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Eine amerikanische Reisegruppe wird bei einem Barcelona-Ausflug in eine grausame Mordserie verwickelt, bei der junge Frauen umgebracht und ihnen vorher ein Auge entfernt wird. Ein einheimischer Kommissar, der in einer Woche pensioniert wird, übernimmt die Ermittlungen.

Kritik

Was macht eigentlich einen guten Giallo aus? Das Besondere an dem Sub-Genre: Es sind nicht zwangsweise die gleichen Dinge wie bei anderen Filmen. Zu sehr hat das europäische (vorzugsweise italienische) Schlitzer-Kino seinen ganz eigenen Mikrokosmos geschaffen und eine Fangemeinde um sich geschart, die ihre Qualität-Schwerpunkte und generellen Erwartungen an ein Exemplar dieser Gattung ganz anders gewichten als sonst irgendwo. Der künstlerische Anspruch spielte lediglich bei den Ausnahmeerscheinungen eine relevante Rolle. Filme wie Blutige Seide, Profondo Rosso – Die Farbe des Todes, Don’t Torture A Duckling, Malastrana oder Das Parfüm der Dame in Schwarz stechen in ihrer inhaltlichen und/oder ästhetischen Ausrichtung ein deutliches Stück aus der breiten Masse der eigenen Genre-Oase heraus, ihre Basis bleibt jedoch identisch. Ein u.a. für solche meist soliden „Hausmannskost-Gialli“ bekannter Regisseur war Umberto Lenzi (Spasmo), dessen Arbeiten nie auf Augenhöhe mit den Vorzeigemodellen konkurrieren konnten, es vermutlich aber auch gar nicht ernsthaft versuchten.

Ein guter Lenzi-Giallo erfüllt im Idealfall seinen Zweck mit gehobenem Unterhaltungswert. Aus der Warte kann Labyrinth des Schreckens (auch als Labyrinth des roten Todes vertrieben) als äußerst gelungen angesehen werden. Eine US-amerikanische Touristengruppe wird während einer Sightseeing-Tour durch Barcelona offenbar von einem Wahnsinnigen verfolgt, der zunächst nur im Umkreis, dann auch gezielt innerhalb der Gruppe bestialische Morde an jungen Frauen durchführt, denen er bei lebendigem Leibe ein Auge entfernt. Jeder der Reisenden ist potenzielles Opfer und vermeidlicher Täter zugleich und an zwielichtigen Verdachtsmomenten mangelt es beileibe nicht. Angereichert mit allen gängigen Klischees wie der Ermittler unmittelbar vor der Rente, dem Priester mit einem womöglich dunklen Geheimnis, dem lesbischen Pärchen für die Fleischbeschau-Werte (natürlich die mit Abstand knackigsten Frauen im Rudel, is‘ klar) welches Streitigkeiten am liebsten beim eng umschlungenen Matratzen-Vollkontakt bereinigt und selbstverständlich einem ungeklärtem Verbrechen, das wahrscheinlich das entscheidende Puzzle-Teil für den aktuellen Fall darstellt.

Die Dialoge sind oft auf einfältigem Daily-Soap-Niveau und werden mit einer stoischen Ernsthaftigkeit teilweise gruselig-hölzern runtergespielt, dass Labyrinth des Schreckens im falschen Moment auch als Parodie aufgefasst werden könnte. Aber damit bedient er nun mal genau das, was das Sub-Genre über Jahre so erfolgreich und beliebt gemacht hat. Und tatsächlich ist Lenzi’s Film trotz oder zu einem gewissen Teil auch genau deshalb ziemlich unterhaltsam geworden. Es wird erfreulich wenig Zeit vergeudet beim heiter sleazigen Touri-Schlitzen. Alle paar Minuten lauert ein diesmal nicht schwarz, sondern rot vermummter Todesengel auf und reduziert die Teilnehmer wie beim Reise-nach-Jerusalem-Spiel zum schmissigen Score von Bruno Nicolai mit hoher Schlagzahl. Das Whodunnit-Karussell dreht sich dabei bis in die Schlussminuten unermüdlich, da rückt jeder auch gerne mehrfach in den Fokus, manchmal gar drei oder vier auf einmal. An Möglichkeiten werden zahlreiche geboten, die etwaigen Motive bleiben bis zum Schluss nebulös, wodurch die Spannung konstant am Leben erhalten wird.

Mit den klassischen Sinn- und Unsinnsfragen, der bizarren Täterentlarvung und einigen nun wirklich total absurden Situationen (eben wird das 4. oder 5. Opfer beerdigt, aber morgen geht es weiter zur nächsten Sehenswürdigkeiten, gebucht ist schließlich gebucht) könnte man selbstredend über-kritisch Schlittenfahren – oder man akzeptiert sie amüsiert als das, was sie sind. Der ganz normale Giallo-Wahnsinn. Der Spaß-Faktor des Films ist enorm hoch, der Fan-Service steht an erster Stelle und es gibt sogar einen Moment, in dem Lenzi doch sogar optisch begeistern kann: Die recht frühe Szene in der Geisterbahn wirkt in seinem wunderbaren Farbenspiel fast wie ein Appetizer auf das, was Dario Argento zwei Jahre später mit seinem Über-Film Suspiria über gut 100 Minuten auf Endstufe zelebrierte. Fast.

Fazit

Es muss nicht immer Blattgold drauf. Mit einfachsten, aber in ihrer Effektivität eben mehrfach erprobten Mitteln liefert Umberto Lenzi bei „Labyrinth des Schreckens“ genau das ab, was einen Giallo im Allgemeinen ausmacht. Nichts hiervon ist exklusiv oder sonderlich hochwertig, dafür zu 100% zielstrebig, konsequent und voll auf das vertrauend, was grundsätzlich beherrscht wird. Damit liegt man selten falsch.

Autor: Jacko Kunze

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