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Inhalt

Das 15. Jahrhundert. Der kalte Winter breitet sich über der Alpenlandschaft aus. In einer abgeschiedenen Berghütte lebt die junge Ziegenhirtin Albrun mit ihrer Mutter. Als diese unerwartet einer Krankheit erliegt, bleibt die Tochter alleine und traumatisiert zurück. 20 Jahre vergehen, Albrun wird selbst Mutter. Von der Dorfgemeinschaft als Heidin und Hexe ausgegrenzt beginnt Albrun eine finstere Präsenz wahrzunehmen, die in den dunklen Wäldern auf sie wartet. Angst, Alptraum und die Grenzen der Realität beginnen zu verschmelzen, bis sie schließlich mit ihrem Wahn und dem Bösen in sich selbst konfrontiert wird.
  • W780
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Kritik

Die nebelverhangene Alpenlandschaft des Österreichs im 15. Jahrhundert wird in Lukas Feigelfelds Langfilmdebüt Hagazussa - Der Hexenfluch zum kryptischen Schauplatz vager dunkler Mächte, die unentwegt im Schatten der Wälder zu lauern scheinen. Es ist der Abschlussfilm des Regisseurs von der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, wobei Feigelfeld über vier Jahre gebraucht hat, bis er sein Werk nach wiederholten Drehpausen aufgrund mangelnder Geldquellen schließlich doch noch fertigstellen konnte. Inspiriert wurde der DFFB-Absolvent für die Geschichte seines Films von eigenen Kindheitserinnerungen an dunkle Berge und Wälder sowie von Geschichten über Hexen und Kobolde, die auf ihn offenbar schon immer eine düstere Faszination ausübten, während die Poster-Artworks an Alben-Cover von Death-Metal-Bands wie Six Feet Under erinnern. Obgleich der Zusatztitel von Hagazussa - Der Hexenfluch das Kernmotiv der Handlung scheinbar bereits vorweg nimmt, ist der Horror im Film des Regisseurs eher von subtiler, schleichender Natur und entsteht vielmehr durch suggestive Bildkompositionen sowie wiederkehrende Symbole anstelle von offensichtlichem Schrecken.

Dabei etabliert Feigelfeld den entschleunigten Erzählrhythmus von Hagazussa - Der Hexenfluch schon im ersten Kapitel namens Schatten mit Einstellungen von hypnotischer Langsamkeit, die in das mittelalterliche Setting führen, wo das junge Mädchen Albrun mit ihrer Mutter auf einem Bauernhof in den Alpen lebt. Recht bald erinnert der Film an die typischen Arthouse-Horrorfilme der jüngeren Vergangenheit, die gerade von der amerikanischen Filmproduktionsgesellschaft A24 in mittlerweile angenehmer Regelmäßigkeit vertrieben werden. Vergleichbar mit It Comes at Night oder Hereditary - Das Vermächtnis, aber vor allem mit dem folkloristischen Familien-Grauen von The Witch, ist auch Hagazussa - Der Hexenfluch kaum an konventionellen Stilmitteln des massenkompatiblen Horrors erinnert, sondern präsentiert sich bewusst als sperriges Seherlebnis, für das der Regisseur historische Randnotizen und esoterische Mythen, Charakterdrama und albtraumhaft visualisierte Seelenlandschaften kombiniert.

Nach dem ersten Kapitel, das gewissermaßen als ausführlicher Prolog dient, zeigt Feigelfeld viele Jahre später die erwachsen gewordene Albrun, die nach dem verstörenden Tod ihrer Mutter selbst Ziegenhirtin und alleinerziehende Mutter geworden ist. Ohne einen Mann an ihrer Seite sowie fernab von der nächstgelegenen Dorfgemeinde lebend ist Albrun von den Bewohnern als Hexe gebrandmarkt worden, die selbst von den jüngeren Kindern geächtet wird. Um sich dem isolierten, vereinsamten Bewusstseinszustand seiner offensichtlich schwer traumatisierten Protagonistin anzunähern, verwendet der Regisseur kaum Dialog und verlässt sich stattdessen auf Bilder, die neben ihrer naturalistischen Erdung immer wieder surreales Unbehagen zu Tage befördern, wenn die Kamera von Mariel Baqueiro auf Details wie Maden, Würmern, Totenschädeln oder Pestbeulen verweilt. Ähnlich wie Lars von Trier in seinem radikalen Meisterwerk Antichrist scheint auch Feigelfeld das Motiv der Natur als Kirche Satans heraufbeschwören zu wollen. 

Im Vergleich mit den offensichtlichen Vorbildern von Hagazussa - Der Hexenfluch fehlt dem Nachwuchsregisseur jedoch noch merklich das Gespür dafür, ergreifende Dramatik und tiefen Horror stimmig in Einklang zu bringen. Trotz der Unterstützung des griechischen Avantgarde-Duos MMMD, das die dazugehörigen Bilder mit beunruhigendem Dröhnen und vibrierenden Klängen auflädt, erweist sich die Atmosphäre in Feigelfelds Werk mit fortschreitender Laufzeit als nur bedingt wirkungsvolles Vakuum, das narkotisierenden Spannungsaufbau ohne adäquate Stimmungshöhepunkte anstelle von effektiver Beklemmung vermittelt. Wenn Albrun im vorletzten Kapitel des Films einen Pilz verspeist, der überaus halluzinogene Konsequenzen mit sich bringt, kippt Hagazussa - Der Hexenfluch zwischen ängstlicher Paranoia und konkreten Bedrohungen endgültig in einen filmischen Wahnzustand, der sich spätestens im Finale exzessiv entladen darf. Zuvor zeigt der Weg dorthin einen aufstrebenden Filmemacher, der sich zuallererst in atmosphärischen Stimmungsbildern ausprobiert, ohne ihr volles Potenzial schon ausschöpfen zu können. Trotzdem ist es nicht gänzlich ohne Reiz, Feigelfeld in seinen mittelalterlichen Irrgarten der psychotischen Abgründe, übernaturlichen Mythen und naturalistischen Schreck-Symbole zu folgen und sich zu fragen, was da in Zukunft noch kommen könnte.

Fazit

Lukas Feigelfelds Abschlussfilm von der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin ist in erster Linie eine atmosphärische Fingerübung, in der der Nachwuchsregisseur mit den Stilmitteln des dramatischen Arthouse-Horrors jongliert. Auch wenn er sich für "Hagazussa - Der Hexenfluch" voll und ganz auf die Kraft der Bilder verlässt, fehlt diesen mitunter jedoch noch die nötige Wirkung, um über den Status von kunstgewerblich in die Breite gezogener Stimmung hinauszureichen. Potenzial für Größeres lässt dieses Langfilmdebüt aber definitiv erkennen.

Autor: Patrick Reinbott

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