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Verbannt das MCU aus den Kinosälen! - Eine Polemik zum aktuellen Superheldenwahm

GoldenEra

Von GoldenEra in Verbannt das MCU aus den Kinosälen!

Verbannt das MCU aus den Kinosälen! - Eine Polemik zum aktuellen Superheldenwahm Bildnachweis: © Disney

An die zwanzig Filme umfasst das MCU mittlerweile und es sollen noch mehr werden. Tatsächlich sind zahlreiche weitere Produktionen geplant, wobei wieder einmal versprochen wird, dass in den kommenden Filmen das Universum gewaltig auf den Kopf gestellt wird. Dieser Mut zur vermeintlichen Innovation ist jedoch kein wirklicher Mut. Das einzig Mutige wäre tatsächlich, das MCU von der Kinoleinwand verschwinden zu lassen. So frage ich mich, inwiefern es einer Neuerung entspricht, wenn bei Spider-Man: Homecoming  eine Coming-of-Age Story in den Fokus gerückt wird oder bei Black Panther  Afroamerikaner die Hauptrollen einnehmen. Ohne Beachtung der Qualität der Filme muss man es sich eingestehen: Disney produziert die immer gleichen Filme, mal in einer besseren und mal in einer schlechteren Version. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Avengers: Infinity War dort einreiht.

Der Film ist zugegebenermaßen einer der besseren Filmes des MCUs, jedoch inhaltlich noch ungefähr so belanglos wie die meisten vorigen Filme. In den letzten Jahren wurden immer wieder die Bösewichte in den DC und Marvel-Filmen kritisiert: Es handele sich um grobe CGI-Monstren, die einfach die pure Verwüstung anstreben. Doch bei Avengers:Infinity War ist das natürlich anders: Thanos (Josh Brolin, Deadpool 2) ist ein grobes CGI-Monstrum, das Verwüstung anstrebt...und damit das nicht so plump erscheint, schreibt man eine vermeintlich (fehlgeleitete) moralische Intention dazu. Das reicht dann anscheinend auch schon, um ihn in höchsten Tönen als komplexen Charakter zu loben. Dabei ist seine Intention nicht nur nicht mal einer Debatte würdig, weil sie moralisch eindeutig fehlgeleitet ist, wodurch kein Diskurs bezweckt wird, auch wird sie von Thanos selbst nicht überzeugend diskutiert.

Bildergebnis für infinity war

Doch Disney stand vor einer weiteren Herausforderung: Sie müssen es allen Fans recht machen. Da man aus jedem Comic-Held maximalen Profit erwirtschaften möchte, wurden unzählige Helden eingeführt, die sich teils auch in ihrer Funktion schwächen. So wird die tragische Figur Hulk (Mark Ruffalo, Spotlight) zu einem lächerlichen Standhalter degradiert, Captain America (Chris Evans, Snowpiercer) wird in seinem moralischen Diskurs beschränkt und Iron Man (Robert Downey Jr. , Der Richter - Recht oder Ehre) verhandelt dasselbe, was er seit gefühlt vier Filmen mit sich verhandelt. Doch muss man all diese Charaktere in einen überfüllten Film hineinpressen? Nein und Ja. Künstlerisch betrachtet wäre es natürlich viel ratsamer gewesen, konsequent Charaktere außen vor zu lassen. Ökonomisch betrachtet wusste Disney natürlich, dass sie die einzelnen Fan-Gruppen so besser mobilisieren können. Und der Erfolg gibt ihnen Recht. Leider.

Auch ideologisch hat das nichts mehr mit dem Heldentum zu tun. Es geht schon lange nicht mehr um die Rettung des Menschen, das Subjekt als solches ist gar nicht mehr von Bedeutung. So geht es zwar um die Bedrohung der Welt, aber wir sehen zu keinem Zeitpunkt mehr, wen diese Welt überhaupt auszeichnet. Wir sehen zum Großteil maskulinistische Helden, die sich unter dem Deckmantel der Selbstironie jeglicher Ernsthaftigkeit entziehen. Weder an ihnen, noch am Gegner, noch am Umfeld können wir etwas von uns entdecken. Das normale Subjekt, das es einst zu retten galt, geht in diesen Filmen mehr und mehr verloren. Ausnahmen bilden dort Ant Man und Spider Man, die zumindest in dieser Hinsicht erfrischend andersartig wirken. Doch nun, wo wir geklärt haben, dass Avengers: Infinity War trotz einer stilistischen Weiterentwicklung sicherlich kein guter Film ist, drängt sich eine andere Frage auf: Wie soll es weitergehen?

