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Inhalt

Ein Klick auf Safari, und die Erfüllung der Träume ist greifbar nah... Der umschwärmte Pilot Harry hat Sex mit dem Social-Media-Sternchen Lara, seine Frau Aurelie, die nichts von dem Doppelleben ihres Mannes ahnt, therapiert David, und gibt ihm Ratschläge wie er seine Jungfräulichkeit verlieren kann. Die 50-jährige Mona, Dauersingle, sehnt sich endlich nach einem Partner. Zunächst verhilft sie David zu seinem wirklich ersten Mal, dann trifft sie jedoch auf den alleinerziehenden Life, der ist aber vom gemeinsamen Sex im Volvo überfordert. Fanny, strenge Vegetarierin mit Wunsch nach Familie, trifft den gutaussehenden Arif, ein selbst ernannter Verführungskünstler. Doch als Fanny ihm am nächsten Morgen von ihrem Kinderwunsch erzählt, sucht der erst einmal das Weite. Sie hingegen sucht Asyl beim nächsten Match: Es ist Harry, der Fanny auch prompt zu sich einlädt. Dumm nur, dass nicht Harry, sondern seine Frau die Türe öffnet, die Harrys Safari-Geheimnis entdeckt hat und ihn mit Fannys Besuch zur Rede stellen will. Als dann auch noch der verzweifelte David auftaucht, um seine Therapeutin zu sprechen, ist das Chaos perfekt...

Kritik

Dating-Anwendungen wie Tinder, Lovoo und Co. sind sicherlich ein interessantes Phänomen, das eines Diskurses würdig ist. Zum einen gilt es, zu zeigen welche Daseinsberechtigung diese Anwendungen haben, inwiefern Menschen von ihr zu profitieren scheinen. Zum anderen gilt es dieses Phänomen vor allem kritisch zu reflektieren. Beides ist im Rahmen dieser Kritik natürlich nur bedingt möglich und es bräuchte intensive wissenschaftliche Arbeit, um ein gesamtheitliches Verständnis dessen zu kommunizieren. Dennoch wollen wir mit einem Abriss der Existenzberechtigung und möglichen Vorteilen der Anwendungen beginnen: Tinder und Co. sind nicht nur jederzeit bedienbar, ermöglichen daher dauerhaftes "Suchen" nach dem geeigneten Partner für die eigenen Interessen, sondern auch multifunktional. Es kann der erste Schritt zu einem One Night-Stand oder aber der erste Schritt zu etwas Ernsterem gesetzt werden. 

Problematisch sind die Anwendungen vor allem deshalb, weil sie den Menschen zu einem Produkt degradieren. So kann man Menschen nach dem ersten Eindruck bewerten, kann für Zahlungen erhöhte Chancen auf das perfekte "Match" erhalten und kann kategorisiert auswählen. So kann relativ schnell klar werden, ob man auf der Suche nach etwas "Lockeren" oder nach etwas "Ernstem" ist. Die Anwendung funktioniert also effizienter, zielgerichteter und vor allem intuitiver als das Kennenlernen auf der Straße oder einer Party. Dafür trägt es auch eine moralisch fragwürdige - das entgültige Urteil ist jedem selbst überlassen - Brandmarkung mit sich. Wichtig für einen Film wäre es jedoch zu erkennen, warum diese Anwendungen funktionieren, dass eine moralische Frage im Raum steht und dass man über niemanden urteilen sollte, der sich bei einer solchen App anmeldet (Don´t hate the player, hate the game). 

Safari - Match Me if You Can thematisiert leider keines dieser Themen explizit, schneidet sie höchstens plakativ an und eignet sich weder als Kritik an dem Phänomen noch als empathische Annäherung. Er erscheint leider unreflektiert und ungerecht dem Nutzer gegenüber. Unreflektiert erscheint er deshalb, weil er nicht einmal die Frage stellt, ob die Anwendung "Safari", wie sie in dem Film heißt, etwas Perfides an sich trägt. Dabei bietet gerade die Aufmachung dieser App eine große Plattform dafür. Bei "Safari" kann sich jeder User ein Tier auswählen, mit dem er sein Dating-Verhalten identifiziert. Das hätte sich wunderbar dafür geeignet,die Bloßstellung des Triebhaften zu reflektieren. Schließlich ist das Erstaunliche und auch durchaus positiv hervorzuhebende an solchen Anwendungen, mit welcher Ehrlichkeit da teils zur Sache gegangen wird. So ist es kein Vergehen, ein ehrliches Interesse an einer "einmaligen Nummer" zu kommunizieren: Erlaubt ist was gefällt, solange sich das passende "Match" dafür findet. 

