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In den Heilstätten, einem düsteren Ort in der Nähe von Berlin, will eine Gruppe von Youtubern die härteste Challenge aller Zeiten erleben. Die Geschichte der Heilstätten ist voller Grauen und Brutalität und noch heute halten sich Berichte um paranormale Aktivitäten an diesem Ort. Ausgerüstet mit Nachtsicht- und Wärmekameras wollen die Youtuber den Gerüchten nachgehen. Sie bekommen schnell zu spüren, dass man in diesen angsteinflößenden Ruinen sein Glück besser nicht herausfordert. Doch als sie aussteigen wollen, bemerken sie, dass es dafür längst zu spät ist...

Kritik

Die Entwicklung von YouTube in Deutschland ist beachtenswert wie auch gruselig zugleich, weshalb sie sich gar nicht schlecht in einem Horrorfilm macht. Von Hobbyfilmern mit schlechter Kameraqualität und schlecht inszenierten Home- Videos hin zur TV-Qualität. Die Inhalte haben sich dabei in der Regel gar nicht mal so stark verändert. Natürlich gibt es mittlerweile einige Kanäle, die sich der Wissenserweiterung oder z.B. der Aufklärung von Jugendlichen verschrieben haben, aber in der Regel geht es noch immer um Lifestyle, Beauty- Tipps und Pranks. Nur gibt es einen feinen Unterschied, dessen man sich schnell bewusst wird, wenn man sich die neueren Videos genauer anschaut. Aus YouTube ist ein Geschäft wie jedes andere geworden, mit Werbepartnern, mit Product Placement und allem was dazu gehört. Die meisten erstellen keinen YouTube-Kanal mehr, um ihre Gedanken zu teilen, sondern um Abos zu generieren.  

Den Streit darum, inwiefern das verwerflich sei, kann man fast täglich in den Kommentaren auf YouTube beobachten. Die einen meinen, YouTuber seien Dienstleister wie jeder andere und solange sie einen guten Job machen, sei es für sie in Ordnung und die anderen meinen wiederum, dass sie ihre Authentizität verloren haben und damit nicht mehr zur Grundkonzeption von YouTube passen. Heilstätten, der sich zu dem Thema kein Urteil erlaubt, macht etwas sehr Intelligentes: Er steckt Personen, die gar nicht stereotypischer in das YouTube- Game hineinpassen könnten, in ein klassisches Horrorszenarium. Der Found- Footage-Look, der nach dem Erfolg von The Blair Witch Project und Paranormal Activity schamlos ausgeschlachtet wurde, ergibt endlich wieder einen Sinn. Die Perversität, dass YouTuber teils ihre Kamera überall hinrichten, wird dadurch im Extremsten deutlich. Während es uns in anderen Filmen dieser Art oft verwundert, warum die Protagonisten ihre Kamera in brenzligen Situationen nicht weglegen, erscheint es hier logisch.

Heilstätten ist leider kein besonders guter Horrorfilm geworden, dafür in manchen Teilen aber eine sehr überzeugende Parodie. Die Atmosphäre des Hauses wird ästhetisch nicht gut eingefangen, es wird weder inhaltlich noch visuell komplex mit den Urängsten des Menschen gearbeitet, stattdessen wird die Aufgesetztheit mancher YouTuber als das eigentlich Gruselige parodiert und der Found-Foootage- Look wirkt teilst sogar ironisch. Michael David Pate, der zuletzt stark in der Kritik für Kartoffelsalat- Nicht Fragen! stand, versteht es interessanterweise viel besser als in seinem letzten Film, die Essenz von YouTube in einem Punkt zu manifestieren. Leider geht Pate aber darüber nicht hinaus, arbeitet die pauschal gefasste Essenz zwar gelungen auf, fasst sie jedoch nicht zu einer Kritik oder einem Urteil zusammen. Daher wirkt eine inhaltlich sehr interessante Ausgangslage zum Ende hin sehr unbefriedigend und auch belanglos.

Dass der Film seine Kritik, die er die ganze Zeit ankündigt, aber nie ausspricht, nicht vollends entfalten kann, offenbart sich schon wenn man sich die Besetzung ansieht. Da tauchen schon innerhalb der ersten Minuten Freshtorge (Bruder vor Luder) und Nilam Farooq (Verpiss Dich, Schneewittchen), zwei sehr erfolgreiche YouTuber, auf. Schon dort kann man sich sicher sein, dass der Film es mit seinen kritischen Ansätzen nicht wirklich ernst meinen kann, dass er es nur auf ein paar harmlose Witzchen abzielt. Besonders schade ist das deshalb, weil der Film noch viel mehr Ähnlichkeiten zu The Blair Witch Project hat als nur der Look und ein paar visuelle Zitate. In dem Kultfilm sieht man vor der Kamera den menschlichen Verfall, wie der Mensch langsam in seine puristische und instinktive Haltung zurückkehrt und nur noch von der Angst beherrscht wird. Ähnliches sehen wir hier auch, mit der Ausnahme, dass der Drang nach Aufmerksamkeit nie endet: Die Show muss immer weiter gehen.

In dieser auch eindeutig bewussten Analogie befindet sich ein ungemeines inhaltliches Potential und die letzten Minuten versprechen auch das aufzuarbeiten. Stattdessen verliert sich der Film jedoch in unzähligen Twists, die nicht nur sehr konstruiert wirken, sondern schlicht und ergreifend unlogisch. In diesen letzten Minuten steigt dann die Enttäuschung, wenn man realisiert, dass das eigene auch bewusst erschaffene Potential gar nicht wahrgenommen wurde, sondern für ein paar Witzchen und schlechten Twists missbraucht wurde. Das können auch ein paar ästhetisch geschickte Ideen, die sich rundum das YouTube-Thema drehen, nicht mehr aufwerten. Das Potential für einen gelungenen Horrorfilm war nicht zwingend vorhanden, aber das für eine gelungene Gesellschaftsstudie und eine haarscharfe Kritik in Form einer Parodie.

Fazit

Es macht durchaus Sinn, sich „Heilstätten“ anzusehen. Der Film ist sehr interessant, ambitioniert und trägt ein ungemeines Potential für eine gelungene und bissige Parodie auf aktuelle Entwicklungen auf der Plattform YouTube in sich. Dennoch scheitert er trotz intelligenter Verbindungen an seiner inhaltlichen Belanglosigkeit, seiner teils unlogischen Konstruktion und einer mangelnden Ernsthaftigkeit in der Intention.

Autor: Maximilian Knade

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