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Als die junge ehrgeizige Pariser Geschäftsfrau Sybille  ins Baskenland fährt, um einen alteingesessen Familienbetrieb aufzukaufen, um ihn in einen Supermarkt zu verwandeln, hat sie nicht mit der Widerspenstigkeit der Dorfbewohner gerechnet. Tradition wird hier großgeschrieben, hier kennt man noch die Schafe persönlich, die die Milch für den Käse geben, hier gewinnt man schon mal eine Kettensäge, wenn man beim Irrintzina-Wettbewerb siegt, bei dem der schönste Schrei der Hirten gekürt wird. Und, hier stellt man noch in alter Handwerkstradition Espadrilles her, so wie Ramunxu, der kantige aber durchaus attraktive Neffe des Geschäftsinhabers. Der hin- und hergerissen ist zwischen der professionellen Attitüde Sybilles und ihrer ansteckenden Fröhlichkeit, hat sie erst einmal das ein oder andere Glas Izarra intus - einem baskischen Likör, der zwar medizinisch klingt, aussieht und schmeckt, aber durchaus fatale Folgen haben kann. Aber auch nüchtern betrachtet kann Sybille nicht verleugnen, dass Ramunxu durchaus anziehend auf sie wirkt...

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Kritik

Die Pariserin: Auftrag im Baskenland ist nicht so unschuldig wie er auf den ersten Blick scheint. Und das ist auch gut so! Die Handlung ist zwar simpel und wirkt so, als hätte man sie schon unzählige Male gesehen und das hat man auch schon, jedoch nicht in einem ideologisch so interessantem Gewandt. Sybille (Elodie Fontan, Monsieur Claude und seine Töchter) ist stark selbstorientiert: Sie ist individualistisch eingestellt, sie ist über die Handlung hinweg von wirtschaftlichen Interessen gesteuert, sie hat ein makelloses Aussehen und ist sich dementsprechend für vieles zu schade. Sie steht für den Neoliberalismus, der in erster Linie wirtschaftlich denkt, jedoch scheinbar ohne Rücksicht auf Verluste. Sie muss sich in das Baskenland begeben, um Ramuntxo (Florent Peyre, Die Super-Cops- Allzeit verrückt!) den Laden seines Vaters abzukaufen. Dieser hat scheinbar ganz andere Eigenschaften als Sybille: Er ist traditionstreu, ihm bedeutet die Familie ungemein viel, er hält nichts von wirtschaftlicher Expansion, sondern möchte eher einer Isolationspolitik folgen. 

Er steht also für den Konservatismus, der eine Gemeinschaft vor allem im Kleinen schützen möchte, auch vor dem großen Modernen von außen schützen möchte. Die FDP hat im vergangenen Wahljahr mit einer recht modern wirkenden Ästethik gearbeitet: Die Plakate wirkten innovativ umgesetzt, die Digitalisierung nahm als scheinbar fortschrittliches Thema eine zentrale Rolle ein. Nun lässt sich die FDP sicherlich nicht auf den Neoliberalismus hinunterbrechen, aber in ihr sind neoliberale Strukturen vorhanden. Wir sehen also den starken Modernisierungsdrang des Neoliberalismus, die starke Fortschrittlichkeit, immer einen Schritt weitergehen zu wollen. Dieser Fortschrittsdrang steht konträr zum Konservatismus, der sich zwar im Grunde gut mit dem Liberalismus verträgt, jedoch nicht in seiner ausgearteten Form. Das wird über den Film hinweg sehr deutlich, denn wie es natürlich sein muss, bauen Sybille und Ramuntxo eine Liebesbeziehung auf. 

Und hier geschieht das eigentlich Faszinierende des Filmes, denn die entstehende Beziehung wird von wirtschaftlichen Verhandlungen getrieben. Bis zum Ende soll es um den Kauf des Ladens gehen. Anhand dieses Geschäftes lässt sich wunderbar die Entwicklung der Charaktere festmachen. Anfangs lehnt Ramuntxo seine zukünftige Freundin Sybille aufgrund ihrer Lebensphilosophie ab und sie ist wiederum angewidert von der Einfachheit seiner Lebensführung. Zum Ende des Filmes können wir immer deutlicher anhand von Kompromissen im wirtschaftlichen wie im gesellschaftliche Sinne beobachten wie sich Neoliberalismus und Konservatismus in Form der beiden Charaktere zusammentun, was wir gegenwärtig ja fast überall erfahren können. 

Und sicherlich ist das nicht ganz unproblematisch, weil der Film nicht Subversives an sich hat und die Vereinigung von Konservatismus und Neoliberalismus das Happy End darstellt. Er kritisiert dennoch an den einzelnen Charakteren die störenden Eigenschaften, wodurch ein wenig wertender Film entsteht, aber einer der in gewisser Form erklärt, wie die gesellschaftlich vorherrschende Ideologie zustande kommt. Auch wenn diese Beobachtungen recht scharfsinnig sind, gibt es natürlich auch einen Wehmutstropfen. So relativiert der Film über die Lauflänge hinweg ungemein. Sybille hat beispielsweise zuhause einen Mann, den sie dann für Ramuntxo verlässt, der zu Beginn schon noch extremer erscheint als sie. So stellt der Film sie zum Ende hin als Unschuldslamm dar, das lediglich von ihrem Mann ideologisch indoktriniert wurde. Dieses Verhalten ist natürlich recht scheinheilig und plakativ und lässt sich wohl darauf zurückführen, dass der Film immer noch ein Publikum adressiert, das an einer romantischen Komöde interessiert ist. In diesem Sinne befriedigt Die Pariserin: Auftrag im Baskenland alle üblichen Schemata, was jedoch Fluch und Segen zugleich ist.

Fazit

"Die Pariserin: Auftrag im Baskenland" beobachtet - wenn auch nicht intentional bezweckt- scharfsinnig die Gemeinsamkeiten zwischen Konservatismus und Neoliberalismus, arbeitet in den gesellschaftlichen Ausuferungen jedoch auch die Differenzen zwischen Fortschrittsdrang und Tradition heraus. Dennoch hat der Film seine Probleme und erliegt den Genre-Konventionen, wodurch er über Strecken recht plakativ ausfällt.

Autor: Maximilian Knade

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