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Der Freizeitpark, zu dem die New Yorker fahren, um der Innenstadt zu entfliehen, heißt Coney Island und liegt an der Küste des Stadtteils Brooklyn. Hier ragt auch in den 1950er Jahren schon das Riesenrad namens Wonder Wheel in die Höhe. Außerdem geht hier am Strand der Bademeister Mickey Rubin seinem Beruf nach und beobachtet dabei das Treiben um sich herum. Gleich nebenan verdient sich ein Mann mittleren Altersseine Brötchen durch das Betreiben eines Karussells, während seine Frau Ginny in der Nähe Kellnerin in einem Austernrestaurant arbeitet. Das Paar erhält eines Tages Besuch von Humptys Tochter aus erster Ehe, die schon eine ganze Weile nicht mehr in Kontakt mit ihren Eltern stand. Ihre plötzliche Ankunft setzt dabei so einige Ereignisse und Probleme in Bewegung.

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Kritik

In den strahlendsten Farben leuchtet das Coney Island, das Woody Allen (Match Point) in Wonder Wheel mit nostalgischer Pracht heraufbeschwört. Für den Regisseur, der selbst im hohen Alter von über 80 Jahren noch Jahr für Jahr verlässlich wie ein Uhrwerk einen Film dreht und veröffentlicht, bedeutet sein mittlerweile 48. Film wieder einmal eine Reise in die Vergangenheit. Zwischen den zahlreichen Spielbuden, Restaurants und Touristenattraktionen des Vergnügungsparks, der den zentralen Schauplatz der Handlung in den 50er Jahren markiert, widmet sich das New Yorker Regie-Urgestein allerdings einem Teil der Gesellschaft, deren Träume längst geplatzt sind und die im Schatten der glanzvollen Illusion leben, die im Inneren der Vergnügungsparks von Coney Island aufrechterhalten werden soll. In den Mittelpunkt des theaterhaft inszenierten Streifens platziert Allen hierfür eine Handvoll bedeutender Hauptfiguren, die mit ihren Macken, Neurosen und Sorgen erneut dem unverkennbaren Figurenkosmos des Regisseurs entstammen. 

Dabei erweist sich ausgerechnet die zum Erzähler der Geschichte auserkorene Figur des Mickey Rubin als erstes Problem des Films. Justin Timberlake (The Social Network) spielt den Literaturstudenten und aufstrebenden Theaterautor, der sich in den Semesterferien als Bademeister am Strand von Coney Island sein Geld verdienen will, und erweist sich prompt als Fehlbesetzung. Auch wenn der Popstar den glatten Charmeur und Frauenschwarm mit selbstsicherer Routine verkörpert, nimmt man ihm den kunstinteressierten, belesenen Studenten, der gerne mit Einflüssen aus den Werken seiner großen literarischen Vorbilder um sich wirft, in keiner einzigen Szene ab. Wesentlich interessanter erscheinen da zunächst die anderen Hauptfiguren des Films, die neben Timberlakes Figur zunehmend in den Vordergrund rücken. Die tragischste Figur markiert dabei wohl Ginny, die mit ihrem zweiten Ehemann Humpty und ihrem Sohn Richie aus erster Ehe über einer der Schießbuden des Vergnügungsparks lebt. 

Obwohl sie von der Gegenwart schon genügend belastet wird, da Humpty ebenso wie Ginny selbst mit einem Alkoholproblem zu kämpfen hat, während Sohn Richie die krankhafte Angewohnheit hat, ständig irgendwo ein Feuer zu legen oder etwas in Brand zu stecken, trauert die Frau mittleren Alters in erster Linie ihrem verblassten Traum als Schauspielerin nach, den sie nie weiterverfolgen konnte. Als Kellnerin in einem Austernrestaurant arbeitet Ginny hart, ohne jemals eine Art Gegenleistung zu erfahren. Erst als sie den gutaussehenden Mickey trifft, entfacht dieser einen neuen Funken in ihrem Leben, der wiederum neue Komplikationen mit sich bringt. Eine davon hört auf den Namen Carolina und stellt Humptys Tochter aus erster Ehe dar, die in jungem Alter einen gefährlichen Gangster geheiratet hat und nun vor diesem auf der Flucht ist, da sie bei der Polizei etwas zu leichtfertig aus dem kriminellen Nähkästchen des mafiösen Ehemanns plaudert. Unterschlupf und Hilfe erhofft sie sich daher von ihrem Vater, mit dem sie eigentlich seit Jahren ein eher schlechtes Verhältnis hat. 