Diese Offenheit gibt es in diesem Film nicht. Die Charaktere versuchen zum Großteil ihre triebhaften Interesse zu verschleiern, spannen Intrigen und so entsteht sehr schnell der Eindruck, dass jeder User von "Safari" oder Tinder, Lovoo und Co. ein oberflächliches und integrandes Individuum darstellt. So begegnen wir in diesem Film beispielsweise einem Ehemann, der seine Seitensprünge vertuscht, einer Influencerin, die im Internet auf keusch tut, der einen oder anderen Liebesnacht jedoch nicht abgeneigt ist und einem jungen Mann, der bislang schon immer vor dem eigentlichen Akt ejakulierte und deswegen sein erstes Mal um jeden Preis haben möchte. Das sind zwar allesamt Bedürfnisse, allerdings stets mit einem egoistischen Interesse, dass auch als solches dargestellt wird. Der fremdgehende Ehemann Harry (Justus von Dohnányi , Desaster) ist zum Beispiel nicht nur ein sehr plakativer Charakter, sondern wird auch nicht in seinen Beweggründen verstanden. 

Dadurch entsteht ein ziemlich fragwürdiger Eindruck von dem Klientel dieser Apps, der nicht nur unheimlich eindimensional, sondern bei genaueren Hinsehen auch widerlich ist. Die Aussage dieses Filmes könnte lauten: Tinder wird nur von Bekloppten benutzt, die allesamt nur auf ihre eigenen Interessen fixiert sind....aber immerhin kommen ein paar lustige Storys dabei herum. Das ist das eigentliche Vergehen des Filmes, der kein Verständnis für menschliche Bedürfnisse aufbringt, der die Schuld nur beim User sucht und die Anwendung nicht als kritisch zu betrachtendes Endresultat einer Leistungsgesellschaft versteht, die nun auch das Dating digitalisiert und vereinfacht, woraus sich moralisch fragwürdige Konsequenzen ergeben. Stattdessen geht es mal wieder nur um den reißerischen Gag am Rande. 

Wirklich schmerzhaft wird es jedoch, wenn der Film versucht, den Zeitgeist einzufangen: Er versucht nicht nur eine Jugendsprache wiederzugeben, die nicht existent ist, in der sich wohl wirklich niemand unterhält, er versucht auch mehrere Internet-Formate unter einen Hut zu bringen. Als ob es nicht schon genügen würde, die Dating-Portale nicht ausreichend abzuhandeln, versucht er sich auch noch an eindimensionaler Kritik an sozialen Netzwerken, versucht auf einfachste Art und Weise zu zeigen, wie gefährlich ein Smartphone doch sein kann. Das ist leider zu keinem Zeitpunkt intelligent und ist so einfach gehalten, dass es für viele schon fast als Beleidigung verstanden werden könnte. Das Ganze ist gefangen in einem Episoden-Film, dem jeglicher roter Faden fehlt, dessen Ende sich unverständlicherweise in Luft aufzulösen scheint und dessen Humor recht stumpfsinnig daherkommt. Zusammengefasst möchte uns der Film mitteilen: Schon lustig...dieses Internet. Die einen sind grundlos Like-geil, die anderen wollen unbedingt eine Affäre und gefährlich ist Ganze auch noch. Schließlich könnte was gepostet werden. Aber daran sind sie ja selbst Schuld, die Anwendungen selbst sind ja ganz lustig. 

Fazit

"Safari - Match Me if You Can" ist unreflektiert und plakativ. Er versteht weder die (durchaus moralisch fragwürdige) Faszination hinter Dating-Portalen wie Tinder, noch bringt er Verständnis für Menschen auf, die diese Portale nutzen. Stattdessen bleibt der Zuschauer in dem Zustand eines Zoo-Besuchers, der sich daran erfreut wie die "Tiere" (als solche treten sie in der "Safari"-App auf) in ihrem Gehege auf und abgehen. Weder das Gehege, noch das Verhalten des Tieres werden hinterfragt oder verstanden. 

Autor: Maximilian Knade

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