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Disaster Art(ists): 10 katastrophengeplagte Filmproduktionen

Terry Gilliam ist mit The Man who killed Don Quixote nicht der einzige Regisseur mit einem Unglücksmagneten in der Filmografie. Endlose Arbeitsverzögerungen, (fast) fatale Unfälle, wilde Tiere, Killer-Klima, Naturkatastrophen und halb bis total wahnsinnige Filmschaffende verwandelten zahlreiche Produktionen zu Alpträumen, von denen einige Beteiligte womöglich heute noch nachts heimgesucht werden. Hier sind zehn von Widrigkeiten überschattete Werke, deren Entstehung selbst Stoff fürs Kino liefern könnte - oder es sogar tat. 

Entgegen aller Hindernisse entwickelt, produziert und realisiert von Lidanoir.

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Das Land des Regenbaums

Das Südstaaten-Melodram wurde unabsichtlich zur Doku eines persönlichen Niedergangs. Montgomery Clift erlitt während die Produktion in vollem Gange war den Autounfall, der sein Gesicht, seine Karriere und letztlich sein Leben demolierte. Der Rest der über Monate zwangspausierten Dreharbeiten waren eine Wackelpartie mit einem an Schmerzmitteln und diversen anderen Substanzen hängenden Alkoholiker, der absolut nicht mehr aussah wie der sanfte Charmebolzen auf dem zuvor gedrehten Material. Co-Darstellerin Elisabeth Taylor beschützte den drogenumnebelten guten Freund Clift mit ihrer Starpower, kippte aber selber um, weil die Korsettkostüme buchstäblich atemberaubend waren. Dass der schicksalhafte Kinofehlschlag nicht mal den Autorennamen der Buchvorlage korrekt auf die Reihe kriegte, ist eine absurde Randnotiz neben der Tragik. 

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Atemlos vor Angst

Eine Ladung Nitroglycerin transportieren ist die reinste Kaffeefahrt gegenüber der Höllentour, in die das Remake von Lohn der Angst ausartete. Für eine 12-Minuten-Szene ließ William Friedkin über einen dominikanischen Fluss eine riesige Brücke bauen. Dauerte allerdings so lange, dass der Fluss vor der ersten Aufnahme austrocknete. Friedkin darauf: "Fuck You, Fluss! Dann bau ich mir eben 'ne neue Brücke an einem Ort mit weniger heißtrockenem Klima. Here we go, Mexico!" Aber er hatte die mittlerweile horrende Budgetrechnung ohne den zweiten Fluss gemacht. Kaum war Brücke No. 2 fertig, säuselte es durch dessen trockenes Bett: "Fuck you, Friedkin". Während der Regisseur fiebrig an der Inszenierung feilte, war die Crew fiebrig. Einfach fiebrig, mit Malaria, Lebensmittelvergiftung und Wundbrand. Friedkin nahm's pragmatisch: "Es gibt Dinge außerhalb unserer Kontrolle." Der ausbleibende Kassenerfolg fällt in diese Kategorie. 

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Heaven's Gate -Das Tor zum Himmel

Michael Ciminos bombastisches Geschichtsepos ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Tierquälerei und Boxoffice-Failure. In einem Anfall von Größenwahn, mutmaßlich mitausgelöst durch den Oscar-Regen für The Deer Hunter, verlor United Artists damaliger Regie-Liebling (bald Studio-Hasskind) jegliches Maß: Logistik, Zeitplan, Produktionsumfang, Budget und Ethik - alles wurde unter einem Mammutprojekt platt gewalzt. Der Zorn des ruinierten Studios, vernichtende Kritiken und ein tödlich gelangweiltes Publikum plätteten im Gegenzug die Karriere des am Set "The Ayatollah" genannten Pedanten. Mit der Chance auf ein Meisterwerk ist es manchmal wie mit ganz bestimmten Wolken, auf die die Crew für eine Szene warten musste: Was hübsch gemütlich aussieht, kann ein böses Unwetter bergen. 

