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Inhalt

Ein Reporter namens Franco Arno verlor bei einem Unfall sein Augenlicht und konnte deswegen seinen Job als Reporter nicht mehr ausüben. Als Blinder ist er auf die Hilfe seiner jungen Nichte angewiesen. Er verdient sich trotzdem immer noch Geld bei der Zeitung, indem er Kreuzworträtsel herstellt. Als er eines Tages mit seiner Nichte spazierengeht, hört er vor einem medizinischen Institut zufällig eine Unterhaltung von zwei Männern in einem Auto mit. Später in der Nacht, bricht jemand ohne ersichtlichen Grund in dieses Institut ein und tötet dabei einen Wachmann. Der neugierige Arno beschließt darauf, ein wenig auf eigene Faust nachzuforschen und erhält dabei Hilfe von dem Reperter Carlo Giordani. Bald folgt eine Serie an mysteriösen Morden, die mit dem Ereignis im Institut zusammenhängen zu scheint. Die beiden finden neun verschiedene Hinweise, denen sie nachgehen müssen um das Rätsel um den geheimnisvollen Mörder und seinen bestialischen Taten lösen zu können...

Kritik

Der zweite Spielfilm von Dario Argento (Suspiria) und Mittelteil seiner inoffiziellen „Tier-Trilogie“ - zwischen Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe und Vier Fliegen auf grauem Samt (ein inhaltlicher Zusammenhang besteht nicht, lediglich die Tiere in den Original-Titeln sorgten für die angedichtete Verbindung)  - hat eine Sonderstellung inne: Es ist der einziger seiner Filme vor der Jahrtausendwende, der in Deutschland nicht Opfer der Zensur wurde, ohne Probleme sogar direkt einen Kinostart bekam und auch bei der viel späteren Heimkinoauswertung lange der einzige Argento, auf den man ungeschnitten nicht nur über Umwege zugreifen konnte. Warum? Es ist eindeutig sein konventionellster und auch zahmster Film, der genau wie sein Debüt Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe als deutsche Co-Produktion unter dem Siegel eines Bryan-Edgar-Wallace-Films vermarktet wurde, um als Trittbrettfahrer von Horst Wendlandt’s Edgar Wallace-Streifen das Publikum anzulocken.

Ungeschnitten ist nicht ganz richtig: Die ursprüngliche deutsche Kinofassung wurde um mehr als 20 Minuten gekürzt, wobei die Cuts ausnahmsweise keine Gewalt- oder Erotikszenen umfassten. Lediglich die Handlung wurde um einigen „Ballast“ erleichtert, was zumindest theoretisch keine so schlechte Idee war. Denn – um gleich einen Kritikpunkt anzubringen – die 115 Minuten umfassende Originalfassung beinhaltet einige Längen und offenbart ein bekanntes Problem von Dario Argento: Das Geschichtenerzählen, im klassischen Sinne, beherrscht er nicht sonderlich gut. Der Film könnte sinnvolle Straffungen gut und gerne vertragen, in der deutschen Fassungen wurde jedoch eindeutig übertrieben. Dort wirkt einiges sehr sprunghaft, manche Dialogfetzen mussten über die Tonspur nachgereicht werden um nicht komplett für Verwirrung zu sorgen, speziell am Ende sind die Figuren urplötzlich in ganz anderen Szenarien; da gingen mit dem Cutter die Pferde durch. Ein gesundes Mittelmaß von vielleicht 100-105 Minuten wäre wohl optimal, so eine Schnittfassung existiert leider nicht. Trotz der „Überlänge“ empfiehlt sich ganz klar die Original-Version. Aber so oder so, Die neunschwänzige Katze bleibt egal in welcher Variante Argento’s schwächster Film aus seiner guten Periode…also alles vor Trauma (1993), danach kam bis auf Das Stendhal Syndrom (1996) nichts Brauchbares mehr von ihm.

