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Die Geschichte von Frankie und ihrem Liebhaber Johnny, die an Board eines Riverboats für die abendliche Unterhaltung der Passagiere zuständig sind. Doch Johnny hat nicht nur ein Problem mit dem Spielen, sondern verfällt auch dem Reiz einer anderen Frau. Der Jähzorn Frankies lässt dementsprechend nicht lange auf sich warten. 

Kritik

This story aint´t got no moral

This story aint´t got no end

This story only goes to show

That there ain´t no good in men

1899 ereignete sich in den USA ein Mordfall, der bis heute seine Nachwirkungen zieht, zumindest in kultureller Hinsicht. Frankie Baker, eine junge Prostituierte aus St. Louis hatte eine Beziehung mit dem Ragtime-Pianisten und Zuhälter Allen „Al“ Britt. Als dieser als gut aussehend geltende Bursche um die Gesellschaft der Prostituierten Alice Pryor bereichert wurde, war das einzige was Frankie erhielt ein Gefühl der Eifersucht höchsten Ausmaßes. Es folgte eine Konfrontation, einen Streit und ein scheinbar vorzeitiges Aus für die beiden. Am nächsten Morgen suchte Allen Britt seine Geliebte auf und wurde mit dem Lauf einer .38er empfangen. Ein abgefeuerter Schuss, eine Wunde im Unterleib und ein viertägiger Krankenhausaufenthalt waren das Ergebnis dieser frivolen Eskapade Britts. Er erlag letztendlich den Verletzungen. Diese Geschichte wurde dann im Jahre 1904 zum Sujet eines US-amerikanischen Volksliedes namens „Frankie and Albert“ (später „Frankie and Johnny“). Mit den oben genanten Worten wurde die mörderische Liebesballade eingeleitet und verfestigte sich in der Popkultur als Musikgrößen wie Johnny Cash, Jerry Lee Lewis, Stevie Wonder, Sammy Davis, Jr.  oder Bob Dylan eine Neuinterpretation dieses Werkes wagten. Und auch der King of Rock 'n' Roll ließ es sich nicht nehmen und gab dem Stück nicht nur seinen eigenen Touch, sondern wurde unter der Prämisse des Evergreens ein kompletter Film aufgezogen.

Unter der Regie von Frederick de Cordova (Die Piratenbraut) fanden 1966 Frankie und Johnny in dem gleichnamigen Film ein weiteres Mal ihren Weg auf die große Leinwand. Die Rollen des explosiven Pärchens übernahmen dabei Elvis Presley (Jailhouse Rock - Rhytmus hinter Gittern) und Donna Douglas (Ein Pyjama für zwei) und der Schauplatz wurde in dieser Version der Erzählung auf die Gewässer Mississippis verlagert. Frankie und Johnny sind ein Entertainer-Duo auf einem Riverboat und sorgen jeden Abend für eine ansehnliche Performance bestehend aus aparten Gesangs- und Tanzeinlagen. Aber auch abseits der Showbühne wird gegospelt, gerockt und dabei ordentlich das Tanzbein geschwungen, was das Ganze zu einem klassischen Musical der 1930er Jahre macht. Die Darbietungen sind eine Wohltat für Augen und Ohren, doch wirken sie überwiegend unfreiwillig ereilt. Aufgezwungene Momente, in denen der Zuschauer denkt, dass Elvis nicht mehr wusste wohin mit seinen schmissigen Songs, lassen die sonst so charmanten Offensiven fingiert erscheinen. Die leicht stoische Contenance, die das Publikum dem King wahrlich ansehen kann, zieht die ganze Show dabei nur noch weiter in die Tiefe der Echauffierung.

Den Gedankenreichtum, den das atavistische Volkslied bietet, wird dabei völlig außer Acht gelassen. Schuldzuspruch, Verurteilung, Vergeltung. All der Gehalt, den die Vorlage zur filmischen Ausarbeitung bietet, wird hier unter den Teppich  gekehrt und mit den Sohlen überschwänglicher Tanzschuhe besudelt. Da hat selbst die Szene aus Mad Men, in der die Brook Benton-Version des Songs genutzt wird, um zu zeigen, was für eine Art von Mensch der Protagonist Don Draper ist, eine eindringlichere Wirkung als der gesamte Film Frankie and Johnny. Stattdessen pfercht man den Streifen mit etlichen Szenen, in denen dem Zuschauer die Effekte von Alkoholismus oder Spielsucht glasklar vor Augen geführt werden und lässt diese dann ebenfalls unkommentiert im Raum stehen beziehungsweise erlaubt sich noch den einen oder anderen grobschlächtigen Gag. In die Jahre gekommene Komik, die nahezu in einer Lächerlichkeit verwest und die Fahrt auf dem Mississipi zu einer öden, repetitiven Rentner-Kreuzfahrt werden lässt. Klar, klassische Musicals waren nun einmal ein theatralisches und larmoyantes Genre mit weniger anspruchsvollem Wesen, doch wie sagte ein heimtückischer Saloon-Besitzer aus Deadwood einst: „Veränderung ist die Musik nach der wir tanzen.“ Nur zu schade, dass diese Weisheit auf dem Riverboat nicht erhört wurde.

Auch wenn das Potential, dass der melodischen Blaupause innewohnt, nicht ansatzweise ausgeschöpft wird, so bietet  Frankie und Johnny dennoch einen überaus interessanten Ansatz zur Neuinterpretation der Geschichte. Den Song „Frankie and Johnny“ performen die beiden Artisten zusammen mit dem Rest der Riverboat-Darsteller als Bühnen-Musical, sodass dem Publikum ein Stück im Stück präsentiert wird, das auf einem weiteren Stück beruht, dessen Inhalt einer wahren Begebenheit entspricht. Als Zuschauer dieser verschachtelten Handlung erliegt man kurzerhand der Illusion, ob die Empfindungen von Frankie nun Teil ihrer performativen Darbietung ist oder diese Gefühle echter Natur sind. Diese Illusion wird leider schon nach wenigen Minuten aufgelöst, doch nichtsdestotrotz ist dies ein raffinierter und schön in Szene gesetzter Ansatz, bei dem die Quintessenz des Originals für einen Moment lichterloh auflodert. Am Ende, wenn dieses Bühnen-Musical ein zweites Mal aufgeführt wird, versucht man erneut an diesem kurzen Moment des Erfolges anzuknüpfen, doch traut man sich nicht die Konsequenz der ursprünglichen Geschichte zu adoptieren und löst das Brimborium dagegen mit einem Mangel an notwendiger Erlesenheit.

Fazit

Frederick de Cordova hat sich einer Tragödie angenommen, ihr die triviale Aura eines klassischen Musicals ohne Tiefgang auferlegt und sie der Wirkung der Vorlage entledigt. Zwar bringt der King of Rock 'n' Roll ein paar schwungvolle Nummern auf die Leinwand, doch könnten diese ebenso Teil einer seperaten Elvis-Show sein. "Frankie und Johnny" erliegt dem selben Effekt wie eine Festtagsparade: Im Moment des lautstarken, vorbeiziehenden Festwagens ist die Aufmerksamkeit für einen Moment gefesselt, doch sobald der Umzug außer Reichweite ist, schwindet die Erinnerung auch schon wieder ohne jeglichen Mehrwert aus dem Gedächtnis. 

Autor: Oliver Koch

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