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Der Schauspieler Hendrik Höfgen (Klaus Maria Brandauer) will nur eins: seine Traumrolle spielen, den "Mephisto" aus Goethes Faust - und zwar in der Hauptstadt. Die Heirat mit der Professorentochter Barbara (Krystyna Janda) ebnet Höfgen den Weg in die Berliner Gesellschaft der 20er Jahre. Als die Nazis an die Macht kommen und Barbara emigrieren muss, zögert der ehrgeizige Opportunist nicht lange: Er entscheidet sich gegen die Moral und für den Erfolg. Unter dem Protegé Görings (Rolf Hoppe) steigt er zum Intendanten des Staatstheaters auf. Doch der Pakt mit dem Teufel hat seinen Preis ...

Kritik

„Die Zeit ist kurz, die Kunst ist lang.“

Es erscheint nur logisch, dass Hendrik Höfgen (Klaus Maria Brandauer, Jenseits von Afrika), Protagonist von István Szabós (Oberst Redl) 1981 mit dem Auslandsoscar prämierten Werk Mephisto, in der Rolle des gleichnamigen Teufels aus Goethes Faust die Rolle seines Lebens findet. Mephistopheles, ein Verführer, der mit Faust paktiert, von Widersprüchen zerrissen ist und für viele als interessantester Charakter der Faust-Trilogie gilt. Hendrik Höfgen, der Mensch, ist im Prinzip eine Art Gegenentwurf zur Faszination des Mephistopheles: Eigentlich ohne erkennbare Ambitionen ausgestattet. Ohne Bewusstsein gegenüber sich selbst. Hier und da mögen sich gewisse Überzeugungen auftun, die dürfen sich aber schnell über den Haufen geworfen sehen, wenn Höfgen die Chance geboten wird, seiner Leidenschaft zu frönen. Die Leidenschaft, auf den Bühnen zu stehen und sich selbst auszublenden.

Und natürlich fällt es Höfgen, dessen Werdegang an dem des authentischen Gustaf Gründgens orientiert ist, ungemein leicht, sich selbst auszublenden, weil kein Ich vorhanden ist. Jedenfalls kein konturiertes Ich, sondern eine verschwommene Idee von Persönlichkeit, die nicht aufrechterhalten werden kann, weil sie schlicht und ergreifend zu verschwommen ist. Im Hamburger Volkstheater erntet Höfgen schnell Ruhm, im preußischen Staatstheater wird er zur Lichtgestalt der Theaterkultur. Mephisto ist, natürlich, auch irgendwie die Erfolgsgeschichte eines Mannes, der seine Profession und Mission nachkommt: Dem Schauspielen. Die nächste Ebene, die István Szabós forciert, ist die Frage, zu welchem Preis Höfgen Teil dieses Erfolgs werden darf. Der Nationalsozialismus nämlich fährt seine braunen Krallen aus und benötigt Symbole, die der eigenen Ideologie dienlich sind. So wie einen Künstler, der sich ohne Widerworte der faschistischen Maschinerie unterordnet.

In Hendrik Höfgen manifestiert sich die gesamte Janusköpfigkeit der Kunst: Das inspirierende und das dekonstruierende Wesen. Höfgen ist ein Genie, zweifelsohne. Die Bühne, die Publikumsreihen, der gesamte Saal wird durch ihn von einer Energie ergriffen, wie sie in dieser aufopferungsvollen Art und Weise wohl einmalig ist. Und Klaus Maria Brandauer interpretiert diesen Höfgen in einer Jahrhundertperformance, wie sie das internationale Kino nie vergessen wird. Brandauer kehrt ein undefiniertes Inneres aus seinem Charakter und kanalisiert es in der Schauspielerei. Seine Darbietung ist, wenn man so will, die Darbietung aller Darbietungen, weil sie einen Menschen konserviert, der als Privatperson kaum existiert und ausschließlich funktioniert, wenn er inszeniert wird. Wenn er in Szene gegossen wird. Wenn er nicht er selbst sein muss. Ein Niemand. Eine (Selbst-)Täuschung. Eine anonyme, geisterhafte Erscheinung.

Höfgen existiert dort, bekommt ein Gesicht dort, wo er sich voll und ganz hinter der Maske verbergen kann. Also er existiert, wenn er nicht existieren muss. Wenn er instruiert, geführt, stilisiert wird. Mephisto ist das – man kann es nicht oft genug wiederholen – berauschend gespielte Psychogramm eines Menschen, der kein Mensch sondern Kunstobjekt sein möchte. Der nur auf der Bühne funktioniert. Und dadurch bekommt der Film eine zweite, metaphorische Ebene, weil er sich mit der Figur des Höfgen auch mit dem Befinden und Strukturen Nazideutschlands auseinandersetzt: Ein Land, bestimmt von Marionetten, die ausschließlich wirken, wenn sie dirigieren werden. Dass Höfgen postuliert, nur Schauspieler und kein Politiker zu sein, ist natürlich eine tumbe Ausflucht. Wenn die Puppe dem Puppenspieler blindlings folgt, macht sie sich genauso schuldig. Selbstzerstörung, Geltungsdrang, Opportunismus. Gefangen in der Maske, selbst gegeißelt zur Anpassung.

Fazit

Der mit dem Auslandsoscar prämierte "Mephisto" ist das über alle Maße beeindruckend gespieltes Psychogramm eines Menschen, der nur existiert, wenn er auf der Bühne steht. Eines Menschen, der nur Schauspielen will, weil ihm nichts anderes liegt. Weil er keine andere Wahl hat. István Szabó inszeniert das unaufgeregt und besonnen, verschiebt seine Bilder ins Halbdunkle und überlädt sie mit grellen Lichtern, um den einzig wahren Energieherd des Films nicht aus den Augen zu verlieren: Klaus Maria Brandauer. Eine Jahrhundertperformance in einem großen Film.

Autor: Pascal Reis

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