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Marlo hat gerade erst ihr drittes Kind bekommen, als ihr Bruder ihr ein besonderes Geschenk macht: Eine "Night nanny", die sich nachts um die Kinder kümmern soll. Marlo ist zunächst skeptisch gegenüber dem Gedanken, Hilfe von einer fremden Person anzunehmen, doch als sie die junge, schlaue und witzige Nanny namens Tully kennenlernt, entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft zwischen den beiden Frauen.
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Kritik

Das Ausbrechen aus determinierten Rollen, auch aus selbstgeschaffen determinierten, scheint eines der großen Themen des feministischen wie pseudofeministischen Diskurses zu schein. Die Frau als Mutter soll nicht länger nur Mutter sein müssen und die Frau als Ehefrau nicht länger nur Ehefrau. Sie soll also von ihrer gesellschaftlichen Rolle abgesehen mehr als Individuum frei von ihrer Funktion betrachtet werden. Es geht um ein Befreien aus gesellschaftlicher Verantwortung, die vor allem auf Frauen lastet und von Männern häufig nicht erwartet wird. Die Befreiung aus einem obligatorisch scheinenden Alltag ist hier also das Ziel, das unsere Protagonistin auch in diesem Film verfolgt. 

Die junge Tully (Mackenzie Davis, Blade Runner 2049) soll der dreifachen Mutter Marlo (Charlize Theron, Gringo) unter die Arme greifen, um diese vor einem Burnout zu schützen. Diese Prämisse erinnert in gewisser Form an den Roman Mädchen für alles von Charlotte Roche, wo ein "Mädchen" von außen für neue Dynamik im Inneren sorgt. Das Öffnen des Privaten dem Fremden gegenüber spielt in beiden Werken also eine zentrale Rolle, nur dass beide  ihr subversives Potential nicht vollends entfalten können, da sie im Endeffekt doch auf das Konventionelle zurückführen. In Mädchen für alles wird das im Ansatz kritisierte Klischee der Hausfrau durch ein Mädchen für alles ersetzt, das der Protagonistin zwar Freiheit zu schenken scheint, selbst jedoch unfrei bleibt. Genauso bleibt aber auch die Protagonistin das was sie ist. Dennoch ist der Roman noch immer subversiver als Tully, der zwar handwerklich überzeugen kann, aber letztlich nicht das große Ganze sieht. 

Der Film beschränkt es auf die Situation und bringt Verständnis für die Verzweiflung auf, zieht daraus jedoch keine ideologischen Schlüsse. Erzählt werden soll wirklich nur die Geschichte einer Frau, die überfordert ist und sich - wie es scheint - endlich helfen lässt, wodurch sie ihr Leben überdenkt und neue Lösungsansätze zu suchen scheint. Das Ausbrechen als solches ist jedoch nie eine Situation und so gleicht Tully in seiner Umsetzung Schülern, die auf der Heimfahrt im Bus über die Schule meckern, sie am Ende aber dennoch jeden Tag besuchen, brav die Hausaufgaben machen und abhängig vom System sind. Aber selbst diesen Zusammenhang zwischen dem gedacht Subversivem und dem umgesetzt Determinierten schafft der Film leider nicht. 

Es gibt eine sehr interessante Szene, in der versucht wird, das Sexualleben in der Ehe wiederzubeleben. Das bleibt jedoch so unexplizit, das man weder die Intensität der Szene erleben kann, noch ihre Bedeutung einschätzen kann. Und so bleibt leider auch der gesamte Film: Wir verstehen die komplizierte Situation, können sie jedoch weder in ihrer Bedeutung noch in ihrer Konsequens einordnen, da weder eine explizite Konzeption noch eine explizite Inszenierung vorliegt. Mitfühlen können wir nur, wenn  Marlos Verzweiflung von der wunderbaren Charlize Theron  verkörpert wird und wir die Protagonistin in ihrer Selbstwahrnehmung erleben können.  


Fazit

"Tully" ist handwerklich sehr gelungen, gut gespielt und basiert auf einer interessanten Situation, deren subversives Potential jedoch nicht ausgearbeitet wird. Dafür bleibt der Film im Endeffekt zu unexplizit und zu wenig konsequent. 

Autor: Maximilian Knade

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