auch durch das hervorragend geschriebene Buch, die pointierte Inszenierung und die zum Himmel schreiend geniale Schauspielführung der Regisseurin. Die auffällige Präzision, dessen Ergebnis sich dennoch nicht „erarbeitet“ sondern „erlebt“ anfühlt, bezeichnet die Königsklasse, die dieser Film erreichen kann und sorgt für eine starke Immersion. Natürlich ist hier nicht alles Sonnenschein. Lara gewöhnt sich aus Frust die triebgesteuerte Verhaltensweise von Nora an und wird prompt unter Drogeneinfluss geschwängert. Beck erzählt dann in 100 Minuten, was mit der 25-jährigen Lara passiert, die ihr Kind austragen möchte und legt ein sehr feines Gespür für sanfte und herzzerreißende Momente an den Tag. Der Faustschlag der Realität für Menschen, die gerne ihr Leben leben. Warum überhaupt? Dafür ist es nicht gemacht. Dafür ist es zu sehr von Mitmenschen geprägt, die ihren eigenen Kopf durchsetzen. „Mach mit, MACH MIT!“, schreit sie ihren Professor an, der sich von ihr aber nicht nötigen lassen will. Auf die Details kommt es in diesem Moment nicht an. Hier geht es plötzlich nur um das Schnelle, das Brachiale, das Erzwungene. Das vergebliche Schlagen und Trampeln, um bloß nicht von der Welt kontrolliert zu werden.

Fazit

„Am Himmel der Tag" ist ein durchweg hervorragend (noch einmal: her-vor-ragend) gespieltes Drama über das Erwachsenwerden - nicht auf die blumig-verbrämte Art und Weise vieler Genregenossen, sondern wahrhaftig ehrlich, teils niederschmetternd grausam. Der Film handelt von einer jungen Frau, die versucht mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen, obwohl ihr immer wieder die Füße weggetreten werden. Auch wenn der Film einer bewährten Dramaturgie folgt, verfällt er nie in Klischees und verfehlt vor allem nie an Wirkung. Pola Beck darf gerne endlos mit ihren Darstellerinnen solche Leistungen abrufen. Auch wenn es heißt, den Zuschauer zu brechen und wieder zusammenzusetzen.

Autor: Levin Günther

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