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Inhalt

Das Leben des idealistischen Strafverteidigers Roman Israel wird auf den Kopf gestellt, als sein Mentor, eine Bürgerrechts-Ikone, stirbt. Als er von einem Unternehmen angestellt wird, das ein ehemaliger Student des legendären Mentors leitet - der ambitionierte Anwalt George Pierce - schließt Roman Freundschaft mit einer jungen Verfechterin für Gleichberechtigung. Eine Reihe turbulenter Ereignisse sind die Folge, die den Aktivismus, der Romans bisherige Karriere geprägt hat, auf die Probe stellt.
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Kritik

Zeugin der Anklage, JFK – Tatort Dallas, Philadelphia oder Die Jury. Dass der Alltag eines Anwaltes – besonders in den USA – schwerer Tobak ist, hat das Publikum mittlerweile schon etliche Male auf der großen Leinwand miterleben dürfen. In ihrer Darstellung werden sie oftmals als derart gerissene und habgierige Persönlichkeiten skizziert, dass selbst Jimmy McGill in Better Call Saul seine bissigen Anwaltswitze klopft. In dem oscarnominiertem Kriminalfilm Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheitund nichts als die Wahrheit wendet sich Regisseur und Drehbuchautor Dan Gilroy (Nightcrawler) von diesem oberflächlichem Bild ab und versucht mit Denzel Washington (Training Day) als titelgebender Aktivist und Strafverteidiger einen Gegenentwurf zu diesem Klischee zu liefern. Das Resultat ist ein zweistündiges Abbild eines Mannes, der als Jurist zwar einen exorbitanten Wissensvorrat auf Abruf hat, seine zwischenmenschliche Kompetenz dafür jedoch auf der Strecke geblieben ist.

Gestraft mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung kämpft sich Roman jeden Tag durch den Papierkrieg, der auf seinem Schreibtisch herrscht und erinnert mit seiner skurrilen Art und seinem zwanghaften Verhalten an Burschen wie Monk und andere sonderbare Knaben mit – im Ausgleich dazu – überragenden mentalen Fähigkeiten. Mit seiner Inselbegabung arbeitet Roman in der Zwei-Mann-Kanzlei zusammen mit seinem Mentor William Jackson. Als dieser jedoch verstirbt, wird dem Zuschauer nicht nur klar welch rüde Umbarmherzigkeit für Roman wesenhaft ist, sondern auch, dass ein für karitative Situationen unzurechnungsfähiger Mann nun die Verantwortungen für genau solche Situationen übernehmen muss. Gerichtsauftritte, denen er aufgrund seiner Störung derweil verwehrt blieb, affrontieren die Mentalität und das überaus empfindliche Sensorium dieses Mannes. Man entledigt sich dem eigentlichen Wesen eines Gerichtsdramas und fokussiert sich stattdessen auf die Sonderbarkeit des Protagonisten.  Diese collagiert sich allerdings schon aus den ersten Szenen des Film, wodurch die Charakterentwicklung Romans sich in Szene um Szene revolviert und Gilroy hier im Hinblick auf die Narration auf der Stelle tritt. 

Und trotz der Tatsache, dass Denzel Washington den verschrobenen Anwalt mit all seinen befremdlichen Facetten hervorragend porträtiert, hadert es nach dem ersten Drittel aus einem weiteren Grund enorm an dem Ausbau einer interessanten Handlung und auch der Hauptfigur. Denn man richtet die Aufmerksamkeit nicht nur zu sehr auf die spezielle Art Romans und verliert sich in dieser, sondern verweigert dem Publikum mit der defaitistischen Emballage der Figur und dem inneren Konflikt zwischen ehrlicher Aktivist und unehrenhafter Anwalt – der durch eine verwerfliche Moralentscheidung Romans entsteht – jegliche Anknüpfungspunkte, um mit der Figur zu sympathisieren oder überhaupt eine Form von Empathie zu empfinden. Man liebt ihn nicht, man hasst ihn nicht. Roman J. Israel bleibt dem Zuschauer einfach nur absolut gleichgültig. Da hat der konträre Konnex aus Sympathie und Missbilligung zu dem wesentlich unsympatischeren Protagonisten aus Nightcrawler noch um einiges besser funktioniert. Der Film stößt sich an dieser Stelle zudem zu stark an dem Gegensatz von Wahrheit und Unwahrheit und trägt eine viel zu dicke Moralbeule davon. Vor allem, da der deutsche Titel die Auflösung der moralischen Bredouille schon vorweg nimmt.

Inszeniert wird bei dem kauzigen Crime-Flick dabei mehr, als das von Dan Gilroy geschriebene Drehbuch hergibt. Wenn Roman beispielsweise telefoniert und ihn eine pompöse Kameraeinstellung umkreist, wirkt dieses Telefonat wie eine in Pathos getränkte Braveheart-Rede von Mel Gibson, mit dem Unterschied, dass die Dialoge in Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit wenig für die Rechtfertigung solch einer Inszenierung hergeben. Oder auch beim Verfassen eines Geständnisses, welches nicht nur extrem vorhersehbar ist, sondern auch für die Eröffnungssequenz ungünstig genutzt wird, untermalt ein atemberaubender Choral seine ordinäre Machenschaft und lässt den Eindruck erwecken, dass der Mann gerade ein Manifest abtippt, das die Welt verändern wird. Auch wenn Roman diese Absicht von Beginn des Films mit sich trägt, so erscheinen diese überinszenierten Momente gorbschlächtig und nagen an der Glaubwürdigkeit und der Autorität, die der Film versucht aufrecht zu erhalten.

Fazit

Mit "Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" liefert Dan Gilroy einen genuinen Hybris seiner eigenen Fähigkeit als Regisseur und Drehbuchautor. Tief im Kern schlummert in diesem Streifen ein Fundament für einen guten Film, doch leider wird Gilroys zweite Regiearbeit der Mangel an Apperzeption zum Verhängnis. "Roman J. Israel, Esq. - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" ist letztendlich ein wohlfeiler Film, der die umtriebige Performance eines oscarnominierten Denzel Washington haushoch verspielt. 

Autor: Oliver Koch

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