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Inhalt

Dominika Egorova ist vieles. Eine hingebungsvolle Tochter, entschlossen ihre Mutter um jeden Preis zu beschützen. Eine Primaballerina, die ihren Körper und Geist mit eiserner Disziplin bis zum absoluten Limit gepusht hat. Eine Meisterin des verführerischen und manipulativen Kampfes. Als eine Verletzung ihrer Karriere ein Ende setzt, sehen Dominika und ihre Mutter einer trostlosen und unsicheren Zukunft entgegen. Daher lässt sie sich schnell dazu überreden, eine der neusten Rekruten der Sparrow School zu werden, einem Geheimdienst, der außergewöhnliche junge Menschen wie sie trainiert, ihren Körper und Verstand als Waffe einzusetzen. Nachdem sie den abartigen und brutalen Trainingsprozess überstanden hat, entwickelt sie sich zum gefährlichsten Sparrow, den das Programm je hervorgebracht hat. Dominika muss ihr Leben auf ihre neue machtvolle Situation abstimmen und das betrifft auch alle ihr nahestehenden Menschen, die sich durch sie in Gefahr befinden - darunter auch ein amerikanischer CIA Agent, der versucht, sie davon zu überzeugen, dass er die einzige Person ist, der sie trauen kann.
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Kritik

Teil zweier Riesenfranchises, ein Oscar und drei weitere Nominierungen und die am besten bezahlte Schauspielerin unserer Zeit. Jennifer Lawrence (Silver Linings Playbook, The Hunger Games) hatte im zarten Alter von 24 Jahren schon mehr erreicht, als bewährte und etablierte Darstellerinnen, die zweimal so alt sind. Ihr Anstieg schien nach dem Überraschungserfolg Winter’s Bone und mit ihrer Rolle als Mystique in X-Men: First Class unaufhaltbar und in den letzten paar Jahren war es schwer Jennifer Lawrence im Kino aus dem Weg zu gehen; Stimmen einer “Fatigue” wurden immer lauter im Netz. Ob dies der Grund dafür ist, weshalb Jennifer Lawrence sich bis auf ihre vertraglich-bindende Zugehörigkeit ans X-Men-Universum immer waghalsigeren und interessanteren Rollen zu widmen scheint, sei mal dahin gestellt. Grund für Freude ist es allemal. Nach der akkuratesten Verfilmung eines echten Albtraumes und dem Grund, wieso manche Leute das Kino mit PTSD verließen, mother!, kommt Jennifer Lawrence erneut mit The Hunger Games-Regisseur Francis Lawrence (I Am Legend) zusammen, um sich in eine sehr unterschiedliche, aber nicht weniger fordernde Performance zu stürzen.

Red Sparrow basiert auf dem gleichnamigen Roman des ehemaligen CIA-Agenten Jason Matthews, das von der Presse und sogar der CIA selbst für das Auge zum Detail und Loyalität zum Wahrheitsgehalt gelobt wurde. Wie viel davon es in die Verfilmung geschafft hat ist jedoch fraglich. Denn obwohl Red Sparrow mit seiner eisigen Inszenierung und nüchternen Brutalität sich schon sehr kompetent wie ein Spionagethriller präsentiert und mit einer ähnlichen Atmosphäre Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Der Doppelte Mann oder Der Gute Hirte ins Gedächtnis ruft, entpuppt sich diese Geschichte zumindest auf der Plot-Ebene mit der Darstellung des Spionagehandwerks als relativ altbacken und konventionell. Die Art und Weise, wie russische und amerikanische Spione versuchen einander mit diversem Schnickschnack auszumanövrieren, Verfolger abzuhängen oder unbemerkt Informationen von einem Spitzel zu erhalten, kennt man in dieser Form aus vielen anderen Filmen. Ob dies jetzt für diese anderen Filme und ihren Wahrheitsgehalt spricht oder gegen Red Sparrow und ihre Konvention, dürfte von zweitrangiger Bedeutung sein.

Der Plot ist definitiv der größte und eindeutigste Schwachpunkt dieses ansonsten adretten Thrillers, in dem sich mehr Lücken auftun, je länger man ihn im Hirnofen lässt. Beim Ansehen wird die Spannung bis auf eine kurze Durststrecke in der Mitte des Films recht gut aufrechterhalten, nur um am Ende zu erkennen, dass der ein oder andere Abstecher im Plot letzten Endes im Nichts endete und man sich dieses hätte sparen können. Generell gibt sich Red Sparrow mit ein paar überflüssigen Handlungspunkten/Charakteren als komplizierter aus, als es eigentlich ist. Eine letztendliche Liebesgeschichte der Protagonistin leidet an einer unzureichenden Etablierung, sowie einem Mangel an Glaubwürdigkeit und hat dementsprechend Schwierigkeiten damit beim Zuschauer die nötigen Emotionen einzufordern.