Es wirkt beinah so als wolle Argento nach Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe – der schon ganz klar die Richtung seines späteren Schaffens vorgab und bereits stilistisch als einer der wichtigsten Gialli überhaupt angesehen werden muss – mehr auf das breite, internationale Publikum zugehen. Weitaus weniger experimentierfreudig ist der Film zwar eindeutig als Giallo zu klassifizieren, verzichtet aber auf wirklich explizite Gewaltdarstellung, sexuelle Symbolik oder viele andere Genre-typische Merkmale (weder schwarze Handschuhe noch blitzenden, phallischen Stahl gibt es zu bestaunen), nur die Ego-Perspektive in den verhältnismäßig wenigen Mordszenen ist vorhanden. Das weit aufgerissen Auge im Close Up läutet die Präsenz des unbekannten Mörders Giallo-klassisch ein, der Score von Ennio Morricone untermalt das Geschehen ansprechend, sonst konzentriert sich Argento außergewöhnlich ausgiebig (wie unvorteilhaft) auf seinen Ermittlungs-Plot, bei dem er wenigstens mit James Franciscus (Rückkehr zum Planet der Affen) und besonders Karl Malden (Die Faust im Nacken) auf zwei gestandenen Hollywood-Stars zurückgreifen kann. Mit so viel darstellerischer Qualität durfte Argento sonst selten arbeiten (nur Tenebre und Phenomena hatten mehr als einen wirklich guten oder nicht total abgehalfterten Schauspieler mit an Bord).

Wenn ein Giallo (und besonders einer von Argento) auf ausgefallen Stilmittel, visuelle Extravaganz, rohe Gewalt und verruchten Sleaze verzichtet, was bleibt dann am Ende? Tja, oftmals nur eine Kriminalgeschichte mit mäßigen Schauspielern, vielen Verdächtigen, geringer Logik und einer hanebüchenen Auflösung. Viel mehr bietet Die neunschwänzige Katze auch nicht, ausgenommen den Darstellern und einer Handlung, die zumindest noch halbwegs spannend ist, was sie nicht vor Doofheit schützt. Der Plot um genetisches Mörderaussieben ist grober Unfug, was Argento trotzdem standhaft versucht irgendwie plausibel an den Mann zu bringen. Klappt selbstverständlich nicht und beinah müsste man das böse Wörtchen Trash bemühen, dafür versteht er sein Handwerk aber bereits hier schon zu gut. Inszenatorisch ist der Film anständig, wenn auch zu „gewöhnlich“ geraten, womit kaum Reibungsfläche auf der einen Seite, aber auch wenig (deutlich ins Schaufenster gestellte) individuelle Klasse auf der anderen Seite ausschlaggebende Argumente generiert. Der Film hat seine Qualitäten und lässt das grundsätzliche Talent seines Regisseurs erkennen, dass beides aber nicht so zur Geltung kommt ist nicht wegzudiskutieren.

Kleines Randproblem der deutschen Synchronfassung: Wie damals gerne üblich, gerade bei europäischen Produktionen, tobt sich die Rainer Brandt-Vertonung in dem Fall sehr unpassend lässig aus. Nicht so zügellos wie bei Spencer/Hill, dennoch hat das in einem Argento – auch wenn dieser schon im Original nicht um ein paar Späßchen am Rande verlegen ist – nichts zu suchen. Dafür kann der Film natürlich nichts, sollte nur erwähnt werden.

Fazit

Ein Argento mit Ladehemmungen: „Die neunschwänzige Katze“ wirkt wie der Versuch seines Regisseurs, auf dem kommerziellen Markt Fuß zu fassen, was auf Kosten seines eigentlichen Talents geht. Glücklicherweise hat er das offenbar auch gemerkt, fand danach umgehend wieder in die Spur und wurde danach erst wirklich die prägende Figur des Genre-Kinos, von der heute leider gar nichts mehr übrig ist. Sein zweites Baby ist trotzdem okay, aber unnötigerweise zu zaghaft, zu gedrosselt und im Gegenzug einfach nicht „gut genug“, um auf konventioneller Ebene entscheidend zu punkten.

Autor: Jacko Kunze

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