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Romantisches und sozialkritisches Drama über interkulturelle Heirat aus dem Jahre 1967. Zugleich ist der Film der letzte Film, in dem Katherine Hepburn und Spencer Tracy gemeinsam vor der Kamera stehen - Tracy verstarb nur 17 Tage nach Ende der Dreharbeiten.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit Rat mal, wer zum Essen kommt verabschiedete sich Hollywood-Legende Spencer Tracy (Das Urteil von Nürnberg) von der großen Bühne, leider nicht in den wohlverdienten Ruhestand und für niemanden überraschend. Tracy, der aufgrund seiner massiven, gesundheitlichen Probleme seit vier Jahren nicht mehr vor der Kamera gestanden hatte, wusste bereits vor Drehbeginn, dass er nur noch wenige Wochen zu leben hatte. Trotzdem wollte der durch die gemeinsamen Arbeiten zum Freund gewordene Regisseur Stanley Kramer (Flucht in Ketten) niemand anderen für die Rolle, so dass er das enorme Risiko einging, dass sein Star den Film womöglich nicht beenden könnte, womit das gesamte Projekt unweigerlich hinfällig gewesen wäre. Den Dreh überstand Tracy, die Uraufführung erlebte er nicht mehr und verstarb kurz nach Drehende. Seine langjährige Weggefährtin Katharine Hepburn (African Queen), die hier ein letztes Mal an seiner Seite zu sehen ist, sah sich den fertigen Film – für den sie ihren zweiten von drei Oscars bekam – nie an, zu schmerzlich sei es für sie (die Tränen am Ende des Films sollen echt gewesen sein).

Rat mal, wer zum Essen kommt ist nicht nur ein Requiem für seinen Hauptdarsteller, er gilt heute als einer der wichtigsten Hollywood-Filme und wurde 2017 in das National Film Registry aufgenommen. Seine tragischen Begleitumstände mögen da ein wenig unterschwelligen Einfluss geübt haben, denn nüchtern betrachtet gibt es eindeutig bessere Filme über sein Thema, auch wenn er für seinen Entstehungszeitraum sich ungewöhnlich offensiv mit längst nicht überwundenen gesellschaftlichen und kulturellen Problematiken auseinandersetzt und – was ganz besonders wichtig ist – an Vernunft, Menschlichkeit und Toleranz appelliert, was selbstverständlich nicht weniger ist als die einzig richtige Sache. Anhand eines frisch verliebten, gemischtrassigen Pärchens – sie 23 Jahre, weiß und Tochter aus gutem Hause (Hepburn’s Nichte Katharine Houghton bei ihrem Spielfilmdebüt, dem kaum noch Film-Rollen folgen sollten), er ein 37jähriger, farbiger Arzt aus einfachen Verhältnissen (Sidney Poitier, In der Hitze der Nacht) – die sich erst vor wenigen Tagen auf Hawaii kennengelernt und schon jetzt die Hochzeit in wenigen Wochen terminiert haben. Ohne Vorankündigung schlagen sie bei ihren Eltern (Tracy & Hepburn) auf, um um ihren Segen zu bitten.

Während die lebensfrohe Joey weltfremd-naiv davon ausgeht, dass dies gar kein Problem für ihre liberalen Eltern darstellen wird, ist da John eher skeptisch. Hat er doch selbst die Hosen gestrichen voll, seinen Eltern über alle Umstände reinen Wein einzuschenken. Aus gutem Grund, wie sich bald herausstellen soll. Denn natürlich ist  im Jahr 1967 eine weiße Frau mit einem farbigen Mann immer noch ein Thema, und zwar für alle Beteiligten. Vorurteile und Intoleranz sind dabei keine Einbahnstraße von „Oben“ nach „Unten“, da tragen sowohl Weiß als auch Schwarz den gleichen gesellschaftlich gepackten Rucksack mit sich herum. Skurriler Weise ist es sogar die farbige Haushälterin der Draytons, die am meisten – zumindest am öffentlichsten – über diese Verbindung echauffiert ist („Ich halte nichts davon wenn einer von meiner Rasse zu hoch hinaus will!“). Was Stanley Kramer bei Rat mal wer zum Essen kommt definitiv treffsicher demaskiert, ist das die Rassentrennung und ethnische Zweiklassengesellschaft nicht nur nach wie vor klar existent ist, sondern dass sie inzwischen nicht mehr so einfach aus der Welt zu schaffen ist, selbst wenn dafür aus logischer Sicht nichts dagegen spricht.

Dass selbst nicht zu leugnende Sympathie und Anerkennung für den angedrohten Schwiegersohn und der oberflächlich immer wieder beteuerte Liberalismus nicht darüber hinweghelfen können, dass es da eine Barrie gibt, deren Beseitigung unmöglich scheint. Das Problem ist da, auch wenn es eigentlich nur eines ist, weil es zu einem gemacht wird. Oder besser generationenübergreifend gemacht wurde, ohne wirklich etwas dagegen zu unternehmen. Der Film schildert nicht nur deshalb auch einen Generationskonflikt, wenn sich die Eltern mit ihrer eigenen Engstirnigkeit und Voreingenommenheit ungeschönt konfrontiert sehen, von der eine neue Generation sich mit gesundem Menschenverstand befreien möchte. Nicht mehr bereit ist, sich von den Altlasten der Geschichte einschränken zu lassen. Mit seiner wichtigen und selbstbewusst vorgetragenen Botschaft weiß der Plot den Zuschauer für sich zu gewinnen, speziell da exzellent besetzt und mit teilweise sehr klugen und ehrlichen Dialogen versehen, die leere Worthülsen, zweckdienliche Klischees und unangebrachte Witzelein weitestgehend vermeiden.

Allerdings muss sich der Film auch den Vorwurf gefallen lassen, diesem tief verwurzelten und ja selbst heute immer noch durchaus vorhandenen Problem mit einem Hang zur Sentimentalität und dem ebenfalls naiven Idealismus begegnen zu wollen, dass sich Grundsätze, Weltanschauungen und lebenslange Prägungen innerhalb von wenigen Stunden überdenken oder gar gänzlich verwerfen lassen, wenn man nur gute Argumente (das beste davon: Wahre Liebe) vorzubringen hat und den Menschen an seinem Gewissen triggert. Das wäre wundervoll, ist aber total utopisch und vereinfacht das Ganze gewaltig. Etwas sehr Hollywood am Ende, aber wenn man ehrlich ist: Wäre doch schön, wenn es wirklich so sein könnte. Man möchte es glauben.

Fazit

Ein nicht fehlerfreies da letztlich etwas zu simplifiziertes und sogar leicht rührseliges Gesellschafts-Spiegelbild, dessen grundsätzlichen Standpunkte aber natürlich völlig richtig sind und das mutig genug ist, sie mit voller Inbrunst zu vertreten. Das sich gegen traditionelles Schubladendenken wie den oft verleugneten Alltags-Rassismus stellt und damit sehr verdeutlicht, wie rückständig, primitiv und menschenunwürdig sich noch vieles in einer angeblich zivilisierten, offenen Gesellschaft wirklich darstellt, wenn man plötzlich gezwungen ist, sich mit „dem Problem“ ganz persönlich auseinandersetzen zu müssen.  

Autor: Jacko Kunze

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