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Inhalt

Kazuya ist ein armer Kerl, der die Leichenreste aus den Wohnungen in einem Armutsviertel kratzen muss. Als er sich mit den selbsternannten Herrschern über das Viertel anlegt, eskaliert die Situation. Alsbald tauchen verfeindete Banden und fies entstellte Monster auf und lassen die Siedlung im Chaos versinken.

Kritik

Manchmal muss man sich nach der Sichtung eines Films nochmal vor Augen halten, was man da gerade gesehen hat. Blut und Gedärme: Check. Körperliche Mutationen: Check. Fanatische Sekten: Check. Dutzende nackte Männer in einer Prügelei: Check. Schreit irgendjemand „Bingo“? Oder „Hilfe?“ Da hilft alles Drumherumgerede gar nichts. Was der Regisseur Yuki Kobayashi (Death Row Family) hier alles in einen Topf geschmissen und kräftig durchgemixt hat, ist von allen guten Geistern verlassen und kennt nur eine Richtung. Nach vorn. Und oben, auf jeden Fall mit dem Kopf durch die Wand. Dabei wirkt der Film gar nicht angestrengt, als müsste er sich großartig bemühen, den Beton zu durchbrechen und seinen Körper durch zu wuchten. Viel mehr rennt er sabbernd, jauchzend, manisch fuchtelnd dagegen. Wie ein wild gewordenes Eichhörnchen, das in einem kleinen Raum so sehr umherwetzt, dass man gar nicht weiß, ob man eingreifen oder abwarten soll.

Alles beginnt mit romantischen Klängen im Armutsviertel. In einer kleinen, muffigen Wohnung, das dunkel-vermatschte Blut der verstorbenen Mieterin ist bereits tief in den Fußboden eingezogen. Ein junger Mann, die Putzkraft der Siedlung, versucht, wie jeden Tag, die ekelhaften Überreste eines Menschen wegzuputzen. Leider kriegt er was von dem Schmarrn auf die Haut - die obligatorische Mutation lässt nicht lange auf sich warten. Auch die Schuldzuweisung kommt postwendend; der Putzmann soll für die Kosten eines neuen Fußbodens aufkommen. Kann er natürlich nicht, soll er dann halt mit den (ganz bösen) Vermietern verhandeln. Zwar kündigt der Film schon früh in einem Countdown an, dass eine „Geburt“ die Welt erschüttern wird, wirklichen Stellenwert in der, nennen wir es Handlung, nimmt dies jedoch nicht ein. Dafür ist man viel zu sehr beschäftigt, mit den Figuren über alle Stränge zu schlagen.

Und darin ist der Film überaus erfolgreich. Das geht mal gut aus und mal brachial in die Hose. Die Extremität von Hedoroba funktioniert dann hervorragend, wenn sich der Film über Religion, Klans, Sekten und dergleichen lustig macht. „Mögen alle Nüsse Glück bringen.“ wird da einer Frau gewünscht, einem Mann wünscht man, dass „alle Schlampen mit ihm seien“. Worte aus dem Mund einer klapprigen Omi. Der spirituellen Führerin eben. Ebenso albern und passend persifliert der Film die blinde Yin und Yang-Romantisierung aller Menschen. Da darf sich der westliche Zuschauer gerne angesprochen fühlen. Andererseits geht der Film in seiner Geschmacklosigkeit oftmals arg nach hinten los. Die körperlich behinderte Schwester der Hauptfigur wird als Subjekt der Begierde in Hot Pants gefilmt. Das entblößte Genital eines Kindes wird für Lacher gezeigt. Das Kind wird später mehrfach ins Gesicht geschlagen.

Das sind alles Elemente, die man sich nicht gefallen lassen muss. Bezeichnend ist dabei aber sehr wohl, dass auch die Teile, die oben als gelungen aufgeführt sind, völlig anders aufgenommen werden können. Entweder man lacht über die Pimmel-Keilerei im öffentlichen Bad, oder halt nicht. Entweder man ergötzt sich an den völlig übertriebenen (aber teilweise charmanten) Einfällen, wie dem schriftlichen Rezept zum Verschwindenlassen von Körperresten oder nicht. Hedoroba bietet dem Publikum viel Stoff, den es in den falschen Hals kriegen kann. Die völlig unpassende Sexualisierung der Frauen, die Respektlosigkeit gegenüber Kindern und Behinderten, die haarscharf verpasste „Vergewaltigung ist doch nicht so schlimm“-Mentalität. Hier gibt es einige rote Zonen, die jedoch so wild durcheinander geworfen werden, dass der Überblick schnell verloren werden kann. Unsicher bleibt, ob die roten Zonen gekonnt umschifft, subversiv konfrontiert oder völlig respektlos angegriffen werden. Wahrscheinlich alles gleichzeitig.

Fazit

„Hedoroba“ ist in jeglicher Richtung völlig überzogen. Überzogen albern, überzogen eklig, überzogen überzogen. Zwar unterläuft er immer wieder gezielt Klischees, jedoch nicht ohne sie und ihre Mechanik vorher auszunutzen. All der Splatter, der absurde Humor und die bisweilen unangenehm geschmacklosen Sexualisierungen werden zu einem Gesamtwerk vermengt, bei dem unklar bleibt, ob es ein lustiger Zeitvertreib oder ein Arschloch ist. Der Vice-Stempel auf dem Werk verspricht eben: „Hedoroba“ will Grenzen austesten. Tests können scheitern. Fazit: Für eingefleischte Fans.

Autor: Levin Günther

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