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Seit seiner Kindheit wird der geistig zurückgebliebene Dennis von furchtbaren Albträumen heimgesucht. Als ihm eine Kreatur aus diesen Albträumen eines Tages auch noch als Ebenbild in einem Spiegel begegnet und ihn zum Morden auffordert, spitzt sich die Lage drastisch zu...

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Kritik

Manche Filme beherbergen Geschichten, die weit über den eigentlichen Inhalt des Werks hinausragen. The Evil Within von Andrew Getty ist so ein Film, bei dem es erstaunlich ist, dass er überhaupt noch in einer fertigen Fassung veröffentlicht wurde. Als Enkel und Erbe des milliardenschweren Ölmagnaten J. Paul Getty ruhte sich Getty nicht alleine auf seinem Vermögen und seinen Privilegien aus, sondern strebte eine Karriere als bedeutender Filmemacher an. Basierend auf den grausigen Albträumen, die ihn öfters in seiner Kindheit heimsuchten, wollte Getty einen Horrorfilm schaffen, für den er seine eigenen Erfahrungen und Erinnerungen in die Geschichte einbrachte.

Die im Jahr 2002 gestartete Produktion geriet zum Desaster, das sich über viele Jahre in die Länge zog. Getty finanzierte den Film komplett selbst und steuerte das ungefähr vier bis sechs Millionen Dollar hohe Budget aus eigenem Vermögen bei, wobei die Dreharbeiten überwiegend in der Villa stattfanden, die den Wohnsitz des Regisseurs darstellte. Getty, der über die Jahre hinweg zusätzlich von Crystal Meth abhängig wurde, entwickelte sich irgendwann zu einem Besessenen, der Schauspieler während der Dreharbeiten wiederholt austauschte, aufwendige Animatronics und spezielle Kamera-Rigs bauen ließ und sich trotzdem nie von seiner ganz persönlichen Vision lösen konnte, die er bis zuletzt mit perfektionistischem Eifer realisieren wollte. 

Nachdem Getty insgesamt 13 Jahre an dem Film gearbeitet hatte, starb er 2015 plötzlich an den Folgen seines jahrelangen Drogenkonsums, während der Schnitt des Films immer noch nicht fertig war. Michael Luceri (The Astronaut's Wife), der an Produktion und Schnitt beteiligt war, gelang es dann aber doch, das nötige Budget für die Fertigstellung aufzutreiben. So konnte Gettys Vision, die ursprünglich den Titel The Storyteller trug, als The Evil Within nach insgesamt 15 Jahren doch noch veröffentlicht werden, wenn auch in einer von Luceri angefertigten Version, die vermutlich niemals den finalen Vorstellungen des Regisseurs entsprechen konnte.

Das nun vorliegende Resultat ist ein Horrorfilm, wie man ihn heutzutage nur noch selten zu sehen bekommt. Ein zutiefst zwiegespaltenes Werk, das den Größenwahn und das unbestreitbare Talent von Getty ebenso enthält wie grobe Züge des Scheiterns. So schwingt sich The Evil Within zu einer ungemein faszinierenden Seherfahrung auf, die oftmals pure Genialität durchblitzen lässt, um sich nichtsdestotrotz gelegentlich in dilettantischen Ausreißern zu verlaufen. Hauptfigur des Films ist der geistig zurückgebliebene Dennis, der im Haus seines Bruders John wohnt, von dem er betreut wird. Schon in der Eröffnungssequenz, die Getty teilweise mit liebevoller Stop-Motion-Technik realisiert hat, erzählt Dennis dem Zuschauer von seinen furchtbaren Albträumen. Das schlimmste sei für ihn jedoch, nie zu wissen, wo die Realität aufhört und der Albtraum beginnt. 

Diesen quälenden Zustand, in einer Art Zwischenwelt gefangen zu sein, fasst der Regisseur auf verstörende Weise in kraftvolle Impressionen, die in ihren stärksten Momenten an die beklemmendsten Leinwandalbträume von David Lynch (Lost Highway) erinnern. Ähnlich wie der Meister des dunklen Surrealismus konzentriert sich Getty ebenfalls nicht nur auf einzelne wirkungsvolle Momente, sondern auf eine übergreifende Atmosphäre des permanenten Unwohlseins, die das Gefühl, nicht zu wissen, ob man gerade träumt oder wach ist, beängstigend vermittelt. Nachdem Dennis im Spiegel immer wieder eine Kreatur aus seinen Albträumen als sein Ebenbild erblickt, die ihn dazu auffordert, erst Tiere und später auch Menschen zu töten, verliert The Evil Within zwischen brutalen Gewaltmomenten und seelischen Abgründen endgültig jegliche Bodenhaftung. 

Eingeschrieben ist den jeweiligen Szenen dabei stets die geradezu manische Psyche von Getty, deren Verfall sich mit dem Verstreichen jeder einzelnen Minute dieses Films nachempfinden lässt. Die beängstigende Schizophrenie, von der der Protagonist scheinbar befallen wird, ist sicherlich auch Ausdruck von Gettys tief verwurzelten Kindheitstraumata sowie den verheerenden Auswirkungen seiner Drogensucht, die durch sämtliche Räume und Winkel des Schauplatzes zu hallen scheinen. Von Schauspielführung und Dialogen mag der Regisseur in diesem Debütfilm nur wenig verstanden haben, denn einige Szenen, vor allem jene, in denen John mit seiner Freundin zum wiederholten Mal die aktuellen Ereignisse bespricht, wirken äußerst hölzern sowie unbeholfen und geraten vor allem als Lückenfüller zwischen den ansonsten ungemein nervenzerreißenden Passagen des Films zur kuriosen Randerscheinung. Auch die Leistung von Fred Koehler (Death Race), der Dennis' geistige Behinderung in extremer Ausprägung spielt, dürfte viele Zuschauer irritieren und provozieren, wenngleich Koehlers Darstellung im Kontext der Handlung durchaus beeindruckt.

Spätestens im geradezu haarsträubend exzessiven Finale, in dem Getty seinen gewaltigen Fantasien noch einmal freien Lauf lässt, beruft sich The Evil Within allerdings nochmals auf seine ganz und gar eigenständige Qualität zurück, die irgendwo in den bizarren Albtraumwelten zwischen Spiegeln innerhalb von Spiegeln sichtbar wird. Auch wenn es 15 Jahre gedauert hat, bis diese vage Andeutung einer finalen, größenwahnsinnigen Vision das Licht der Welt erblicken konnte, hat dieser Film durchaus das Potential, dass man auch noch in 15 Jahren mit Faszination auf ihn zurückblicken wird.

Fazit

„The Evil Within“ ist ein Horrorfilm, wie man ihn sicherlich nicht alle Tage zu sehen bekommt. Die fast schon manische Vision von Regisseur Andrew Getty, der nach Jahren des perfektionistischen Eifers und einer fatalen Drogensucht schließlich an seinem eigenen Werk zugrunde ging, ist fest mit der nun veröffentlichten Fassung dieses Werks verbunden und offenbart einen Streifen, der zwischen albtraumhafter Intensität, schier unerträglichen Einschüben und seltsam amateurhaften Aussetzern überaus fasziniert und nur alleine aufgrund des immer wieder sichtbaren Genies von Getty womöglich sogar die Zeit überdauern könnte.

Autor: Patrick Reinbott

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