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Inhalt

Für die Dauer eines Forschungssemesters hat sich Marion in eine ruhige Stadtwohnung zurückgezogen. Doch mit der geplanten vollen Konzentration auf ihre Arbeit wird es nichts. Über einem Lüftungsschacht lauscht Marion erst unfreiwillig, dann fasziniert und gespannt, den Gesprächen eines Psychiaters mit einer schwangeren jungen Frau. Angeregt von den Problemen der Patientin, ihren Ängsten und Hoffnungen, beginnt Marion, über ihr eigenes Leben nachzudenken. Ihren Mann, ihren Jugendfreund, ihre Familie und Freunde - alles sieht Marion auf einmal in einem anderen Licht. Sie beschließt, Kontakt mit der schwangeren Frau aufzunehmen. Und diese Begegnung wird ihr Leben von Grund auf verändern.

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Kritik

Um die Arbeit an ihrem Buch endlich abschließen zu können, zieht sich Marion (Gena Rowlands, Eine Frau unter Einfluss) in ein Apartment in der Stadt zurück. Die Ruhe, die sich die Leiterin einer philosophischen Fakultät von diesem Refugium versprochen hat, wird zusehends unterminiert, wenn von nebenan die Gespräche des Psychiaters und seiner Patientin Hope (Mia Farrow, Rosemary's Baby) durch den Luftschacht an ihr Ohr dringen. Die inszenatorische Meisterschaft von Woody Allen (Was Sie schon immer über Sex wissen wollten) wird frühzeitig deutlich gemacht, wenn er seine Protagonisten innerhalb von wenigen Szenen rein über die Visualität seines Films charakterisiert: Marion nämlich möchte den Enthüllungen und Offenbarungen, die Hope ihrem Psychiater kundtut, entfliehen. Nicht aus Scham oder Rücksichtnahme, sondern aus einem fehlgeleiteten Selbstverständnis ihrer selbst gegenüber.

Wenn Marion  den Luftschacht mit Kissen notdürftig versperrt, dann manifestiert sich das große Leiden, mit dem dieser Charakter zu kämpfen hat: Er besitzt keinerlei Bewusstsein seiner eigenen Gefühlsbahnen gegenüber. Und genau das ist mit dem fehlgeleiteten Selbstverständnis gemeint, scheint Marion Zeit ihres Lebens doch durchweg darauf konditioniert worden zu sein, zu funktionieren, die Dinge intakt zu halten, anstatt sich den Raum zu nehmen, in ihr Innersten zu hören. Durch die Gespräche, die Marion belauschen muss, wird nach und nach jedoch genau dieses Bewusstsein geweckt – die 50-jährige Frau beginnt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie an den Punkt kommen könnte, an dem sie steht. Ein verspätetes, aber keinesfalls zu spätes Vergegenwärtigen des Vergangenen beginnt, bei dem Hauptdarstellerin Gena Rowlands an ihre großen Auftritte unter John Cassvetes (Gesichter) anknüpft.

Ihre zweite Ehe mit Ken (Ian Holm, From Hell) ist inzwischen in einem Stadium angekommen, in dem es – wie sollte es anders sein - ausschließlich um das Funktionieren geht. Wenn Ken und Marion allein sein, geht man tiefgreifender Kommunikation aus dem Weg – von Geschlechtsverkehr ganz zu schweigen, Ken tut diese zwischenmenschliche Starre als „nicht so aktive Phase“ ab. Mit Eine andere Frau aber beschreibt Woody Allen nicht die Niederlage einer Frau, die sich vollends von ihrem Gefühlsleben abklemmt hat, sondern vielmehr ihre kräftezehrenden Versuche, eine Versöhnung mit sich selbst zu forcieren, um zum ersten Mal eine Art seelisches Gleichgewicht für sich zu entdecken. Der Mensch, da hat Woody mal wieder vollkommen Recht, kann nur dann mit sich im Reinen sein, wenn er sich über seine Verfehlungen im Klaren ist.

Fazit

Woody Allen goes Ingmar Bergman. Mal wieder. Und mal wieder ist es großartig, wie fundiert und präzise Allen in das Gefühlsleben einer Frau eindringt, die das Bewusstsein für ihre Empfindungen vollends verloren hat. Famos gespielt, vor allem von Gena Rowlands in der Hauptrolle, fesselt "Eine andere Frau" als eindringlich-kontemplative Charakter-Studie.

Autor: Pascal Reis

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