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Fotoreporter Price bezieht während des Bürgerkrieges in Nicaragua politisch Stellung und wird in eine Revolution verwickelt, von der er sich eigentlich nur spektakuläre Aufnahmen versprochen hatte.
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Kritik

„Ich sag es dir: Du wirst dich in diesen Krieg verlieben!“

Irgendwo ist immer Krieg, auch wenn es die Weltöffentlichkeit nicht immer interessiert. Einer dieser unzähligen Konflikte spitzte sich Ende der 70er in Nicaragua dramatisch zu, als der Aufstand der Freiheitskämpfer um den Rebellenführer Rafael gegen den verhassten Diktator Anastsasio „Tacho“ Somoza in einem handfesten Bürgerkrieg endete. Einen, von dem die restliche Welt am besten nicht zu viel erfahren sollte, denn bei den zahlreichen Verstrickungen, Manipulationen und auch Unterstützungen der totalitären Unrechtsregierungen seitens der Industriestaaten – in erster Linie der USA -  um deren eigene Interessen zu verfolgen, war es nicht unbedingt deren Anliegen, dass zu intensiv recherchiert und vor allem an die große Glocke gehängt wurde. Aber wie das nun mal so ist: Wenn schon nicht die Hintergründe erwünscht sind, mit Oberflächenreizen bzw. deren schockierenden Darstellung lässt sich wenigstens eine gute Stange Geld verdienen.

-„Auf welcher Seite sind Sie?“

-„Auf keiner Seite. Ich mache nur Fotos.“

Eben noch liefert er aus nächster Nähe spektakuläre Aufnahmen aus dem Tschad, wo sich Kampfhubschrauber mit berittenen Elefanten duellierten, da winkt für Kriegsfotograf Russell Price (Nick Nolte, Nur 48 Stunden) der nächste lukrative Job. Dieser Krieg ist noch nicht mal beendet, für ihn ist er aber abgegrast. Viel spannender scheinen die Entwicklungen in Südamerika zu werden. So reißt er gemeinsam mit dem befreundeten Reporter-Pärchen Claire (Joanna Cassidy, Blade Runner) und Alex (Gene Hackman, Poseidon Inferno) nach Nicaragua, dem frischesten Hot Spot auf der Landkarte der Kriegsgoldgräber aus der Ersten Welt. Viele davon in der passiven, beobachtenden Hyänen-Rolle, wie auch Price es zunächst vorhat. Sich fein raushalten und angeblich investigative Berichterstattung liefern, was in seinem Fall nicht mehr bedeutet als möglichst schonungslose Aufnahmen vor die Linse zu bekommen, die ihm eine Titelseite und eine ordentliche Vergütung gewähren.

Aber es gibt auch welche, die das Ganze deutlich direkter angehen. Wie US-Söldner Oates (Ed Harris, mother!), der seine menschenverachtenden Dienste skrupellos dem Meistbietenden zur Verfügung stellt. Da kommt selbst er gelegentlich durcheinander, für wen oder was er ganz aktuell kämpft und landet dabei schon mal versehentlich im Convoy der Gegenseite. Nur gut, dass auch die meist gar nicht mehr den Überblick haben. Aber egal ob Frontschwein oder Railbird, man kennt sich inzwischen und ist gar nicht mehr verwundert, wo überall und in welch unmenschlichen Situationen man sich abermals über den Weg läuft. Krieg, das ist halt ihr Business. Sie sind Profis und so lange man nur seine Fähigkeiten und nicht sein Herz dort einbringt, lässt sich davon ziemlich gut leben. Bis Price genau diesen Aspekt droht aus den Augen zu verlieren. Seine berufliche Neutralität Stück für Stück aufweicht und er sich schlussendlich sogar bewusst instrumentalisieren lässt, um diesmal nach seinem Gewissen zu handeln. Und somit wirklich ein Teil dieses Krieges zu werden.

Roger Spottiswoode (Scott & Huutsch) konzentriert sich statt auf kämpferische Handlungen lieber auf ein fiktives, moralisches Einzelschicksal, anhand dessen er aber einen realistischen und nicht weniger schonungslosen Blick auf einen selten diskutierten Konflikt wirft, der stellvertretend für so viele Vergleichbare ist. Ab wann ist es ethisch überhaupt noch vertretbar lediglich zu schildern und zu dokumentieren, gerade wenn sich einem die Chance bietet, aktiv für das eintreten zu können, was man persönlich als richtig erachtet? Oder ist genau das nicht das wirklich Unethische, schließlich sollte man als Journalist doch verpflichtet sein, möglichst unbefangen und so nüchtern wie möglich die Fakten aufzudecken? Eine Grundsatzfrage, die bei Under Fire zusätzlich erschwert wird zu beantworten, da die Beteiligten hier vorerst nicht den rein informativen Auftrag sondern schlicht die eigene Karriere und das Bankkonto im Fokus haben. Dieser Krieg und alle die darunter zu leiden haben, sind nur Mittel zu Zweck. Sie profitieren davon genauso wie diejenigen, die ihn betreiben oder in ihn investieren.

Irgendwo ein absurder, stillschweigender Schulterschluss mit einem Terrorregime. Gipfelnd in ein sonderbares Spektakel, wenn der Despot auf die Pressetribüne einlädt um beste Sicht auf die von ihm angeordnete Bombardierung der eigenen Hauptstadt zu ermöglichen. Wenn schon Berichterstattung, dann doch bitte im gegenseitigen Einvernehmen. Als der Krieg plötzlich doch droht auch sie unmittelbar zu gefährden, verkrümeln sie sich schneller als die Ratten von einem sinkenden Schiff. Wer kann denn so was ahnen? Nick Nolte verkörpert dieses eine Exemplar, das es satt hat nie die Augen, aber immer Kopf und Herz vor dem Grauen verschließen zu müssen, um sich am Ende des Tages nicht mit der unangenehmen Frage konfrontiert zu sehen, was er hätte ändern können. Dieses glaubhaft, nicht belehrend oder moralinsauer und trotz einer etwas überflüssigen Dreiecksbeziehung am Rande durchwegs spannend zu gestalten zeichnet Under Fire aus, der auch wegen seines filmisch selten verwendeten historischen Hintergrundes unbedingt häufiger Erwähnung finden sollte.

-„Ist der Krieg jetzt vorbei?“

-„Ich weiß es nicht…“

Fazit

Ein stark besetztes, historisch wie politisch interessantes Kriegsdrama, das wichtige und spannende moralische Fragen stellt, ohne sich anzumaßen diese allgemeingültig beantworten zu können. Erreicht erzählerisch wie inszenatorisch nicht ganz die höchste Klasse seines Genres, was allerdings nichts an einer glasklaren Empfehlung ändert.

Autor: Jacko Kunze

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