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L.A., 1948: Detective Tom Spellacy ermittelt im Fall einer in zwei Stücke geschnittenen jungen Frau. Die Spur führt über Umwege in die höchsten Kreise der lokalen Prominenz. Und somit auch irgendwie zu seinem Bruder, Monsignore Des Spellacy, der gerade auf dem Weg nach ganz oben ist, gestützt von eben jenen, zwielichtigen Gestalten der High Society.

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Kritik

Manche Menschen erlangten erst oder ausschließlich durch ihren Tod zeitlose Berühmtheit, was irgendwie pervers ist, aber nun mal eine Tatsache. Auf wohl kaum niemanden trifft das so sehr zu wie auf eine junge Frau namens Elizabeth Short, die mit Anfang 20 in den 1940er Jahren mit dem Traum einer Schauspielkarriere nach L.A. kam, um dort nie einen Film zu drehen, sondern zu einem der spektakulärsten und bis heute ungeklärten Kriminalfälle der USA zu werden. Ihre Leiche wurde im Januar 1947 am Straßenrand abgeladen aufgefunden, in zwei Hälften geschnitten und aufs Grausamste verstümmelt, besonders in den Intimbereichen. Keiner der zahlreichen Verdachtsfälle führte zu einer handfesten Spur, am Ende musste die Akte der „Schwarzen Dahlie“ (ein von der Presse erfundener Titel, angelehnt an den damals populären Film Noir Die blaue Dahlie) als ungelöst geschlossen werden, was zu zahlreichen Theorien führte, die über die Jahrzehnte immer wieder auch die Filmlandschaft beeinflusste.

Ganz direkt natürlich durch den ausschließlich auf den Fall konzentrierten (und auch wegen der ungenauen Kenntnislage höchst spekulativen) Black Dahlia von Brian De Palma aus dem Jahr 2006, aber seit den realen Vorfällen diente es immer wieder als lose Inspirationsquelle für verschieden Werke aus den Bereichen Literatur und Film. So wie für Fesseln der Macht (True Confessions), der Adaption eines Romans von John Gregory Dunne, der auch am Drehbuch beteiligt war. Angesiedelt im Jahr 1948 begleiten wir Tom Spellacy (Robert Duvall; Der Pate), Detective bei der Mordkommission des LAPD, bei seinen Ermittlungen in eben diesem stark an der Realität angelehnten Fall, zumindest was die Ausgangslage angeht. Eine 22jahre alte Frau, verstümmelt und zerstückelt  - offenbar mit sexualisiertem Hintergrund –, abgekippt wie Sperrmüll in einer nicht ganz so glanzvollen Ecke im Mekka der Stars und Möchtegern-Sternchen. Der einst bei der Sitte tätige, dem Prinzip des Handaufhaltens durchaus vertraute, aber nun rein seinem guten Gewissen folgende Schnüffler findet bei einer sehr schwammigen Indizienlage eine hauchdünne Spur, die genau dort ein Wespennest anstößt, wo er sowieso eine ganz persönliche Baustelle pflegt.

Denn sein ihm mit den Jahren immer weiter entfremdete Bruder, ein aufstrebender Monsignore (Robert De Niro; Heat), wird von genau diesen Leuten konstant gefördert und nun fast in die Nähe eines in Aussicht gestellten Papst-Amtes gepusht. Sollte sich dieser schwelende Verdacht erhärten, wäre das ein berufliches wie gesellschaftliches Todesurteil für den Geistlichen, dem unbestreitbar bewusst ist, welchen krummen Machenschaften er seinen Status ein Stück weit zu verdanken hat. Wobei es hier noch ausschließlich um die üblichen, unter vorgehaltener Hand stillschweigend geduldeten Macht- und Korruption-„Kavaliers-Delikte“ geht, ohne die in Der Stadt der Engel ohnehin nichts funktioniert. Von Mord ist noch nicht die Rede. Mit diesen ungeheuerlichen Vorwürfen konfrontiert beginnt der bisher durchaus karriereorientierte, dadurch etwas berufsblinde Mann Gottes seine Rolle in dem Spiel der Reichen, Mächtigen und Einflussreichen zu überdenken und kommt langsam, aber unausweichlich zu dem Schluss, dass er sich und seine guten Vorsätze schon längst verraten und verkauft hat. Da hilft auch keine Beichte mehr.

Der eigentliche Whodunnit-Krimi-Plot gerät bei dem stilsicher inszenierten, deutlich am klassischen Film Noir orientierten Drama von Regisseur Ulu Grosbard (Der Liebe verfallen) zusehend zur Nebensache, mündet ausschließlich unter diesen Gesichtspunkten bewertet gar in einer relativ schlichten Auflösung, die so nicht zwingend einen so ambitionierten und detailverliebten Film erklären würde. Darum geht es hier auch gerade mal sekundär. Viel spannender als die eigentliche Täter- und Tathergangsfrage ist doch, welche Lawinen dadurch ausgelöst werden. Welche lange gedeckelten, geduldeten Schweinerein und Machtspielchen dadurch drohen aufzufliegen, dass ein „einfacher Mord“ an einer unbekannten, dahergelaufenen Dirne nur die schlampige Spitze eines Eisberges mit wesentlich impulsiverer, politischer Qualität darstellt. Obwohl es das definitiv grausamste Verbrechen in einer Reihe von vielen ist, das aber letztlich am wenigsten interessiert. Es geht nur um das Resultat. Wer am Ende wen warum umgebracht hat, ist nur eine Randnotiz. Zumindest auf dem Niveau. Entscheidend ist: Alles bricht zusammen und reißt jeden mit in den Abgrund, der nicht rechtzeitig den Absprung schafft. Einen Schuldigen zu finden ist da recht einfach, lediglich die Anklageschrift ist variabel.  

Fazit

Eine behutsam dargestellte Glaubens- und Moralkrise, ummantelt von den Mitteln eines Thrillers im Stil des Film Noir. Grandios gespielt von den Weltstars Robert De Niro & Robert Duvall, erzählt mit einem Hang zum zynisch-lakonischen Galgenhumor und dennoch niemals seiner Ernsthaftigkeit beraubt. Mitunter etwas schwerfällig, gerade da der Krimiplot noch wesentlich größere Möglichkeiten offenbaren würde, auf deren Nutzen kein besonders großer Wert gelegt wird. In seinem Unterton dafür umso prägnanter, was eindeutig eher Ziel der Übung ist.  

Autor: Jacko Kunze

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