Sollte man das MCU einfach einstampfen? Nein. Zum einen gibt es immer wieder diese Filme, die ein Potential in sich tragen. Doctor Strange ist beispielsweise ein sauber inszenierter Film, der zumindest die richtigen (wenn auch etwas unfokussiert) Fragen nach dem Sein an sich stellt. The First Avengers: Civil War ist ein wirklich sehr guter Film, der ausnahmsweise recht reflektiert mit dem Heldentum umgeht und auch Guardians of the Galaxy hat Kultpotential. Dann gibt es jedoch diese Ausfälle wie Avengers: Age of Ultron, der sich entgültig von dem Menschen als Subjekt verabschiedet, den Füllhalter Thor: The Dark Kingdom und die ewigen Verwirrung um die Spider Man Filme und nun den durchschnittlichen  Avengers: Infinity War. Es ist also die Masse an Filmen, die störend erscheint. Es kommen zu viele uninteressante Filme ins Kino und andere werden durch das zwanghafte Pressen in ein Universum ruiniert. Es müssen zahlreiche Querverweise, Ankündigungen und Verbindungen eingebaut werden, damit der Nerdgasm auch erfüllt werden kann.

Sollte man auf das Zusammentreffen in Filmen wie Avengers verzichten? Auch hier: Nein. Die Avengers, auch wenn sicherlich nur der erste Teil zumindest solide geraten ist, haben eine enorme Bedeutung für Blockbuster an sich und für viele Fans. Es hängen ziemlich viele Emotionen an Projekten dieser Art, die damit stimuliert werden. Und das möchte ich niemanden wegnehmen. Warum auch? Es spricht nichts dagegen, ins Kino zu gehen, und sich an den Helden der Comics aus der Kindheit zu erfreuen. Sicherlich ist das kein Anzeichen für einen guten Film, aber Film hat auch über seine Qualität hinaus eigenwillige und subjektivistische Vorzüge.

Bildergebnis für infinity war

Was kann man dann machen? Konsequent wäre es, dass MCU aus dem Kino zu verbannen und auf Streaming-Plattformen anzubieten. Das würde auch sehr gut in die aktuelle Strategie von bspw. Amazon Prime passen, die beschlossen haben, ihre Produktionen größer anzulegen. Es sollen Highlights im Blockbuster-Format geschaffen werden. Sind wir einmal ehrlich, so erkennen wir, dass das MCU mittlerweile dem Serien-Trend unterlegen ist. Ähnlich wie bei Serien möchten die Fans möglichst viel über die Hintergründe einer Geschichte erfahren, was uns stark an die Strategie Disneys erinnert: Jeder Stein wird umgedreht, jeder Charakter bekommt einen Film. Nun klingt es recht herablassend, das Franchise einfach aus dem Kino verbannen zu wollen, jedoch ergeben sich (davon abgesehen, dass es sich bestens auf der Plattform einfügen würde) Vorteile für das Kino und das MCU daraus.

Die Vorteile für das Kino sind deutlich: Es gibt endlich freie Slots für andere, innovativere Filme oder zumindest für Franchises, die nicht um die zwanzig Filme umfassen. Aber auch die Vorteile für das MCU sind signifikant: Schließlich leiden die Fans unter dem Kinoformat. So schleichen sich durch die rasche Planung Logiklücken in das Gesamtkonzept und die Ausarbeitung des Lieblingsheldens dürfte in Avengers: Infinity War wohl auch alles andere als befriedigend gewesen sein. Legt man das Ganze als Serie in Spielfilmlänge an, müsste man die Filme nicht länger so unnötig in ihrer Lauflänge aufblasen, müsste nicht mehr jeden Held in jede Episode zwängen und könnte auch experimenteller mit den Inhalten jonglieren. Die Fans sparen nebenbei noch jede Menge Geld, weil ihnen nicht jedes Mal 15€ inklusive Überlängen- und 3D-Zuschlag abgezogen wird.

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