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Apocalypse Now

Krieg ist die Hölle - die Dreharbeiten zu Coppolas Conrad-Adaption die Vorhölle. Ein völlig unvorbereiteter Marlon Brando, dessen krasses Übergewicht ein Ad-hoc-Umschreiben des Skripts erforderte,  war nur eine von diversen Unberechenbarkeiten. Ausrüstung wurde dauernd geklaut, danach war die Lohnkasse weg und dann fing es noch an zu regnen. Ganze Sets wurden von Mutter Natur ins Klo gespült. Nach zahlreichen unplanmäßigen Monaten im Dschungel ereilte Martin Sheen schließlich ein Herzinfarkt - den er tapfer herunterspielte, um die bröckelnden Produktionsmittel nicht weiter zu gefährden. Wie weit Sheen mit Herzenanfall laufen musste, um zu ärztlicher Hilfe zu gelangen, und andere Details seht ihr in der Produktions-Doku Hearts of Darkness

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Cleopatra

Der erste Abschnitt der vierjährigen Produktion verschlang 7 Millionen. Im Kasten waren danach 10 Minuten, die keiner brauchte. Regisseur Mamoulian warf frustriert das Handtuch, Mankiewicz hob es auf und trocknete sich erstmal ab. England ist nämlich ein verdammt regnerischer Drehort für einen Kostümschinken über die Königin vom Nil. Deren Darstellerin bekam folglich eine Lungenentzündung, die einen Luftröhrenschnitt erforderte. Nächste Station: Rom, die Sonne brennt. Extra Sicherheitspersonal muss die Statisten vor Übergriffen von Schaulustigen schützen. Ständige Skriptrevisionen kosteten Zeit, Geld und Nerven. Letzte liegen beim Regisseur bald so blank, dass er täglich Aufputschcocktails spritzt. Mit zittriger Hand geht die Nadel daneben und - autsch! - Nerv erwischt. Folge: dauerhafter Gesundheitsschaden. Aber, ihr Romantiker da draußen, Liebe ist überall. Alle Tabloids schrie(b)en es in die Welt, als sich mit Taylor + Burton eines der berühmtesten Hollywood-Paare fand. 


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Hell's Angels

Drei Stuntleute gingen drauf, damit Howard Hughes seine Flugfreude auf Zelluloid bannen konnte. Wer am Ende der mies bis gar nicht gesicherten Kapriolen nur im OP landete, hatte Glück gehabt. "Kann ich selber besser", dachte sich der egomanische Regie-Produzent, der prompt selber crashte. Das gleiche Schicksal drohte trotz Millionenbudget (Ende der 20er ein stolzes Sümmchen) der unkoordinierten Unternehmung. Talent kann man sich eben selbst mit viel Geld nicht kaufen - dafür aber sämtliche Flugmaschinen, damit der Konkurrenzproduktion The Dawn Patrol die Flieger fehlten. Im Krieg und fürs Kino ist alles erlaubt. Während die Flugzeuge runterkrachten, schoss das Budget steil nach oben und mitten in den ewiglangen Dreharbeiten wurde eine neue Leinwandära eingeläutet: Ton. Jetzt mussten noch neue Technik und wortgewandte Darsteller her. Unbekannte Jungtalente wie Jean Harlow und James Whale waren quasi die Fallschirme, die den Absturz eines trudelnden Möchtegern-Überfliegers bremsten. Eine finanzielle Bruchlandung wurde der Actionstreifen trotzdem. 

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Fitzcarraldo

Was ist noch verrückter, als ein echtes 320 Tonnen schweres Dampfschiff für einen Filmdreh über einen Berg im Dschungel zu schleifen? Klaus Kinski. Der legte sich mit diversen Kollegen an, darunter den indigenen Statisten. Einer von diesen bot Werner Herzog diskret an, Kinski zu beseitigen. Ein Gedanke, den wohl einige am Set hegten. Die fast gespaltene Hand des Kameramanns war noch harmlos gegenüber dem Schlangenbiss, nach dem einer der mitwirkenden Einheimischen sich den Fuß absägte. Ein anderer Dschungelkämpfer hatte Glück. Er verlor nur einen Zeh, den ein Piranha abbiss. Die unzähligen Verletzungen und Leiden (Frage: Was ist im Dschungel richtig beschissen? Antwort: Die eigenen Hosen, wenn einen die Ruhr erwischt) des Teams rekapituliert spannend die Doku Burden of Dreams.  

