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Inhalt

1977, San Francisco, USA: der Sektierer James „Reverend“ Johnson (Stuart Whitman) hat 30.000 enthusiastische Anhänger in seinem Tempel versammelt. Alle opferten ihm ihr gesamtes Vermögen. 1978, Johnson Town, Guyana: 1.200 Gläubige sind dem heiligen Mann in den Urwald gefolgt, wo sie ein Paradies errichten wollen. Die Zustände, die sich hier entwickeln, haben einen dämonischen Charakter. Die Gläubigen werden rund um die Uhr bewacht, teilweise gefoltert und bei Ungehorsam mit perversen Strafen gepeinigt. Eine amerikanische Untersuchungskommission will Licht in die ganze Sache bringen und wird dafür von Fanatikern der Sekte liquidiert. Der letzte Ausweg für den „Reverend“, seinem Ende zu entgehen, wird für alle Beteiligten zum erbarmungslosen Trip in die Hölle ...

Kritik

Radikalismus ist immer durch eine Hoffnung angetrieben, durch die Befreiung aus Missständen: Wären entsprechende Zustände ausreichend gut, bräuchte man kein radikales Gegenstück und wären die Zustände aussichtslos, dann würde sich der Radikalismus nicht lohnen. Radikalismus resultiert demzufolge immer aus der aktuellen Unzufriedenheit und der erhofften zufriedenstellenden Zukunft. Das Guyana Massaker zeigt uns in einer rauen Aufarbeitung des Jonestown-Massakers wie fehlgeleitet Radikalismus sein kann und wie er ein eigenes System mit eigenen Regeln aufstellt. Eine Frage stellt sich: Können wir sicher sein, dass wir nicht in einem fehlgeleitetem Radikalismus leben?

Jeder konstituierten Ordnung liegt ein radikaler Urmoment zugrunde, der das System bezwecken kann. Ein System erscheint legitim, so lange es existent ist, da es seine Legitimation durch das Sein zu erhalten scheint. Doch kann es nicht sein, dass wir in hundert Jahren so auf den Kapitalismus zurückblicken wie man es im Nachhinein auf dieses Zusammenleben in der Sekte tut? Nun erscheint der Vergleich eines Systems und einer Sekte unangebracht, der Film zeigt uns jedoch insofern die Parallelen auf, dass die Sekte ein eigenes System etabliert, das nach den aufgestellten Regeln funktioniert. Diejenigen, die im System leben, halten es für funktionell und essentiell, wie das in jedem System der Fall ist. 

Hannah Arendt brachte im Zuge der Eichmann-Prozesse den Gedanken des banalen Bösen hervor. Zwar geht sie von der kantischen Willensfreiheit aus, beschreibt jedoch das Böse eines dem System treuen Menschen - wie es Eichmann zur Zeit des dritten Reiches war - als banal im Sinne von selbstverständlich. Uwe Boll hat in seinem leider misslungenen Versuch, die Grausamkeiten der KZs in seinem Film Auschwitz darzustellen, eine dazu sehr passende Szene inszeniert. In dieser unterhalten sich zwei Aufseher, die konkret für die Vergasung von Juden zuständig sind, über ganz alltägliche Dinge wie die Familie. Das Verbrechen, gegen das man sich auch entscheiden kann, liegt in der ideologisch veranlagten Neigung, die Regeln des Systems zu befolgen. Das Guyana Massaker zeigt uns das sehr eindrucksvoll daran, wie es James Johnson (Stuart Whitman, Mob Boss) gelingt, Menschen so zu manipulieren, dass sie seinen Regeln folgen. 

Menschen glauben gerne an das Konzept des Erlösers, eines Auserwählten, der die Menschen befreit. So lässt sich auch Hitlers damaliger Erfolg erklären, der zum Hoffnungsträger ganzer Generationen wurde, auch als deutlich wurde, welche Schandtaten er bezweckte.  Auch James Johnson wird als Ikone, als Retter und als sehend verstanden. Er scheint einzusehen, was die Menschen brauchen. Der Film zeigt uns nicht nur wunderbar, wie das banale Böse funktioniert, sondern auch , dass es eines demokratischen Systems bedarf. In einem System, in dem ein überzeichneter Personenkult herrscht, in der einer Person übermenschliche Kräfte zugeschriebne werden, kann es nur zum Machtmissbrauch kommen.

Fazit

"Das Guyana Massaker" ist einer rauer, einfacher und effizienter Film über das banale Böse und die Fehlinterpretation von Hoffnung und Kritik, der einen sehr klaren Standpunkt vertritt und diesen schnörkellos zu übermitteln weiß.

Autor: Maximilian Knade

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