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35 Yen haben die beiden jungen Liebenden Masako und Yuzo an dem einen Tag in der Woche, an dem sie sich mal sehen können. 35 Yen und den unbedingten Willen, so viel wie möglich damit anstellen zu können. Leider macht die harte Nachkrieg-Realität den beiden oftmals einen Strich durch die Rechnung.

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Kritik

Der letzte Film aus Akira Kurosawas Frühwerk ist auch der schönste. Frühwerk, das beinhaltet seine ersten sieben Filme, und umspannt sein Debüt Judo Sugata - Die Legende vom großen Judo bis zum Film der Stunde, Ein wunderschöner Sonntag. Im gleichen Jahr, in dem auch dieser Film erschien, wurde ein Drehbuch von Kurosawa von einem anderen Regisseur inszeniert. Ein Film, bei dem - auf Kurosawas Drängen hin - ein gewisser Toshiro Mifune die Hauptrolle übernahm. Kurosawa und Mifune taten sich dann für Film Nr. 8 zusammen und schrieben fortlaufend Filmgeschichte. Doch das, wofür das dynamische Duo in Engel der Verlorenen in ganz Japan berühmt werden sollte, nimmt seinen Anfang bereits in diesem Werk. Während Kurosawa während des Krieges regime-freundliche Filme drehte, kehrte sich sein Fokus beim ersten Nachkriegswerk Kein Bedauern für meine Jugend um. Mit Ein wunderschöner Sonntag fand Kurosawa schließlich die Marschroute, die ihn über viele Jahre und Filme hinweg begleiten sollte. Dazu später mehr.

Der Film beginnt und endet am Bahnhof. Zu Beginn steht ein Mann, Yuzo (gespielt von Isao Numasaki aus Street of Violence), an einer Wand, beobachtet das wilde Treiben auf dem Gleis und wartet. Vor ihm wird eine halb gerauchte Zigarette weggeschmissen. Die wäre noch brauchbar. Er starrt den Stummel an, der Stummel starrt zurück. Yuzo überprüft, ob er beobachtet wird. Er schämt sich für seinen Gedanken, für seine Lebenssituation, für seine Armut. Und kann dennoch nicht widerstehen. Schnell sammelt er den Stummel ein, richtet sich auf und schaut direkt in die Augen seiner Verabredung. Sie, Masako (Chieko Nakakita, Erbauer des Morgens), wird schnell von Kurosawa als Gegenpol zu dem jungen Herren positioniert. Sie sprudelt nur so vor Lebensfreude und Optimismus, sie lässt sich von dem mangelnden Geld nicht den schönen Tag mit ihm vermiesen. Yuzo hingegen fühlt sich wie ein Versager, der weder für sich noch für seine Liebe sorgen kann.

Kurosawa liefert mit Ein wunderschöner Sonntag eine Hommage an manche seiner Vorbilder ab. Frank Capra (Ist das Leben nicht schön?) ist hier deutlich zu finden, ebenso der naturalistische Blick von F.W. Murnau. Letzterer war zum Zeitpunkt des Films bereits verstorben, hinterließ jedoch seine einfühlsamen Filme wie Tabu. Dieser Einfluss wird in mancher Szene deutlich, wenn Yuzo mit Kindern auf der Straße Baseball spielt und immer wieder Platz für passierende Autos und Kühe gemacht werden muss. Es sind solche liebevoll eingeflochtenen Einzelheiten, die aus dem Film ein wahrlich elegantes und leichtfüßiges Unterfangen machen. Besonders beeindruckend ist dabei aber die Doppeldeutigkeit, mit der Kurosawa hier hantiert. Bei dem passierenden Auto handelt es sich um ein Militärfahrzeug, bei der Kuh ein Symbol für den Rückschritt und die große Armut des Landes. Die neue Ordnung nach dem Krieg unterbricht das Leben. Hier finden sich erstmals die fein ausbalancierten kritischen Töne, die Kurosawas nächsten Film garantierten Applaus bescherten.

Kurosawa sieht sein Land im Rückschritt, er zeigt die offensichtlichen Probleme der Nachkriegs-Gesellschaft auf. Dabei inszeniert er die USA nicht als universalen Buhmann. Viel mehr erkennt er an, dass die Lage der Nation eine immens komplizierte ist. Armut ist ein Problem und Optimismus reicht dann irgendwann nicht mehr. Dennoch ist die Armut vieler auch durch die Gier mancher bedingt, sodass Ein wunderschöner Sonntag unterm Strich zu einem zutiefst humanistischen Manifest wird. Kurosawa weiß ganz genau, was er hier erzählen möchte, wo er wie die Kamera platzieren muss und wie er die unbändige Liebe, die die Figuren für sich empfinden, auf den Zuschauer überträgt. So geht das Publikum gerne mit auf die Reise der beiden. Wie sie wie Jugendliche durch die regnerischen Straßen laufen, wie sie ihre „Zukunft“ planen, wie sie eine unvollendete Symphonie belauschen und den befreiendsten Kuss der Filmgeschichte haben.

Fazit

Mit „Ein wunderschöner Sonntag“ hat Akira Kurosawa einen wahrlich herzlichen, bitter realistischen und wärmend naiven Film inszeniert. Gekonnt wandert er zwischen den emotionalen Extremen und findet schließlich seinen gesellschaftskritischen und humanistischen Pfad, für den seine folgenden Filme so beliebt wurden. Und ganz nebenbei ist dieser Film einfach richtig schön.

Autor: Levin Günther

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