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Jedes Jahr unternimmt Hannes mit seiner Frau Kiki und den besten Freunden eine Radtour. Und jedes Jahr darf ein anderer aus der Gruppe entscheiden, wohin die Reise geht. Dieses Mal ist Hannes an der Reihe... und sucht sich ausgerechnet Belgien aus. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, doch schnell überwiegt die Vorfreude auf die gemeinsame Reise und die Aussicht auf verrückte Späße und Albernheiten. Erst unterwegs erfahren die Freunde den wahren Grund für das ungewöhnliche Reiseziel: Hannes leidet an einer unheilbaren Nervenkrankheit und will nach Belgien, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen - es soll seine letzte Reise sein! Die Gruppe reagiert zunächst geschockt und hilflos, doch dann beginnt eine wilde, einzigartige Tour, denn Hannes' Entscheidung zeigt den Freunden erst, wie kostbar das Leben wirklich ist. Mit einer Liste von Dingen, die noch erlebt werden wollen, und dem Gefühl, nichts mehr verlieren zu können, feiern sie das Leben wie nie zuvor...
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Kritik

Soll man einen Film nun für seinen Versuch loben oder hat er sich dann doch eher den Verriss verdient, weil er in seinem Vorhaben gescheitert ist? Früher im Sportunterricht hat man sich als Lehrkraft noch aus dieser Bredouille winden können, in dem man generös wie eh und je mit einer Teilnehmerurkunde um die Ecke geschlichen gekommen ist – Die absolute Demütigung, wenn die Kumpels im Kreise dagegen mit ihrer Ehrenurkunde durch die Luft wedeln durften. In der Kritik aber gibt es solche müden Ausflüchte zum Glück nimmt, aber auch hier wird zu viel mit einem erhobenen Daumen durchgewunken, was sich eigentlich einem angemessenen Maß an Tadel ausgesetzt sehen sollte. Christian Zübert („Dreiviertelmond“) und seine Tragikomödie „Hin und weg“ zum Beispiel muss sich zu dieser Fraktion zählen lassen, wurde der vorab doch von einigen Seiten als „Achterbahnfahrt der Gefühle“ beschrieben, offenbart „Hin und weg“ letzten Endes aber ein Problem, welches sich seit jeher durch die massen- und umsatzorientierte Filmkultur zieht.

Egal ob „Vincent will meer“, „Honig im Kopf“ oder nun „Hin und weg“: Alle sind sie Filme, die sich damit brüsten, ernste Themen von immenser Aktualität – ob nun Tourette-Syndrom, Demenz oder Sterbehilfe - nach bestem Gewissen (oder größtmöglicher, kommerzialisierter Fadenscheinigkeit?) anzugehen. Ihnen aber gelingt nicht der Blick unter die Oberfläche, der Vorstoß, der den Zuschauer fordert oder auch überfordert, sondern immerzu eine Light-Version dessen, was hier womöglich im Fokus stehen könnte. „Hin und weg“ verhält sich zu Anfang gar so, als würde er das ALS-Leiden von Hannes (Florian David Fitz, „Jesus liebt mich“) nur als reinen Plot Point definieren, um ein ulkiges Road-Movie mit melancholischem Beigeschmack zu präsentieren. Hannes nämlich möchte, zusammen mit Lebensgefährtin Kiki (Julia Koschitz, „Shoppen“) und seinen vier Freunden Finn (Volker Bruch, „Unsere Mütter, Unsere Väter“), Michael (Jürgen Vogel, „Stereo“), Dominik (Johannes Allmayer, „Männerherzen“) und Mareike (Victoria Mayer, „Die Wolke“) nach Belgien radeln.

Diese Radtouren sind ritualisierte Tradition, dieses Mal wird der sich über 500 Kilometer erstreckende Ausflug allerdings von einer dunklen Wolke überdeckt: Hannes, der körperlich langsam abbaut, gesteht seine wahre Intention, denn bevor er an einen Rollstuhl gefesselt und rund um die Uhr auf Hilfe von Pflegern angewiesen ist, wählt er den Freitod, der ihm in Belgien gewährleistet wird. Ein Schock für die Clique, selbstverständlich, aber nach kurzer Phase der Bedrücktheit kein Grund, den Kopf hängen zu lassen, denn vor allem Hannes besteht darauf, die Tour nicht um Trauerzug verkommen zu lassen, sondern „noch einmal so richtig die Kacke zu hauen“. Gut und schön, „Hin und weg“ vergisst aber, dass man derlei Tatsachen nicht auch prinzipiell einhalten kann, nur weil man sie sich und seinen Mitmenschen wie ein Dogma auflegt. Die Verleugnen, die Wut und die Angst, die Verzweiflung und letztlich auch die Akzeptanz, all die intrinsischen Konflikte sind episodisch auf den genau bemessenen Weg (der übrigens das Ziel ist, boeing!) angepasst.

Das emotionale Erpressen synchronisiert sich also mit der hinter sich gebrachten Entfernung und das Unverständnis gegenüber Hannes' Schicksal bricht immer dann durch, quasi auf Nachruf, wenn vorher irgendetwas Ulkiges, Irres oder einfach nur totaaaal Schönes passiert ist: Zum Beispiel Jürgen Vogel als Frau verkleidet in einer Provinzdisco, oder ein Ausflug in den Swingerclub, wo sich Johannes Allmayer und Victoria Mayer den ehelichen Stress von der Seele pimpern lassen. Dass das alles zu einem Spielchen gehört, welches die Gruppe seit Jahren so durchzieht, tut nichts zur Sache, entlarvt sich der Film in seinem mechanischen Wechselspiel aus kalkulierter Komik und duseliger Tragik doch bereits nach wenigen Minuten selbst als tränenzieherische Verharmlosung einer gewichtigen Sujets. Der tiefschürfende Ethik-Diskurs jedenfalls fällt unter den Tisch, viel lieber zeigt uns „Hin und weg“ einen romantischen Tanz im Sommerregen, den letzten Besuch am Meer und den majestätischen Sonnenuntergang. Sterben als Happening, irgendwie zynisch..

Fazit

„Hin und weg“ hat das Glück, einige gut aufgelegte Darsteller in seinen Reihen zu wissen, die den Film davor bewahren, mit voller Wucht vor die Wand zu krachen. So bleibt ein Film, der letztlich zwar nur das Richtige wollte, die kontroverse Thematik aber mit den falschen Mitteln behandelt und schnell als mechanischer Tränenzieher entlarvt werden kann. Besser gelungen als die ganzen Til Schweiger- und Matthias Schweigerhöfer-Debakel ist Christian Züberts Tragikomödie aber definitiv, auch deswegen, weil er in seiner Kalkulierbarkeit nicht ganz so penetrant auf den Zuschauer einwirkt.

Autor: Pascal Reis

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