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"Poltergeist" erzählt die klassische Geschichte über eine Familie, deren Haus in der beschaulichen Vorstadt von dunklen Mächten heimgesucht wird. Als die Attacken der furchterregenden Erscheinungen eskalieren und die jüngste Tochter verschwindet, muss Familie Bowen zusammenhalten, um die kleine Madison zu retten, bevor sie für immer verschwindet.

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Kritik

Wieder einmal dürfen wir uns mit dem Schrecken im Kinderzimmer auseinandersetzen: Nicht nur in einer weiteren Ausformung des von James Wan leidlich initiierten „Insidious“-Franchise, Sam Raimi („Tanz der Teufel“, „Die fantastische Welt von Oz“) höchstpersönlich gibt seinen nicht unbedingt klanglosen Namen für ein „Poltergeist“-Remake her. Zwar hat es sich Sam Raimi nicht auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht, das hätte letztlich ja doch wieder einiges an Spaß versprochen, Raimi hingegen fungiert als ausführender Produzent und überlässt Gil Kenan („Monster House“) das Bedienen der inszenatorischen Hebel. Es ist müßig, die – in der Tat – unweigerliche Frage, warum es denn überhaupt zu einer „Poltergeist“-Neuauflage kommen musste, zu stellen: Der Rubel muss schließlich rollen. Viel wichtiger, und darin betoniert sich auch die Daseinsberichtigung einer solchen Neuauflage, ist die Frage, was man dem einst von Tobe Hooper („Blutgericht in Texas“) und Steven Spielberg („Jäger des verlorenen Schatzes“) so beeindruckend gehandhabten Sujet noch Neues beifügen könnte?

Ein gutes Remake begegnet seiner Vorlage mit Respekt, es wahrt ihren Geist, versteht es aber auch simultan dazu, ihr eine adäquate Modernisierung zuzugestehen. „Poltergeist“ aus dem Jahre 2015 versucht sich ebenfalls darin, er möchte nicht zu viel vom damaligen Plot verschieben, aber die Geschichte doch ganz sauber und ohne anzuecken in das Hier und Jetzt verlegen. So sind es dann eben keine urigen Röhrenfernseher mehr, in denen das Böse sein Dasein fristet, es sind schmale Flachbildschirme - während nebenbei natürlich noch das Smartphone der ältesten Tochter (Saxon Sharbino) von verzerrenden Störsignalen befallen wird. Darauf kann man sich einlassen, schließlich hätte es dann doch etwas ungemein Anachronistisches, würden sich die Menschen der Gegenwart mittels Drehscheibentelefon vermitteln. Problematisch an „Poltergeist“ ist vielmehr, dass er die höchste künstlerische Tugend einer Neuadaption missachtet und sich der ungestümen Schicklichkeit des heutigen Horror-Kinos anpasst: Wenig Zeit mit einer emotional-fundierten Charakter-Entwicklung verschwenden und möglichst schnell zum effekthascherischen Krawall kommen.

Das Drehbuch des Originals war beispielhaft dafür, wie man einen Horror- respektive Grusel-Film aufzubauen hat: Das Übersinnliche muss schleichend seine Fährte legen, anstatt in einem aufgeplusterten Jump-Scare durch die Vordertür zu brechen. Ohnehin war „Poltergeist“ von 1982 noch ein Werk, das zur Interpretation eingeladen hat, das in vielerlei Hinsicht zu deuten war: Von der schwungvollen Satire auf das sauber arrangierte Leben in den Suburbs sowie den American Way of Life, war „Poltergeist auch in der Lage, eine klare Kapitalismus- und Medienkritik zu formulieren, um darüber hinaus aber doch in einer Hinsicht das Gros der Zuschauer gleichermaßen zufriedenzustellen: Als mit beachtlicher Effektkunst ausgestattete Geisterbahnfahrt, in der sich die unbändige (Mutter-)Liebe eines solidarischen Familienkonstrukt als einzig wahrer Segen versteht und die (ambivalenten) Wesen aus der kurios rauschenden Zwischenwelt zu kontrollieren und schließlich auch zu besiegen weiß. Gil Kenans „Poltergeist“ ist ein Horrorfilm ohne Eigengeschmack, ohne Vision und auch nur dahingehend zur Ironie fähig, ein Reality-TV-Medium (Jared Harris) zum – möglichen - Heilsbringer stilisieren.

„Poltergeist“ ist in seiner Inszenierung einfach zu bieder geraten, es ist einer dieser modernen Genre-Filme, die glauben, das Stimmungsbarometer würde durch einen möglichst hohen Einsatz des wohl billigsten Stilmittel überhaupt ausschlagen: Jump Sacres. Dass das in diametraler Ausrichtung zur logischen Gesinnung des Originals steht, haben die Verantwortlichen vielleicht gewusst, aufgrund des inflationären Gebrauchs ähnlicher Streifen aber ganz vorsätzlich übergangen: Schließlich geht es auch ein Stück weit um die Sehgewohnheiten des heutigen Publikums und wie könnte man diesem schon noch zumuten, einen (nominellen) Blockbuster einer ruhigen, organischen Spannungskurve unterzuordnen (äh...). Im aseptischen Limbus, in dem sich „Poltergeist“ nun mal durchweg aufhält, ist kein Platz für Feingefühl und das Auge für eine suggestive Atmosphäre: Gil Kenan zeichnet sich nur für einen weiteren glattgebügelten Auswuchs des Remake-Wahns verantwortlich, der allerdings, so viel ist sicher, von Anfang an genau mit der medialen Beachtung in der Versenkung verschwindet, die er sich auch verdient hat.

Fazit

Der Trend verlangt es wohl so: „Poltergeist“ ist ein lustloses, in klinische Bilder gehülltes Malen-nach-Zahlen-Remake, welches sich zwar nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen und der Marschroute des Originals treu bleiben möchte, dabei aber all die Stärken, die Tobe Hooper und Steven Spielbergs einst so kunstfertig verknüpft haben, vollkommen ignoriert. Anstatt auf einen sukzessiven Spannungsaufbau zu plädieren, auf eine emotionale Grundierung der Charaktere (immerhin hatte man den großartigen Sam Rockwell!), vergeht keine viertel Stunde, bis das Chaos tobt. „Poltergeist“ ist die reinste Effekthascherei und nicht im Ansatz so vielfältig wie das famose, zur Interpretation und zum Staunen einladende Vorbild. Ein uninspiriertes, anonymes Remake zum – das hat bisher ja ohnehin sehr gut geklappt - Ignorieren.

Autor: Pascal Reis

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