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Inhalt

Nachdem die wahnsinnige Familie Firefly seinen Bruder getötet hat, umstellt der rachsüchtige Sheriff John Wydell das Anwesen der Mördersippe, die für unzählige Entführungen und bestialische Morde verantwortlich ist. Die Polizei stürmt das heruntergekommene Haus und kann dort Mutter Firefly festnehmen, während der hübschen Baby und ihrem Bruder Otis die Flucht gelingt. Gemeinsam mit ihrem Vater Captain Spaulding planen sie sich vorerst im Bordell ihres Onkels Charlie Altamont zu verstecken. Auf ihrer mörderischen Flucht durch das Land hinterlassen die drei eine triefende Blutspur und werden dabei von dem gnadenlosen Sheriff, zwei skrupellosen Kopfgeldjägern und einem Großaufgebot der texanischen Polizei verfolgt...
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Ich bin der Teufel! Und was ich tue, ist des Teufels Werk!“

Mit seinem Regiedebüt Haus der 1000 Leichen überraschte, schockte und vor allem polarisierte Heavy Metal Musiker Rob Zombie im Jahr 2003 gleichermaßen. Aus seiner großen Affinität zum Horrorfilm hatte er nie einen Hehl gemacht, so benannte sich z.B. seine ehemalige Band White Zombie nach dem gleichnamigen Genre-Klassiker mit Bela Lugosi. Unabhängig davon hätten im wohl nur die Wenigsten zugetraut selbst einen Film zu inszenieren, zumindest einen brauchbaren. Heraus kam eine bitterböse, aberwitzige und bizarre Geisterbahnfahrt, die sich ganz tief vor dem rüden 70er-B-Movie-Terrorkino verbeugte und sich in seiner grotesken Art ihm mehr als würdig erwies. Auf diese Weise komplett am zwar inzwischen ebenfalls sehr harten und kommerziell lukrativen, aber glattgebügelten, berechnenden Mainstream-Horror vorbei. Dafür wurde er gefeiert wie verlacht, hinterließ aber unbestritten einen bleibenden Eindruck.

Das Sequel The Devil’s Rejects präsentiert sich auf den ersten Blick nicht mehr so sonderbar-verspielt und (augenscheinlich) eigenwillig. Ist nicht der typische Fortsetzungsfilm, der die Ereignisse des Vorgängers mehr oder weniger neu abspielt und ist gerade dadurch fast ein ganz anderer Film, mit dem Rob Zombie bereits jetzt bestätigte, dass er einer der wenigen, ernstzunehmenden Hoffnungsträgers des aktuellen Horrorkinos sein wird. Statt erneut dusselige, unbekümmerte Halbstarke in den labyrinthartigen Folterkeller der Familie Firefly zu schicken, wird der Spieß diesmal umgedreht. Der rachsüchtige Sheriff Wydell (William Forsythe, Das Leben nach dem Tod in Denver) stürmt mit einem bis an die Zähne bewaffneten Einheit unsere kleine Massengrab-Farm und drängt das White-Trash-Lumpenpack raus aus ihrer Wohlfühlzone, dem selbst erschaffenen Königreich aus Schmerz und Leid. Auf der Flucht lassen die Katzen natürlich trotzdem das Mausen nicht, werden dennoch von Jägern zu Gejagten. Der lange Arm des Gesetzes ist ihnen stets auf den Versen und bereit ans Äußerste zu gehen, um das vergossene Familienblut zu vergelten. Blut ist schließlich dicker als Wasser und heiligt scheinbar die Mittel. Nach der gleichen Devise verfahren allerdings auch die Fireflys. Mögen ihnen Außenstehende scheißegal sein und nur ein Spielzeug um ihre viehischen, schwer soziopathischen Gelüste auszuleben. Nichts geht über die Familie, bis zum bitteren Ende.

