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Der Traum von einem freien und sorglosen neuen Leben in New Mexico währt für Jane nur kurz. Sieben Jahre nachdem sie mit ihrem Mann Bill "Ham" Hammond aus den Fängen der ruchlosen Verbrecherbande der "Bishop Boys" floh und eine Familie fernab der Zivilisation gründete, holen die alten Dämonen sie wieder ein. Die gefürchtete Bande rund um ihren brutalen Anführer John Bishop hat das Paar aufgespürt und sinnt auf Vergeltung, denn Ham war einst selbst einer von ihnen. Doch Jane ist fest entschlossen, ihr neues Leben und ihre Tochter mit allen Mitteln zu verteidigen und mit den "Bishop Boys" abzurechnen. Nachdem Ham von der Bande gefasst wurde und mit acht Kugeln im Rücken schwerverletzt um sein Leben ringt, bleibt Jane nur eine Wahl: Sie ruft ihren einstigen Verlobten Dan Frost zu Hilfe - wohlwissend, dass ihre gemeinsame Vergangenheit zwischen ihnen steht. Zusammen wappnen sie sich auf der Ranch für den großen Showdown...
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Kritik

Wenn man von Produktionsproblemen, Darsteller- und Crewverlusten die Qualität eines Films ableiten möchte, steht der Western "Jane Got a Gun" mit Natalie Portman ("Black Swan") in der Hauptrolle wirklich nicht unter einem besonders guten Stern. Nicht nur musste die Produktion des Films immer wieder starke Rückschläge hinnehmen, auch Darsteller wie Bradley Cooper ("Joy"), Michael Fassbender ("X-Men: Apocalypse") und sogar Regisseurin Lynne Ramsay ("We need to talk about Kevin") warfen irgendwann das Handtuch und mussten mühselig ersetzte werden. Dabei las sich die Story des Westerns in ihrem gewohnten Rahmen doch relativ frisch und interessant: Eine knallharte Frau im wilden Westen auf sich allein gestellt, die den Fängen eines finsteren Schurken entflieht und sich bereit macht mit allem was sie hat den eigenen Mann und Hof zu beschützen. Am Ende steht allerdings die Ernüchterung: "Jane Got a Gun" ist weder ein wirklich feministischer, noch narrativ runder oder frischer Western. Ganz so tief wie die Produktionsprobleme es befürchten lassen, sinkt der Film im Endeffekt zwar nicht, mehr als netter Durchschnitt mit immens verschwendetem Potenzial ist hier aber auch nicht gegeben.

Sollte man dieses Silvester also einen großen Bogen um "Jane Got a Gun" machen? Nicht unbedingt. Zählt man sich selbst zu den Verehrern des rauen Westerns, kommt man hier durchaus auf seine Kosten. Wenn auch mit gedämpften Erwartungen. Hervorheben sollte man auf jeden Fall die Inszenierung von Gavin O'Connor ("Warrior"), der nach dem Ausstieg (Rausschmiss?) von Lynne Ramsay bereitwillig einsprang. Zwar könnte man argumentieren, dass der Film unter der Hand von Ramsay in mancher Hinsicht einfallsreicher und kreativer geworden wäre, O'Conner macht seinen Job aber insgesamt gut, fängt die karge und staubige Atmosphäre des Westens gelungen ein und überzeugt mit ein paar wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Auch an der restlichen Produktion kann man relativ wenig herummeckern: Die Sets wirken immersiv, die Kostüme schwer und kratzig und jeder Pistolenschuss frisst sich aufgrund der guten Soundkullisse ordentlich ins Mark des Zuschauers.

Und dennoch bleibt "Jane Got a Gun" durchgängig ein Film der Marke "Was wäre wenn?" Was wäre, wenn Lynne Ramsay nicht abgesprungen wäre? Was wäre, wenn der Film nicht so viele Rückschläge hätte erleiden müssen? Potenzial zum großen Westernhit mit feminsitischer Note wäre hier nämlich durchaus drinnen gewesen, nur wird es im fertigen Film nicht genutzt. Stattdessen wird lieber auf Nummer sicher gegangen: Die Story wirkt altbekannt und mangelt an echten Überraschungen, die Schauspieler spielen ihre Sache nach Schema-F herunter, strengen sich demnach auch nicht besonders an und das Finale kommt zwar explosiv, aber insgesamt emotional distanziert daher. So wie der gesamte Film: Die Emotionen, die hier durchaus von Bedeutung sind, verkommen größtenteils zu Zweckmitteln und wirken selten echt und mitreißend. So bleibt "Jane Got a Gun" ein Film der hübschen Oberfläche, der sich immer wieder an nötiger Tiefe versucht, diese aber durch übermäßig kitschige Flashbacks und erzählerische Holprigkeiten nur ungenügend auf den Zuschauer überträgt. 

Das enttäuschendste an "Jane got a Gun" ist aber vermutlich Natalie Portmans Figur der Jane. Noch als starker Frauencharakter vorgestellt, wird sie im Laufe der Zeit irgendwann von Joel Edgertons (der übrigens auch am Drehbich beteiligt war) Figur des Dan Frost total verdrängt. Am Ende hängt sich Jane dann doch wieder nur an einen Mann, der ihr aus der Patsche hilft. Sonderlich frisch oder gar innovativ ist das nie. Immerhin stimmt die Chemie zwischen den beiden Darstellern. "Jane Got a Gun" enttäuscht somit auf fast allen Ebenen, denkt man an die großen Ankündigungen und Versprechen. Aber schiebt man dieses ungenutzte, fast ignorierte Potenzial mal an die Seite, wäre es unfair den Film einfach zu verteufeln. Die positiven Aspekte des Films blitzen nämlich immer wieder auf, sei es beim guten Pacing (mit circa 98 Minuten entstehen immerhin keine unnötigen Längen) oder der netten Action und Atmosphäre. Ein "Was wäre Wenn" bleibt bei "Jane Got a Gun" also stets penetrant im Hintergrund, bei all den vorangegangenen Produktionsproblemen hätte dieses filmische Tohuwabohu aber durchaus ein noch größerer Reinfall werden können.

Fazit

Ein Film, der auf allen emotionalen Ebenen enttäuscht und dennoch nicht vollkommen unbefriedigt entlässt. "Jane Got a Gun" hätte durchaus das Potenzial zum frischen und mitreißenden Westernhit mit feministischer Note gehabt, am Ende werden diese positiven Ansätze aber allesamt durch narrative Holprigkeiten und charakterliche Oberflächlichkeiten an die Seite gedrängt. So bekommen Fans einen unterhaltsamen und inszenatorisch ansprechenden Western für Zwischendurch, der mit einem gutem Pacing und einer immersiven Westernatmosphäre immerhin ein wenig über den faden Beigeschmack des ungenutzten Potenzials hinwegtäuschen kann.

Autor: Thomas Söcker

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