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Afghanistan: General Dan McMahon ist ein Rockstar unter den Armee-Oberhäuptern, eine richtige War Machine. Seine Erfolgsbilanz ist überwältigend, sein Ruf tödlich. Zusammen mit einer eigens zusammengestellten Truppe aus Kommandanten, Soldaten mit Spezialausbildung und PR-Leuten bereist McMahon in den 2000er Jahren das umkämpfte Land und will den Afghanistan-Krieg auf seine ganz eigene Art gewinnen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Der Krieg kann warten.“

Ganze 60 Millionen US-Dollar hat War Machine, das aktuelle Netflix original, verschlungen. 60 Millionen US-Dollar, die für den marktführenden Streamingdienst mit Sicherheit eine absolut erschwingliche Summe darstellen, gleichzeitig aber doch auch einen deutlichen Fingerzeig dahingehend offenbaren, in welche wirtschaftlichen Höhen- und Breitengrade das Unternehmen bereit ist, sich zu bewegen: Netflix steht nicht nur für große Zahlen, sondern auch für, ganz wortwörtlich, großes Kino (die zukünftigen Veröffentlichungen mit Okja und Bright bestätigen diesen Umstand ebenfalls). Nun stellt sich bei dem jeweiligen Endresultat aber nicht nur die Frage, in welche produktionsökonomischen Dimensionen man sich aufgeschwungen hat, sondern vor allem: Haben wir es mit einem gelungenen Film zu tun? Und im Falle von War Machine ist diese zu verneinen, was angesichts der vielversprechenden Vorzeichen weitreichend ernüchtert.

Basierend auf dem Leben von Stanley McChrystal (im Film Dan McMahon und von Superstar Brad Pitt verkörpert), einem Vier-Sterne-General, der einst von Barack Obama autorisiert wurde, als oberster Befehlshaber eine strategisch kluge Endlösung für den Afghanistankrieg zu forcieren, erzählt War Machine in erster Linie eine Geschichte über das große Scheitern. Nicht nur, dass sich die amerikanische Kriegsführung im afghanischen Krisengebiet vor allem durch ihre rigorose Ineffizienz auszeichnete, der Einsatz an sich wird bis heute als eines der unsinnigsten Unterfangen überhaupt deklariert. Unsinnig, weil es keine klaren Feinde gibt und in ein Land eingefallen wurde, welches (nachvollziehbarerweise) nicht verstehen wollte, warum schwerbewaffnete Trupps an amerikanischen Soldaten von nun an durch die Straßen ihrer Heimat zogen. Anstatt eine neue, innere Sicherheit zu garantieren, wurde weiterer Unmut geschürt.

Selbstverständlich scheut sich War Machine nicht davor, den Wahnwitz des Afghanistan-Krieges anzusprechen. Er scheut sich nicht davor, aufzuzeigen, wie Dan McMahon, ein hochdekorierter Rockstar in den Reihen der US-Army, daran scheitert, sich seiner selbst bewusst zu werden – und somit auch nie die Chance besaß, im von Not und Kummer gebeutelten Afghanistan etwas zu bewegen. Regisseur David Michod, der uns in der Vergangenheit bereits den wunderbaren Königreich des Verbrechens sowie den überaus gelungenen The Rover geschenkt hat, aber ist nicht in der Lage, dem Zuschauer eigenmächtiges Denken zu erlauben. Der von einem Rolling-Stone-Journalisten eingesprochene Off-Kommentar, angelehnt an Michael Hastings, dessen Roman The Operators die Vorlage zu War Machine darstellt, buchstabiert jede Gemütsregung und jeden politischen Schachzug gnadenlos aus. Womöglich, weil War Machine ansonsten tatsächlich nichts zu sagen hätte?

Es ist tatsächlich äußerst bezeichnend, wie wenig Ertrag War Machine aus seinem unübersehbaren Potenzial herausholt. Dies wäre die Geschichte über einen Mann gewesen, der begreifen muss, dass man nicht ergraut, weil man große Entscheidungen fällen muss, sondern, weil die als groß erhofften Momente im Leben letztlich nicht großartig sind. Es wäre die Geschichte über das Bewusstsein der Enttäuschung über das eigene Dasein gewesen. Ebenso wäre die Demontage einer prominenten Persönlichkeit Basis genug, um eine ätzende Satire anzustimmen, die Afghanistan als das enttarnt, was es ist und immer war: Ein Spielball der Mächte. Doch dafür ist David Michods Inszenierung zu handzahm und sein Narrativ zu steif. Dass Brad Pitt sich an vorderster Front durch das zweistündige Geschehen chargieren darf, mag zu Anfang noch amüsieren. Recht schnell wird jedoch deutlich, dass diese Karikatur bis auf das Grimassieren nicht viel bereithält.

Fazit

Die Vorzeichen versprachen einen weiteren Netflix-Hit, das Ergebnis allerdings ernüchtert. "War Machine" ist Kino ohne Biss, welches sich daran aufhält, dem Zuschauer alle Aspekte des Afghanistan-Krieges auszubuchstabieren, anstatt ihm zu erlauben, sich ein eigenes Bild zu machen. Potenzial wäre da gewesen, die Umsetzung allerdings ist zu handzahm und belanglos. Zudem muss man Brad Pitt zwei Stunden dabei zusehen, wie er Grimassen schneidet. Auch das macht noch lange keine Karikatur aus.

Autor: Pascal Reis

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