Allen-Fans dürfte diese reichlich turbulente Konstellation aus zwischenmenschlichen Spannungen, persönlichen Tragödien, romantischen Verwicklungen und komödiantisch eingeflochtenen Nebenschauplätzen nur allzu bekannt vorkommen. Da es kein Geheimnis ist, dass der Regisseur speziell in seinem Spätwerk auf beliebige Abwandlungen seiner liebsten Handlungsmotive und Charaktervariationen zurückgreift, entpuppt sich auch Wonder Wheel als recht uninspirierte Ansammlung von vielversprechenden, überwiegend vertrauten Einzelelementen, die nur teilweise überzeugend zusammenfinden. Trotz vereinzelter Lichtblicke im gewohnt illustren Cast wirken die Figuren des Films zu einseitig, so als habe der Regisseur ihnen von Anfang an starre Charakterzüge zugewiesen, die im Verlauf der Handlung kaum bemerkbaren Veränderungen unterzogen werden.

Neben Kate Winslet (Titanic), die in der Rolle von Ginny stellenweise zur Höchstform aufläuft und trotzdem, gerade gegen Ende, sichtlich Mühe hat, gegen die gestelzten, betont theatralischen Dialoge des Drehbuchs anzuspielen, und Jim Belushi (Red Heat), der im schmutzigen Unterhemd den temperamentvollen, immer wieder zu Aggressionen neigenden Humpty spielt, überzeugt vor allem Juno Temple (Magic, Magic) mit einer fast schon gefährlichen Unschuld und Naivität, die der britischen Schauspielerin wenig überraschend wie auf den Leib geschneidert wurde. Ein amüsanter Lichtblick ist zudem Ginnys Sohn Richie, der wohl am ehesten dem trockenen Humorverständnis des Regisseurs entspricht. Sobald mal wieder Ärger in der Wohnung ausbricht, schnappt sich dieser schnell Kleingeld, um ins Kino zu gehen. Ein wohliger Fluchtort, der nicht Allen-typischer sein könnte. 

Als verlässlicher Höhepunkt erweist sich neben der eigentlichen Geschichte, die so konsequent wie unoriginell in Tragik und Verzweiflung endet, die Kameraarbeit von Vittorio Storaro. Die italienische Kamera-Legende, mit der Allen bereits für seinen vorherigen Film Café Society zusammenarbeitete, zaubert mithilfe von Farben und Licht ganze Gemälde auf die Leinwand, wodurch Wonder Wheel sicherlich zum visuell schönsten Film zählen dürfte, den der Regisseur jemals gedreht hat. Immer wieder ist es vor allem das Licht, das in ständig neuen Farbvarianten ganze Schauplätze erhellen darf und viele Szenen mit nachhaltigen Akzenten versieht. So sind es neben den melodramatischen, gekünstelten Momenten der Geschichte vielmehr Gesichter, die mal im Schein eines aus dem Regen hervorbrechenden Tageslichts in ungeahnter Schönheit funkeln oder im warmen Orange eines Raums mit feurigem Zorn glühen, die von Wonder Wheel am stärksten in Erinnerung bleiben.

Fazit

Woody Allens 48. Regiearbeit „Wonder Wheel“ entpuppt sich nach dem ebenfalls nicht allzu starken „Café Society“ leider erneut als durchwachsenes Spätwerk des New Yorkers. Trotz des gewohnt illustren Casts und der staunenswerten Kameraarbeit von Vittorio Storaro, der neben den Schauspielern zum eigentlichen Star des Films aufsteigt, wird „Wonder Wheel“ von vertrauten Motiven, eindimensional gezeichneten Figuren, theatralisch-gestelzten Dialogen und einem stotternden Handlungsfluss stark verwässert. Ein mäßiger Film, der nichtsdestotrotz Einzelelemente aufzuweisen hat, die einem noch eine Weile nach der Sichtung nachgehen können.

Autor: Patrick Reinbott

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