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Inhalt

Die Schwestern Ines und Emilie sehen sich nach vielen Jahren der Trennung zum ersten Mal wieder. Gemeinsam begeben sie sich auf eine bewegende Reise.

Kritik

Diskussionen um die Sterbehilfe herum gibt es schon seit längerem. Auf der einen Seite wird die Freiheit des Individuums, über das eigene Leben verfügen und es somit auch beenden zu dürfen, auf der anderen Seite der moralisch obligatorische Schutz des Lebens gepredigt.  Euphoria ist daher von Anfang an großer Mut für seine explizite und damit auch leicht angreifbare Erzählung zuzusprechen. Davon unabhängig ob der Film gelungen ist oder nicht, regt er damit den Diskurs zwischen den Zuschauern an und genau das ist es, was wir bei solchen Themen brauchen: moralischen und multiperspektivischen Gedankenaustausch. Der Film erzählt die Geschichte von der krebskranken Emilie (Eva Green, Nach einer wahren Geschichte), die in Begleitung von ihrer Schwester Ines (Alicia Vikander, Tomb Raider) eine Einrichtung besucht, die nicht nur Sterbehilfe leistet, sondern auch die letzten Wünsche in einer Art freiheitlichen Paradies verwirklicht. 

Interessant wird es direkt bei genauerer Betrachtung dieser Freiheit, die eigentlich keine Freiheit, sondern eine Scheinfreiheit ist. Das Schicksal des bevorstehenden Todes erlaubt keine hedonistische Lebensweise, erlaubt auch kein Ausleben der Freiheit. So werden die Gäste durch die Lokalität ständig aufgefordert: Genieße! Dein Wunsch sei uns Befehl! Komm mit Dir ins Reine! Kläre deine letzten offenen Konflikte! Das geschaffene System gleicht also unserem System, in dem wir auch durch Werbung und gesellschaftliche Konformen zum ständigen Genuss angehalten werden, in dem wir ständig auf unseren Ruf und Nachruf achten müssen und Verantwortung tragen müssen.  Das Glück ist ein konstruiertes Scheinglück und die Freiheit ist eine Scheinfreiheit. 

Das System hat also etwas Perfides an sich: Man bezahlt für den Aufenthalt wie für ein Urlaubs-Resort und wird bedient wie in einem Restaurant, nur eben noch mit spiritueller Zugabe.  Dem Film gelingt hier zwar, wunderbar zu zeigen, wie frustrierend die Distanz zwischen Paradies und konstruiertem Paradies ist, wie schmerzlich dieser erzwungene Genuss sein kann, geht jedoch nicht einen Schritt weiter und hinterfragt das System an sich in seiner Existenzberechtigung. Schließlich müssen wir uns fragen, ob ein solches Unternehmen, das sein Geschäft mit Menschenleben macht, nicht etwas Bedenkliches an sich hat. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Sterbehilfe in allen Fällen vertretbar ist - was der Film in einer Liebesszene selbst sehr stark infrage stellt - schafft ein solches Unternehmen doch eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.  Hat also nicht jeder die gepredigte Freiheit?

Der kritische Beitrag zur Sterbehilfe ist währenddessen sehr gelungen. Der Film nimmt die Entscheidung seiner Protagonistin hin, bringt sie jedoch in die Konfrontation mit ihrer Vergangenheit und verschiedensten Charakteren, die allesamt unterschiedliche Einstellungen zum Leben haben. Euphoria geht sehr einfühlsam mit dem Wunsch nach dem Sterben, aber auch  dem Wunsch nach mehr Leben in der begrenzten Lebenszeit um. Die Bilder sind sehr naturalistisch geraten, verdeutlichen die Natürlichkeit des Lebens und des Sterbens und haben Verständnis für menschliche Schwäche, für kaputte Beziehungen, für nicht erfüllte Träume und Hoffnungen, für das Aufgeben und für Fallenlassen.  Hier setzt man nicht auf eine erzwungene Steh-wieder-auf-Mentalität, sondern auf Verständnis und Respekt. 

Leider erlaubt sich der Film ein paar geschmacklose Fauxpas, die einfach nicht hätten sein müssen. So ist er in einer Szene explizit, wo er nicht hätte explizit werden müssen, wo das Wegschauen oder das Andeuten sogar wirksamer gewesen wäre.  Außerdem entwickelt er eine Hintergrundgeschichte für Ines, die als Künstlerin Inspirationen in der Einrichtung zu finden scheint. Das wirkt ungemein kitschig und soll dem Charakter nur mehr Tiefe verleihen, was jedoch gar nicht nötig gewesen wäre. Generell hätte man sich die Exposition ersparen können, die lediglich zu einem emotional-manipulativen Tiefpunkt führen soll. Diese emotionale Eroberung wäre gar nicht nötig gewesen. Das schaffen Eva Green mit ihrer verletzlichen Stärke und Alicia Vikander mit ihrer starken Verletzlichkeit schon selbst. 

Fazit

"Euphoria" ist wie ein ungeschliffener Diamant:  Geschliffen wäre er zwar besser, aber er ist immer noch ein Diamant, ein wirklich sehr interessanter Film, der hoffentlich den Diskurs zu einem unheimlich wichtigen Thema erneut anregen wird. 

Autor: Maximilian Knade

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