Dass Red Sparrow diese Emotionen und die Empathie jedoch dennoch dem unwilligen Zuschauer aus den kalten Fingern reißt liegt nicht an der gut geschriebenen Geschichte, die nicht da ist, sondern an einer (bzw. diversen) Folterszenen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. In diesem Aspekt hält sich Regisseur Francis Lawrence nicht zurück und lässt sich sichtlich von Nicolas Winding Refn (Drive, The Neon Demon) inspirieren, indem er seine ruhige und nüchterne Inszenierung mit enormen Gewaltspitzen bestückt. Es ist eine billige Methode den Zuschauer dazu zu zwingen sich um die Charaktere zu sorgen, das Resultat spricht jedoch durchaus für sich.

Neben den tollen darstellerischen Leistungen eines erfahrenen und vielfältigen Casts und einer beizeiten gänsehauterregend-guten Kameraarbeit (ja, so gut) ist es v.a. die Thematisierung der sexuellen und emotionalen Manipulation in der internationalen Spionage, die aus Red Sparrow mehr als nur den zigsten Agententhriller hätten machen können. Bedauerlicherweise überträgt sich die aus dieser Thematik resultierende Ambivalenz (manipuliert sie ihn oder liebt sie ihn wirklich?) nicht wirklich auf die Spannung des Films, zumal der Film nie ein Geheimnis aus den wahren Absichten der Protagonistin macht und sich doch stark in die Karten schauen lässt. Lobenswert ist es, dass gerade in der aktuellen #MeToo-Bewegung solch ein Thema aufgegriffen wird, zumal v.a. auch Problembereiche, wie der Missbrauch von Machtpositionen, miteinbezogen werden. Leider lässt Red Sparrow hier jedoch das nötige Fingerspitzengefühl vermissen. Männliche Figuren in Machtpositionen werden oft als Aggressoren sexuellen Fehlverhaltens dargestellt, wo unsere Protagonistin durch die Benutzung ihrer psychologischen Kriegsführung gewaltlos das Steuer an sich reißt, was oft in der Emaskulation des Mannes endet.

Diese metaphorische Behandlung des Themas lässt jedoch eine gehörige Portion Nuance vermissen; so einfach und schwarz-weiß ist das alles natürlich nicht. In seiner Ausführung versucht Red Sparrow schon sehr feministisch zu sein und generell haben Drehbuchautor Justin Haythe (A Cure for Wellness, Bohemian Rhapsody) und Regisseur Francis Lawrence das Herz am rechten Fleck … aber fast schon etwas schmerzlich wird klar, dass dieser Aspekt der Geschichte ungeschickt gehandhabt wurde und mit einer unagenehmen Tollpatschigkeit auffällt. Andererseits ist die Spionage eine von Männern dominierte Welt; Sex ist eine Waffe, die den männlichen Agenten nicht zur Verfügung steht und weibliche Agenten diesen Vorteil dankend annehmen; ergo ist die Welt der Spionage vielleicht kein Bereich, das eine differenzierte Auseinandersetzung mit diesem Thema zulässt. Wie dem auch sei, wird der “sexuellen Ausbildung” der Agentinnen viel Screentime gewidmet, wo die Hauptdarstellerin sich in äußerst entblößenden Szenen (ein, zwei Mal zu oft) behaupten muss. Dafür dass der Wandel des Amateurs zur Meisterspionin überraschend flott vonstattengeht schafft es Jennifer Lawrence diesen Übergang mit einer balancierten Vielschichtigkeit darzustellen.

Fazit

Mit grandioser Kameraarbeit und einem atmosphärischen Score ist "Red Sparrow" ein eiskalter und extrem schick inszenierter Spionagethriller, der in der aktuellen politischen Lage des Cold War Comebacks wieder die guten alten Russen ins antagonistische Zentrum rückt. Seltene, aber harte Gewaltspitzen können mit einer Unbarmherzigkeit beeindrucken, während der Plot an unnötigen Verkomplizierungen leidet, aber auch ansonsten wenig neues bietet, das man nicht schon in jeder Le Carré-Romanverfilmung sehen konnte. Der Versuch das Thema des sexuellen Machtmissbrauchs zu diskutieren ist lobenswert, erliegt aber letztendlich dem fehlenden Fingerspitzengefühl und der zweidimensionalen Thematisierung. Jennifer Lawrence stellt sich nach "mother!" erneut einer extrem fordernden Rolle und besteht durch eine gewisse Furchtlosigkeit auch diese mit Auszeichnung.

Autor: Kadir Güngör

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