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Der Buchhalter Eric steck tief in der Midlife-Crisis, findet aber neues Selbstvertrauen, als er der Herrenmannschaft der lokalen Synchronschwimmer beitritt, die gerade für die Weltmeisterschaften in Mailand trainiert.

Kritik

Was ist ein Mann? Und ist Männlichkeit etwas, das man verlieren kann? Der Begriff "Mann" wird häufig positiv assoziiert mit Begriffen wie "Stärke", "Stolz" und "Mut".  Also mit Begriffen, die eine besondere Härte suggerieren. Doch was ist mit dem schüchternen Jungen aus der letzten Reihe, dem introvertierten Bücherwurm und dem engagierten Synchronschwimmer? Sind das noch Männer oder haben sie ihre Männlichkeit zwischen dem Alltagstrott, der unzufriedenen Ehefrau und der Zeit verloren? Swimming with Men findet intelligente und vor allem humorvolle Antworten auf diese eher dämlichen Fragen, die wohl nur von jemanden stammen können, der sich so mit Anabolika zugepumpt hat, dass sein geistiger Horizont nicht mehr der Größte ist. 

So dämlich die Fragen auch zu sein scheinen, so etabliert sind sie doch in unserer Gesellschaft. Wie so oft findet das Dumme den Weg in unsere Reihen. Dennoch ist es interessant, sich diesen Fragen zu stellen, weil sie wunderbar die Differenz zwischen dem gesellschaftlich konstruiertem und dem biologischen Geschlecht aufweisen. Das biologische Geschlecht des Mannes lässt sich am einfachsten durch die biologische Abgrenzung zum weiblichen Geschlecht definieren. Demzufolge gibt es natürlich Unterschiede zwischen Mann und Frau, die verschieden variieren können, aber biologisch vorhanden sind. Konstruierte Unterschiede sind dabei solche, die gesellschaftlich anerzogen sind. Dieses Verhalten geht auf die Arbeitsteilung in der Kinderstube der Menschheit zurück: Männer wurden aufgrund ihres durchschnittlich stärkeren Körperbaus zu Jägern und Frauen zu Sammlerinnen. Diese konstruierte Arbeitsteilung mag damals Sinn ergeben haben, erweist sich jedoch heute als wenig sinnvoll. 

Dennoch konnte man sich von diesem Ursprung niemals losreißen, wir begegnen in jeder erdenklichen zeitlichen Epoche einem solchen konstruiertem Geschlecht. Dieser Konstruktcharakter ist jedoch in seinen Ausmaßen nicht mehr nützlich, sondern führt zur Einschränkung der Freiheit. Der Mann leidet (ebenso wie die Frau) unter einem maskulinistischen Weltbild, in der ein Mann stark sein muss, in der er "cool" - im Sinne von gesellschaftlich anerkannt - sein muss und "Cooles" - also gesellschaftlich Anerkanntes - tun muss. Nicht umsonst werden Männer gerne mit schnellen Autos in Verbindung gebracht: Sie stehen für Reichtum, also Stärke in der Leistungsfähigkeit und Anerkennung, und gleichzeitig für Aufregung aufgrund der Geschwindigkeit. 

Eric (Rob Brydon, Cinderella) ist von seinem Leben frustriert und findet Zuflucht in einem eher ungewöhnlichen Hobby. Mit Männern seines Alters partizipiert er an einem Synchronschwimm-Club, wo er beginnt seinen scheinbar verloren gegangenen Sinn und Kampfgeist wiederzuentdecken. Es geht hier darum die Männlichkeit in etwas scheinbar nicht Männlichem zu finden. Dadurch destruiert der Film den Begriff der Männlichkeit, weil die damit verbundenen Gefühle und Wahrnehmungen in dem Gegenteil gefunden werden. Der Film deckt auf, dass Eric nicht seine Männlichkeit verloren hat, sondern seine Lebensfreude, die durch die damit ausgestrahlte vermeintliche Schwäche mit dem Fehlen von Männlichkeit verwechselt wird. 

Es kann einem Mann nicht an Männlichkeit fehlen, ein Mann kann nur dem gesellschaftlich konstruiertem Bild von Männlichkeit nicht gerecht werden. Die biologisch vermittelte Männlichkeit ist eine von Natur aus zugeordnete. Eric findet in dem Schwimmclub Bestätigung und Anerkennung, findet in dem Club das, was ihm außerhalb im Alltag zu fehlen scheint. Interessant sind die Anspielungen an Fight Club, die tatsächlich einleuchten. Zum einen geht es in beiden Clubs um ein Fliehen aus der gesellschaftlichen Alltäglichkeit und zum anderen wird ein schönes Gegenbild zu den durchtrainierten, kämpfenden Männern, die - im gesellschaftlich konstruiertem Sinne - nur so vor Männlichkeit zu strotzden scheinen, konstituiert. Der Film zeigt: Eric ist kein bisschen weniger Mann als Tyler Durden. Alles andere zu behaupten wäre ideologisch verblendet. 

Interessant ist hier das Sein des Mannes zwischen anderen Männern, die in ihrem kollektiven Sein eine Einheit der gegenseitigen Unterstützung und des Zusammenhaltes bilden. Swimming with Men möchte  keine Grenzen zwischen den Geschlechtern auflösen, sondern gesteht dem biologischen Geschlecht seine Existenz zu. Dadurch ist der Film sehr viel interessanter: Er stellt kein extremes Gegenstück dar, das wäre deutlich einfacher zu erzählen. Würde Eric sich nun anfangen zu schminken und Ballett zu tanzen, so wäre das für den Zuschauer leicht greifbar als eine Handlung, die typisch weiblich erscheint und von einem Mann durchgeführt wird. Bei uns würden sofort die Toleranz-Lämpchen anspringen, so dass man sich als Zuschauer genüsslich tolerant fühlen kann. Viel schwieriger ist jedoch diese Situation einzuordnen, die keine vermeintlich typischen weiblichen Motive verfolgt, aber welche, die mit der Härte der Männlichkeit nicht zu vereinbaren scheinen. Das strengt die grauen Zellen an.

Fazit

"Swimming with Men" ist eine humoristische Absage an die hegemoniale Männlichkeit und ein Film über echte Männer.

Autor: Maximilian Knade

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