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Das elternlose Stadtkind Ricky wird zu einer Pflegefamilie gebracht und lernt dort die liebevolle Bella und den knurrigen Hec als seine neue Ziehfamilie kennen. Durch einen plötzlichen Todesfall soll Ricky jedoch abermals in eine neue Ziehfamilie abgeschoben wird. Um das zu verhindern, fliehen der Junge und sein Onkel in die Wildnis. Ihr Verschwinden hat allerdings weitreichende Konsequenzen, denn eine landesweite Fahndung wird nun in die Wege geleitet, um die beiden Flüchtigen wiederzufinden. Ricky und Hec müssen daraufhin ihre Streitigkeiten beilegen und versuchen, ihre kleine Familie am Leben zu halten.

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Kritik

Dem amerikanischen Independent-Kino geht es gut. Zumindest dann, wenn man sich ausschließlich auf die Einspielergebnisse an den Kinokassen und das Lob einiger ausgewählter Kritiker verlässt. Abseits davon verliert es jedoch zusehends an Bedeutung. Hat es vormals noch als radikaler Gegenentwurf zum Studiosystem Hollywoods funktioniert, so bewegt es sich unlängst selbst in der Kanonisierung der eigentlichen Gegenbewegung. Aus der ursprünglich kreativen Eigendynamik ist mittlerweile eine uniforme Nonkonformität erwachsen, die ihre Filme ähnlich kategorisiert wie das ach so böse Studiosystem. Das Mekka des Indie-Films (Sundance) ist dabei selbst zu einer kommerziellen Marke geworden und jährlich feiern sich die immer gleichen Filme für ihre Andersartigkeit und ihren Mut. Dabei bekommt man meistens nicht mehr als gefälliges Wohlfühlkino mit sonnendurchfluteter Optik, das ein Gefühl von Echtheit suggerieren will. Taika Waititi (5 Zimmer Küche Sarg) platziert sein neuestes Werk inmitten dieses Epizentrums und macht dabei doch einiges anders.

Hunt for the Wilderpeople gibt sich den Strukturen dieses Indie-Kinos vollends hin, so stoisch und perfekt, dass es sich dabei fast nur um eine Parodie handeln kann. Immer wieder sucht er die ikonischen Bilder, die uns Zuschauer schon längst zum Hals heraushängen. Angefangen bei sonnendurchfluteten Waldwipfeln, über Figuren, die ihre Eigenständigkeit feiern und die Natürlichkeit des Lebens im Einklang mit der Natur ausleben, bin hin zur allgegenwärtigen Bedrohung durch etablierte Organisationen. Waititi bemüht die Ikonografie des gegenwärtigen Independent-Films so angestrengt und allgegenwärtig, dass man die Zynik und den Spott, der darunter schlummert, fast schon mit den Händen greifen kann. Aufgelöst wird diese Parodie freilich nie, schließlich wäre das auch zu einfach. Vielmehr ist Hunt for the Wilderpeople ein Film, der diese Klischees systematisch von innen zersetzt, dadurch allein bereits an Bedeutung gewinnt und gegen Ende auch keines größeren Aufschreis bedarf.

Verknüpft wird diese Kritik mit jeder Menge kreativem Humor. Die Tradition visueller Komik, die neben Waititi heutzutage kaum noch jemand wirklich pflegt (Edgar Wright wäre einer von ihnen), durchzieht den kompletten Film und generiert immer wieder Lacher. Sei es durch schnelle Schnitte, übertriebene Close Ups oder andere technische Spielereien. Durchgehend hat man als Zuschauer das Gefühl als wüsste Waititi sehr genau um die Wirkung seiner Bilder, als könnte er jede noch so alltägliche Situation auf rein formaler Ebene bereits in wahre Komik verwandeln. Auch die Verarbeitung von popkulturellen Themen nutzt er unfassbar intelligent, wenn er beispielsweise die Verantwortliche des Jugendamts zum personifizierten Bösen hochstilisiert und ihre Ankunft mit dem Helikopter genauso inszeniert wie das erste Auftreten von Darth Vader in Krieg der Sterne. Ausgesprochen wird dabei nichts, denn zum bloßen Namedropping lässt sich der Film nur selten hinreißen. Bemerkenswert ist jedoch auch die Tatsache wie ernst und erwachsen er die Gefühle der beiden Protagonisten thematisiert und so nie in Ebenen ders reinen Klamauks abdriftet.

Und wie geht es nun mit Taika Waititi weiter? Der geht erwartungsgemäß den nächsten Schritt und heuert beim größten Franchise der Kinogeschichte an. Mit Thor: Ragnarok wird er einen Teil des MCU entwerfen und allein diese Verpflichtung beweist abermals wie ähnlich sich Mainstream und Indie-Film mittlerweile geworden sind. Damit wagt er aber auch den größtmöglichen Sprung, schließlich drehten sich seine bisherigen Filme immer um soziale Außenseiter, um Personen, die in ihrer Andersartigkeit keinen Platz in der Gesellschaft finden können oder wollen. Marvel indes ist so fest im Zentrum der Popkultur verankert, dass die Kluft kaum größer sein könnte. Angesichts des immensen Studiodrucks kann man sich kaum vorstellen, dass Waititi sich auch nur ein Stück seines Stils und seiner künstlerischen Vision erhalten kann. Vielleicht gelingt ihm jedoch ein Wunder und er schafft es das Superheldenkino von innen heraus zu zersetzen, ganz ähnlich wie ihm das durch Hunt for the Wilderpeople auch mit dem Independent-Film geglückt ist.

Fazit

Mit „Hunt for the Wilderpeople“ ist Regisseur Taika Waititi abermals eine intelligente Komödie geglückt, die sich abseits vom Genrestandart in erster Linie durch visuelle Komik artikuliert und bei allem Klamauk der emotionalen Bindung des Zweiergespanns im Zentrum der Geschichte trotzdem mit angemessenem Ernst begegnet. So unterläuft der Regisseur nicht nur unterschwellig die Strukturen des amerikanischen Indie-Kinos, sondern denkt auch einige Aspekte der gegenwärtigen Filmkomödie um. Eine angenehme Abwechslung, die nur sehr selten den falschen Weg einschlägt.

Autor: Dominic Hochholzer

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