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Greed - Gier nach Geld

Erich von Stroheims 12-Stunden-Mammutwerk ist ein Epos über Wahnsinn, Brutalität und Determinismus, auch hinter der Kamera. Die stand zuletzt in der Sierra Nevada, wo der berüchtigte Regie-Diktator in glühender Hitze endlose Takes forderte. Quasi als Aufwärmübung für den Dreh im Death Valley zwischen Treibsand und arsenvergifteten Wasserlöchern, nahe eines menschenleeren Ortes namens Badwater. Nirgends Straßen, Hotels, Strom oder Wasser (und nirgends eine Versicherung, da die bei dem irren Unterfangen abwinkte). Bei über 50°C kippten alle reihenweise um, außer von Stroheim, der die Schauspieler auf seine Art inspirierte: "Hasst euch wie ihr mich hasst!" Die Meuterstimmung am Set veranlasste den Regisseur mit geladener Knarre rumzulaufen (oder vielleicht doch zuviel Sonne?). Über ein Dutzend Mitarbeiter landeten mit Hitzschlag, Dehydration & Co. im Hospital. Das für die Endszene erforderliche Maultier erschoss von Stroheim persönlich. Er wollte knallharten Realismus - das Studio einen Hollywoodschinken. Die Originalfassung sahen nur ein Dutzend Leute. Die auf 2,5 Stunden eingestampfte Verleihversion verwelkte an den Kinokassen.  

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Roar - Die Löwen sind los

Noel Marshall, Gattin Tippi Hedren, deren Tochter Melanie Griffith und Marshalls Söhne John & Jerry drehen einen Tier-Abenteuerfilm. Ihre Co-Darsteller: Jaguare, Puma, Löwen und Tiger. Keine Angst, die wollen nur spielen. Ein lässiges High Five von einer ausgewachsenen Raubkatze kann einen allerdings den Skalp kosten, der Kameraman Jan de Bont dann mit 220 Stichen wieder angenäht werden musste. Griffith verlor fast ein Auge nach einer Gesichtsattacke, die mit über 50 Stichen genäht wurde. Hedren brauchte nur 38, dafür ging der Löwe ihr direkt an die Kehle. Die meisten der Angriffsszenen blieben im Film, da keiner für Wiederholungen bereitstand (erstmal Notarzt). Noel "Kratzbaum" Marshall krallten sich die Tierchen so oft, dass keiner mehr mitzählte. Ein Gepard (kein Tier-Crew-Mitglied) verpasste ihm auch mal eine. Die gesamte Produktion dauerte 11 Jahre, während der rund 100 Crewmitglieder reichlich angefressen waren. Trotz lebensechter und -bedrohlicher Darstellungen floppte das Katzenkino, dessen Dreh als einer der gefährlichsten aller Zeiten gilt. 

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Pulgasari

Wenn Kim Jong-il ein Creature-Feature voll Zaunpfahl-Propaganda (Kapitalismus ist ein allesverschlingendes Monster) produziert, kann einiges schief gehen. Tat es aber nicht. Der Dreh lief akkurat, der fieseste aller Fanboys war vom Resultat begeistert und wollte ein Sequel. Warum Nordkoreas angerosteter Blockbuster hier steht? Südkoreas Regiestar Shin Sang-ok war nicht freiwillig dabei. Um dem von der Zensur abgewürgten Kino frischen Wind einzuhauchen, entführte Kim Shins Ehefrau Choi Eun-hee, ihrerseits eine renommierte Schauspielerin, und ihn gleich mit. Nach einem mehrjährigen Arbeitslageraufenhalt hieß es: Film oder stirb! Makabererweise schuf das Künstlerpaar in Gefangenschaft einige seiner bekanntesten Werke. Nur ohne Freiheit fehlt was. Wie so oft auf der Leinwand geht auch diese Story gut aus. Die Künstler entkamen dank einer filmreifen Flucht und das Monster hinter dem Movie ist inzwischen ebenfalls tot. Doch eines gilt damals wie heute: Die Hölle sind nicht Studios, Regisseure, Stars, Unfälle und Unwetter - die Hölle, das sind die Fans. 

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