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Harriet Lauler überlässt nichts dem Zufall. Einst eine erfolgreiche Geschäftsfrau, hat sie jeden Aspekt ihres Ruhestands bis ins letzte Detail geplant. Warum sollte es mit ihrem Nachruf anders sein? Die junge Journalistin Anne soll ihn schon zu Harriets Lebzeiten verfassen, stößt aber schon bald auf ein gravierendes Problem: Niemand, wirklich niemand hat ein gutes Wort für Harriet übrig. Mit ihrer Kontrollsucht hat sie so ziemlich jeden vergrätzt, mit dem sie es je zu tun hatte. Wie soll da ein liebenswertes Porträt der zukünftig Verstorbenen entstehen? Die kratzbürstige alte Dame hat ein Einsehen und will auf ihre alten Tage die eigene Biografie noch einmal aktiv umschreiben. Dazu muss sie sich unter anderem mit ihrer Tochter versöhnen, die sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. So unternehmen Harriet und Anne eine Reise, die alles verändern soll...
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Bedauerlicherweise teilt Drehbuchautor Stuart Ross Fink die Schwäche der verhinderten Essayistin Anne Sherman (Amanda Seyfried): er will etwas Elementares analysieren, ohne es zu verstehen. Zum Glück kann sein vergnügliches Leinwanddebüt genau wie die Mittlere des drei Generationen umfassenden Hauptfigurentrios auf eine schlagfertige Mentorin zählen. Das ist in beiden Fällen die grandiose Shirley McLaine. Die selbst für ihre Unangepasstheit bekannte Kult-Darstellerin weiß nur allzu gut um die unterliegende gesellschaftliche Problematik. Mark Pellingtons auf Gefälligkeit bedachte Inszenierung zeigt das Zusammenwirken von Doppelmoral und Chauvinismus nie so klar wie die offiziellen Inhaltsangaben seiner Tragikkomödie.

Die ehemalige Geschäftsfrau Harriet Lauler widerborstig, kontrollsüchtig, ein Drachen, ein Freak, über den niemand ein gutes Wort zu verlieren hat? Anne und das Publikum sehen dank McLaines nuancierten Porträts der resoluten Ex-Firmenleiterin eine bewundernswerte Freidenkerin. Sie regelt ihre Angelegenheiten am liebsten selbst und ihre Kompetenz gibt ihr darin Recht. Sie sagt, was sie denkt, und andere ermutigt, es ebenfalls zu tun. Damit hat sich Annes sympathische Kontrahentin nicht nur Freunde gemacht: So what? Ihr Umfeld schwärmt zwar nicht von ihrer großmütterlichen Fürsorge, aber zollt ihr Respekt. Sogar Lauler Ex-Gatte (Philip Baker Hall) versteht ihre einschüchternde Willensstärke. 

Die kantig Heldin stammt aus einer Ära, als Frauen nicht selbstständig, selbstbestimmt, kurz: überhaupt nicht sie selbst sein sollten. Überwunden ist diese Ära nicht, wie Anne auf dem Road Trip mit ihrer gewitzten Auftraggeberin und dem freimütigen Heimkind Brenda (AnnJewel Lee Dixon) erkennt. Was bei einem Mann Charakterstärke gilt, wird Lauler als Bosheit und Verrücktheit angelastet. Anne selbst hat das weibliche Gesellschaftsideal von Nachgiebigkeit und Nettigkeit so verinnerlicht, dass sie mit ihrem Selbstverwirklichungsdrang hadert. Die allesamt spruchreifen Lebensweisheiten, mit denen Lauler ihre neuen Patchwork-Familie aufbaut, klingen mitunter so vertraut, wie es der Plot ist. Aber so viel Verve und Geist verdienen einfach das letzte Wort.

Fazit

Shirley McLaine, die selbst gegen Hollywoods konventionelles Starimage rebellierte, glänzt in der maßgeschneiderten Rolle der unerschütterlichen Nonkonformistin. Ihre bissigen Dialoge und die famose Darstellerinnen-Chemie trotzen der mutlosen Inszenierung. Ein komödiantisches Kleinod über die Negativklischees, die unverändert erfolgreichen Individualistinnen anhaften.

Autor: Lida Bach

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