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Annie (Rose Byrne) steckt in einer langfristigen Beziehung mit Duncan (Chris O'Dowd) - einem obsessiven Fan des obskuren Rockers Tucker Crowe (Ethan Hawke). Als die Demo von Tuckers Hit-Platte von vor 25 Jahren auftaucht, führt seine Veröffentlichung zu einer lebensverändernden Begegnung mit dem Rocker.

Kritik

Verfilmungen von Nick Hornbys Romanen erfreuen sich bei den Zuschauern großer Beliebtheit, was ein Stück weit verständlich erscheint. Schließlich gelingt es ihm, charmant wirkende Charaktere durch Geschichten zu führen, die am Ende etwas Emanzipatorisches oder Befreiendes vermitteln sollen. Ob sich hinter der sympathischen Fassade etwas Wertvolles verbirgt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Zuletzt erschien A Long Way Down - sowohl der Film als auch das Buch - als Ärgernis. Der Film nimmt die Probleme, in denen sich die Charaktere befinden, nicht wirklich ernst, sondern missbraucht sie lediglich als Aufhänger für Weisheiten, die ein chinesischer Glückskeks nicht besser hätte formulieren können, und Bildern, die aus einem Werbespot für den nächsten Sommerurlaub stammen könnten. Wirklich ärgerlich ist, dass der Film seinen Charakteren ein breites Grinsen aufdrängt, wodurch sie jegliche Tiefe verlieren, und eine Ohrfeige für jeden, der tatsächlich an Depressionen und Weltschmerz leidet, darstellen. 

Juliet, Naked fällt  nicht derartig schlimm aus, leidet jedoch an ähnlichen Schwächen. Erzählt wird die Geschichte von dem Liebespaar Annie (Rose Byrne, Sieben verdammt lange Tage) und Duncan (Chris O´Dowd, Molly´s Game), deren Beziehung mit einigen Baustellen aufwartet. Die größte ist wohl Duncans passionierte Bewunderung für den Sing- und Songwriter Tucker Crowe (Ethan Hawke, Boyhood), der in den 90er-Jahren mit "Juliet" ein Album publizierte, das Duncans Leben veränderte. Danach ist der Sänger abgetaucht und von der Bildfläche verschwunden. Duncan vernachlässigt seine Beziehung zu Annie, um sich seiner Leidenschaft, die sich unter anderem im Leiten einer Fanseite ausdrückt, hinzugeben. Da ist es für Annie eine besondere Genugtuung, einen Verriss zu Tucker Crowes neu aufgekommenen Lebenszeichen "Juliet, Naked" zu schreiben. Dabei handelt es sich um ein Album, dass die Songs von "Juliet" als Akkustikversion enthält. Tucker Crowe meldet sich bei Annie bezüglich der Kritik und stimmt ihr in voller Gänze zu, zwischen den beiden beginnt sich eine Freundschaft und eine noch viel tiefer greifende Beziehung zu entwickeln. 

Diese Charakterkonstellation ergibt ein nettes Fundament mit sehr viel Potential: Zum einen kann der übertriebene Fankult diskutiert werden, dem man heute an jeder Ecke begegnet, und der nicht nur gefährlich für das Privatleben, sondern auch für die Rezeption von Kunst im Allgemeinen sein kann. Zum anderen kann sich Annie, die als Sympathieträgerin gezeichnet wird, von ihrer unglücklichen Beziehung emanzipieren und durch die Beziehung zwischen Annie und Tucker Crowe kann die Divergenz zwischen dem Privaten und Öffentlichen besprochen werden, die ebenfalls vermehrt verloren geht. So ist es doch ziemlich interessant, dass sich Annie und Tucker Crowe annähern, obwohl und gerade weil diese anfangs nicht viel von seiner Musik zu halten scheint. Leider baut Juliet, Naked auf diesem Fundament nur ein sehr lückenhaftes Haus, was vor allem an der dünnen und plakativen Charakterzeichnung liegt. Duncan und Crowe sind typische Kindsköpfe, die trotzdem etwas Passioniertes und Leidenschaftliches an sich haben, während Annie die Vernünftige im Gespann darstellen soll, die davon abgesehen weder Passion noch Leidenschaft hat. 

Wir sollen mit Annie mitfühlen und sie soll sich endlich emanzipieren, was alleine dadurch nicht möglich ist, dass neben der Vernunft alle positiven Eigenschaften, alles Charismatische, den Männern zugeschrieben wird. Duncan und Tucker Crowe brennen für etwas, während Annie natürlich die ist, die zwischen beiden hin- und hergerissen ist, die sich in den Rockstar verliebt und einem leid tut, die jedoch nie wirklich etwas Kraftvolles oder Schöpferisches an sich hat. Doch auch Duncan und Tucker Crowe, die abgesehen von ihrer Passioniertheit als Nebencharaktere zu der wirklichen Protagonistin Annie gezeichnet werden, wirken oftmals klischeehaft. So ist es meist nicht möglich clevere Zwischentöne bei der Betrachtung des Fantums zu treffen, noch bei der Verhärtung der Grenzen zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen. Juliet, Naked schleppt sich so dahin, aber tut das immerhin auf teils charmante, kurzweilige und vor allem bezüglich der Haltung nicht so ärgerliche Art und Weise, wie das noch bei A Long Way Down der Fall war. 

Fazit

"Juliet, Naked" ist angenehm anzusehen und interessant konstruiert, weiß jedoch mit seinem Potential nichts anzufangen, als so vor sich hinzuplätschern. Er weiß keines seiner Themen zu Genüge aufzuarbeiten, und wirkt in seiner Charakterzeichnung zu dünn, plakativ und bezüglich der Geschlechterrollen zu klischeehaft. 

Autor: Maximilian Knade

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