{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Inhalt

Die fünfzehnjährige Nisha lebt ein Doppelleben. Zuhause gehorcht sie strikt den Traditionen und Werten ihrer pakistanischen Familie. Draußen mit ihren Freunden verhält sie sich wie ein ganz normaler norwegischer Teenager. Doch als ihr Vater sie mit ihrem Freund erwischt, kollidieren ihre beiden Welten brutal. Nisha wird von ihren Eltern gekidnappt und nach Pakistan gebracht. Sie hat Angst und fühlt sich allein in der Fremde. Aber Stück für Stück entdeckt sie das Land und die Kultur ihrer Familie.

Kritik

Der sich stetig auf Tradition berufende Konservatismus ist sicherlich - auch in der Gegenwart - vorrangig durch eine Sicherheitsideologie geprägt. Im Fokus stehen  Termini wie "etwas schützen" oder "vor etwas bewahren". Gerade die Jugend soll oftmals in ihrer Jugendlichkeit insofern eingeschränkt werden, dass man ihr die Verantwortung zur Freiheit nicht zutrauen möchte, und sie deshalb in ihrem freien Lebensstil einschränken möchte. Nisha (Maria Mozhdah)  befindet sich im Zwiespalt: Sie stammt aus einer kulturell-traditionellen (konservativen) Familie, partizipiert jedoch an einer westlich-liberalen Gesellschaft. Recht schnell erkennen wir Parallelen zur konservativ geführten Isolationspolitik: Es gibt das "Drinnen" und das "Draußen". Das "Drinnen" steht hier für das Zuhause der Familie und das "Draußen" steht für die liberale Gesellschaft. Interessant ist jedoch, dass es noch eine Mischung aus beidem zu geben scheint. 

Der Titel Was werden die Leute sagen kündigt bereits an, dass es hier um einen gesellschaftlichen Konflikt gehen soll, um eine Differenz zwischen dem Handeln und den Normen der Gesellschaft.  Nisha verhält sich außerhalb ihrer Familie recht gesellschaftskonform der westlichen Gesellschaft gegenüber, die jedoch andere Traditionen und Werte hegt als die traditionelle Gesellschaft der eigenen Familie. Das "Draußen" muss also noch einmal unterteilt werden: Es gibt hier zwei Gesellschaften, vor denen Nisha scheitern kann. Eine davon wird hier sehr authentisch von Iram Haq (Ich bin Dein) eingefangen, die andere wird leider vernachlässigt. Die Tradition kollidiert nicht nur insofern mit dem Liberalismus (in der eigentlichen, nicht in seiner neoliberalen Ausführung), dass sie ein liberales Verhalten verbietet, sie wird ebenso vom Liberalismus verboten, wenn auch unterschwelliger. 

Gesellschaftliche Zwänge spielen in der westlichen Gesellschaft eine große Rolle und es bildet sich eine eigene Tradition. Schließlich sind Traditionen immer nur Ergebnisse eines vergangenen Zeitgeistes. So erscheint der obligatorische Liberalismus zwar weniger traditionell, erwächst jedoch selbst auch zur Tradition: "Sei frei", "Trau dich was". Die Ausmaße dessen können wir auch in Deutschland jeden Tag beobachten, wenn Hausfrauen von Feministinnen für ihre Arbeit kritisiert werden oder eine keusche Lebensweise im Jugendalter schnell als schwachsinnig abgehandelt wird. Der Film arbeitet leider nicht so recht heraus, dass Nisha vor einem Scheideweg steht und sie so oder so einer Tradition nicht gerecht werden kann. 

Was werden die Leute sagen denkt den beidseitigen Traditionscharakter nur einseitig und liefert dadurch keine besonders innovativen Blicke auf den Konflikt zwischen Tradition und Liberalismus. Dabei ist das ein Konflikt, der aktueller kaum sein könnte, wenn wir uns Debatten um ein eventuelles Kopftuchverbot ansehen.  Dennoch kann man den Film nicht einfach als uninteressant abtun, man kann ihn nicht als undurchschnittlich werten, weil er trotz mangelnder Ambitioniertheit seine eigene Intention vollendet. So arbeitet Haq sehr präzise und authentisch heraus, wie Jugendliche unter der Tradition leiden können, wie sie in ihrer Freiheit beschränkt werden könnnen, aber auch wie Traditionen ganze Familien bedrohen können.  Dabei wird sie nie plakativ, zeigt Verständnis für die konservative Familie und bleibt bis zum Schluss konsequent. 

Gelungen ist also durchaus ein Plädoyer für die Freiheit, nicht aber der eigentlich subversive Schritt, zu klären ob die westliche Wertegemeinschaft eine solche Freiheit überhaupt garantiert. Der Film stellt die hiersige Gesellschaft als freie und eben sich der Tradition entziehende Gesellschaft dar. Wirklich virtuos wäre es gewesen, zu begreifen dass Tradition immer präsent ist, weil sie eintritt, sobald man an gewissen Werten festhält. Der obligatorische Liberalismus ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, weil er Freiheit verspricht, aber eben nur solange man sich dieser bedient. Die Ablehnung von Freizügigkeit wird gesellschaftlich gerne verurteilt. 

Fazit

"Was werden die Leute sagen" ist nicht wirklich innovativ, wodurch er sich auch nicht vom oberen Durchschnitt abheben kann, erzählt jedoch das was er erzählen möchte sehr engagiert, authentisch und vor allem konsequent. 

Autor: Maximilian Knade

Wird geladen...

×