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Inhalt

Martin und Rudi  treffen in einer Klinik zusammen. Beider Diagnose: baldiger Tod durch Gehirntumor bzw. Knochenkrebs. Die gegensätzlichen Typen entschließen sich, ans Meer zu fahren, weil Rudi da noch nie gewesen ist. Und weil im Himmel immer nur vom Meer geredet wird, stehlen sie ein schnelles Auto und machen sich auf den Weg. Leider handelt es sich dabei um den Wagen von Henk und Abdul, zwei nicht allzu gelungenen Gangstern, und im Kofferraum liegt eine Million, die dem Boß der beiden gehört. Martin und Rudi kennen kein Pardon und lassen sich auch von der Polizei nicht aufhalten, der sie erfolgreich vorspielen, Entführer und Geisel zu sein. So kommt es zu einer turbulenten und bleihaltigen Reise in Richtung Meer, verfolgt von Obrigkeit und Gangstern, sowie von den eigenen Gebrechen, die ihnen die Zeit stehlen...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Wie sind Sie eigentlich zur Polizei gekommen?“ - „Mit dem Bus.“

Das dramaturgische Konzept von Knockin' On Heaven's Door ist so berechnend wie effizient: Dadurch, dass die beiden Hauptakteure, Martin (Til Schweiger, Vier gegen die Bank) und Rudi (Jan Josef Liefers, Die Blumen von gestern), an einer den sicheren Tod bringenden Krankheit leiden, wird ihnen jede Schand- und Straftat auf den letzten Metern ihrer irdischen Existenz vom Drehbuch sowie vom Publikum verziehen. Das kann man als Zuschauer, der sich nicht gerne manipulieren lässt, als unangenehme emotionale Bevormundung empfinden, würde damit aber die klaren Stärken dieses ohnehin starken Regie-Debüts des ehemaligen Taxifahrers Thomas Jahn (Kai Rabe gegen die Vatikankiller) missachten. Denn wenn Knockin' On Heaven's Door etwas ist, dann ein Paradebeispiel für energiegeladenes, referenzreiches und im nächsten Schritt zitierfähiges Kino aus Deutschland.

Die Diagnose kommt für die beiden Männer im besten Alter wie ein Schlag vor den Kopf: Martin hat einen tennisballgroßen Tumor im Gehirn, Rudi ist, wie schon sein Vater, an Knochenkrebs erkrankt. In beiden Fällen erweisen sich weitere medizinische Behandlungen als sinnlos, ihre Zeit ist auf Erden ist nahezu abgelaufen. Von nun an heißt es: Jeder Tag zählt. Und das nehmen die beiden ungleichen Leidensgenossen wortwörtlich, indem sie sich auf eine Reise ans Meer begeben. Im Himmel nämlich ist man ein Außenseiter, wenn man, so wie Rudi, niemals in den Genuss dieser maritimen Erhabenheit gekommen ist. Und so beginnt ein schwungvolles Road-Movie, in dem zwei Todgeweihte mit dem gestohlenen Auto zweier Gangster-Karikaturen (hinreißend gespielt von Moritz Bleibtreu und Thierry van Werveke) die Straßen der Bundesrepublik unsicher machen.

Dass Knockin' On Heaven's Door auch noch zwanzig Jahre nach seiner Erscheinung funktioniert, obwohl er – nicht zuletzt durch seine epigonale Haltung zu Quentin Tarantino (Reservoir Dogs) – ganz und gar Kind der 1990er Jahre ist, liegt am wunderbar ausbalancierten Gefühl des Regisseurs für Stimmungen und Figuren. Wenn sich eine Hundertschaft von Polizeiwagen an die Fersen der beiden Glücksritter auf Todesmission heften, dann ist das absurd, entfaltet sich als Hommage an den Kult-Klassiker Blues Brothers aber als charmanter Gruß eines Filmliebhabers, der echte Gefühle mit popkulturellen Impulsen zu verschränken versteht. Thomas Jahn, der auch das Skript geschrieben hat, gibt sich so empathisch wie aufgedreht, er beherrscht das visuelle Erzählen (seine Vorbilder hören auf die Namen John Ford und David Lean) und gesteht seinen gut aufgelegten Protagonisten durchaus sensible Charakter-Momente zu.

Wenn das (wortwörtliche) Himmelfahrtskommando um Martin und Rudi also von Köln an die Nordsee aufbricht, Banken und Tankstellen überfällt, Polizeiuniformen entwendet und sich einen babyblauen Mercedes 230 SL-Cabrio als Fluchtfahrzeug aneignet, dann lässt Knockin' On Heaven's Door – ganz und gar Genre-Film – jenseits logischer Konstitution den Zufall aufleben. Und dort artikuliert sich Thomas Jahn voller Humor, gerne wüst, aber immer sympathisch. Wenn sich Til Schweiger, dem man in dieser Rolle den Rowdy mit gutem Herzen noch abkauft, und Jan Josef Liefers, dessen nach Leben gierende Augen von einem bisherigen Dasein in Deckung klagen, sich gegenseitig antreiben, diese Reise bis zu ihrem Bestimmungsort zu bringen, dann erklärt Knockin' On Heaven's Door auch: Die Reise ist nicht immer das Ziel. Die Reise aber ist der Grund, warum dieser schönen Geschichte über Freundschaft ein fast schon poetischer Abschluss gelingt.

Fazit

Einer der größten Filme, die das deutsche Kino der 1990er Jahre zu Tage gefördert hat. Doch auch heute noch weiß Thomas Jahns schwungvolles und zitierfreudiges Regie-Debüt durchweg zu überzeugen. Mag das dramaturgische Konzept auch durchsichtig sein, so ist "Knockin' On Heaven's Door" doch eine homogene Mischung aus Genre-Hommage und Charakter-Momenten.

Autor: Pascal Reis

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