Wo Rob Zombies Inspirationen liegen ist unverkennbar und so stilsicher wie er vermochte sie selten jemand in die eigenen Arbeiten einfließen zu lassen, ohne ein schlichtes Kopieren und Abfilmen zu betreiben. Schier unglaublich, dass dies erst der zweite Spielfilm eines Mannes ist, der eigentlich schon seinen Weg in einer anderen Kunstform gefunden hatte. Grobkörnig, roh, vulgär und nihilistisch bis in Letzte lässt er das räudige Gefühl entstehen, an dem beispielsweise Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre nicht mal im Geiste versuchte das Beinchen zu heben. Das ursprüngliche Blutgericht in Texas reckt hier auch ohne den direkten Einsatz stolz die unsichtbare Kettensäge in die Höhe, da müsste Rob Zombie ihm und seiner Kultfigur Leatherface gar nicht diesen wunderbaren wie grenzwertig-genialen Moment widmen, in dem eine unfreiwillige „Lederhaut“ grunzend auf dem Highway einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wesentlich offensiver als damals, dafür nicht minder subversiver, was man unter der extrem harten Schale schnell übersehen kann. Es wird zitiert und in seinem eigenen Kontext neu interpretiert, mit offenem Visier. Erneut bereit, als Gewaltglorifizierung verachtet zu werden.

Seine Geschichte ist vom reinen Ablauf unbestreitbar wahninnig schlicht gehalten, für einen fast zweistündigen (Horror)Film nahezu unverschämt dünn, und doch will man als echter Genre-Nerd kaum eine Minute davon missen. Genauer betrachtet ist The Devil’s Rejects gar einer der reifsten, waghalsigsten und interessantesten Horrorfilme seit der Jahrtausendwende. Er könnte problemlos als reine, sadistische Gore-Sause abgestempelt werden, aber aus diesem blanken, skrupellosen Amoklauf bezieht er parallel eine ungemeine Stärke, da er den Zuschauer so manipuliert und beinah verwirrt, irritiert aus dem Geschehen (auch durch eine ungemein starke Endsequenz) kegelt, dass man sich selbst kurz moralisch reflektieren muss. Der einfache, dafür brillante Clou: Rob Zombie verzichtet komplett auf die scheinbar zwingend erforderlichen Identifikationsfiguren. Die einzigen unschuldigen Personen werden als trottelige Lückenbüßer zur Schlachtbank geführt, ansonsten zerfleischen sich die Raubtiere gegenseitig. Das Rollenverhältnis gerät sogar gehörig ins Wanken, wenn die verabscheuenswürdige Sippe sich plötzlich in der Opferposition wiederfindet, das eigentliche Gesetz ihren Part einnimmt. In fast intimen Momenten ist man so dicht dran an dieser Familie, die scheinbar zu böse, zu gestört für diese Welt ist, aber dennoch füreinander (buchstäblich) durchs Feuer gehen würde und ihr Dasein nie und nimmer auch nur ansatzweise in Frage stellt.

Wer als neutraler Beobachter (was sich absolut nachvollziehen lässt) dazu keinen Zugang findet, dem muss nicht zwingend ein Problem unterstellt werden. Andersrum aber auch nicht. Wie selbstverständlich entwirft Rob Zombie zwischen seinen liebevoll-bösen Anspielungen und der technisch verwunderlich-versierten Umsetzung ein Familienportrait der ganz speziellen Gattung, ähnlich wie bei seinem ebenfalls gerne verrissenen, bisher besten Film Halloween II. Wenn dort Love Hurts den Abspann einläutet, lachen die Einen und die Anderen bekommen eine Gänsehaut. Ähnlich Befremdliches stellt auch The Devil’s Rejects mit einem an. Es wird einem warm und kalt ums Herz gleichzeitig. Dem Bösen so nah zu kommen, obwohl es bewusst so ekelhaft und widerwertig wie nur möglich dargestellt wird. Nur nicht in ihrer eigenen, merkwürdigen Welt. Und dazu lädt The Devil’s Rejects ein, als wäre es eine Fingerübung. Eins ist sicher: Das ist kein Zufall und keine offensichtliche Gabelung wie z.B. bei From Dusk Till Dawn, das ist eine merkwürdige Begabung im puren Bösen eine Form von Schönheit, Geborgenheit und echter Liebe auszugraben, die einem rückwirkend sogar noch beklemmender den Rücken runterläuft.

Fazit

In einem Film wie "The Devil’s Rejects" mehr als nur einen straffen Wüterich zu sehen ist einfach und auch nicht zwingend ungewollt, seine morbide Ballade spielt er neben den Zeilen, hinter dem Bedienen von Gore und Publikumswirksamkeit. Rob Zombie gibt sich nicht so schrill wie bei noch "Haus der 1000 Leichen", nicht minder grenzwertig und meistert diesen ganz schmalen Pfad bald leichtfüßig, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Ein übles Prachtstück voll primitiver Schauwerte und einem versteckten, dafür immens wirkungsvollen Subtext. Der "Bonnie und Clyde" des modernen Horror- und Familienfilms.

Autor: Jacko Kunze

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