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"Fast" Eddie Felson hat sich vor 25 Jahren vom Billardtisch zurückgezogen und verdient sein Geld jetzt mit billigem Fusel. In dem jungen Vincent trifft er einen genialen, aber naiven Billardspieler. Eddie will ihm alle Tricks im Geschäft beibringen und tourt mit Vincent und dessen Freundin quer durch die USA. Schließlich werden er und Vincent harte Konkurrenten um die Nr.1 unter den Billardspielern.
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Kritik

25 Jahre nach „Haie der Großstadt“ erzählt Martin Scorsese („Wie ein wilder Stier“) die Geschichte von „Fast“ Eddie Felson (damals wie heute: Paul Newman, „Hudsucker – Der große Sprung“) weiter. Ein zugegeben ungewöhnliches und nicht risikofreies Projekt, an der späten Fortsetzung eines Filmklassikers sind schon ganz andere gescheitert. Er allerdings nicht, obwohl „Die Farbe des Geldes“ keinesfalls die Klasse des Originals erreicht, wobei dies Scorsese wohl auch klar gewesen sein muss und es nicht höchste Priorität genießt.

Tatsächlich gewinnt dieser Film erst in direkten Bezug und bei Kenntnis seines Vorgängers an mehr Qualität, als man ihn als isoliert beurteiltes Werk bescheinigen mag. So betrachtet wäre „Die Farbe des Geldes“ nur eine weitere Geschichte vom weisen Lehrmeister und seinem ungeschliffenen Rohdiamanten-Schüler, deren Wege sich irgendwann trennen und natürlich auf die finale Konfrontation ausgelegt ist. Oberflächlich gesehen ist es genau das. Nach den Vorfällen von einst hat Eddie den Queue endgültig an den Nagel gehängt, verdient sein Geld nun mit billigem Fusel. Bis er zufällig auf den jungen Vincent (mit scheußlicher 80er-Eraserhead-Frise: Tom Cruise, „Magnolia“) trifft. Ein Großmaul, ein Hitzkopf, mehr als nur grün hinter den Ohren, aber unglaublich talentiert. Eddie sieht sein Potenzial, sieht gleichzeitig wie unfähig er ist, es vernünftig zu nutzen; er erkennt in ihm sich selbst vor 25 Jahren. Nur noch deutlich naiver, kindlicher, denn ohne seine Freundin Carmen (Mary Elizabeth Mastrantonio, „Scarface“), die sich bald mütterlich um ihn kümmert, wäre Vince verloren. Eddie kann sie überzeugen, mit ihm auf Tour zu gehen, ihnen die Tricks des Spiels beizubringen. Nicht wie man die Kugel versenkt, da ist keine Hilfe von Nöten, sondern die ungeschriebenen Regeln, die die Haie von den Fischen unterscheiden.

Die daraus entstehenden Konflikte, die Rückschläge bis hin zum (unvermeidlichen) Zwist und dem großen Finale sind nicht überraschend, der Ablauf klar nach bewährtem Muster vorgegeben. Weder in inhaltlicher Tiefe noch in seinem verruchten Ambiente kann „Die Farbe des Geldes“ seinem Vorläufer das Wasser reichen und dennoch darf Martin Scorsese sein Werk als gelungen betrachten. Als konsequente, nachvollziehbare Weiterentwicklung der Figur Eddie Felson funktioniert sein Film einwandfrei. Wie sehr ihm das Original am Herzen liegt, ist jederzeit spürbar, wie sehr sich Gedanken darüber gemacht wurde, was mit dem schnellen Eddie in diesem Vierteljahrhundert geschehen ist, was ihn nun wieder aus dem Ruhestand locken könnte und wie er sich als alter Hai fast die dritten Zähne an einer neuen Generation ausbeißt. Wie schon „Haie der Großstadt“ ist dies kein reiner Film über Billard bzw. Pool, das Spiel an sich, er befasst sich mit dem Altern. Mit der anfänglichen Resignation vor ihm, dem schrittweisen Abfinden mit ihm und dem Weg zurück dorthin, was einen Zeit seines Lebens angetrieben hat. Früher war es nicht nur Geld, es war das Bestreben der Beste zu sein. Jahrelang stand das Geld an erster Stelle, der sportliche Ehrgeiz dem hinten an. Nun geht es nicht mehr um das Abzocken. Man will sich auf die alten Tage wieder beweisen, nicht nur die leicht belächelte Legende alter Geschichten sein.  

Newman lebt die Rolle ein zweites Mal und trägt großen Anteil daran, dass „sein“ Eddie immer noch wirkt wie der Alte/Junge von einst. Den Reifeprozess, die Desillusionierung wie das wieder auflodernde Feuer hervorragend verkörpernd, eine noch schwierigere Aufgabe als damals, gemeistert mit Bravour. Tom Cruise tanzt als ungestümer, teils nervtötender Hansdampf um den Tisch und erfüllt damit genau das, was die Rolle abverlangt. Man möchte ihn ohrfeigen und auf den Arm nehmen zugleich, ein kleiner Junge im Körper eines erwachsenen Mannes. Um alles kreist die (erneut) famose Kamera von Michael Ballhaus, fängt die Dynamik des Spiels mitreißend ein, folgt den Kugeln bis in die Löcher und lässt die Gesichter der Protagonisten sich in ihnen spiegeln. Scorsese schafft keinen neuen Klassiker, aber er zeigt sich respektvoll gegenüber einem. Und weiß genau, wann er seinen Film zu beenden hat. Denn wichtig ist nicht, wer dieses oder jenes Spiel gewinnt, wichtig ist nur eins: Er ist wieder da.

Fazit

Eine formell vielleicht herkömmliche Lehrer/Schüler-Story erweist sich als ehrerweisender Salut an einen großen Film. Paul Newman greift wieder zum Queue, zeigt dem Alter die Stirn und Martin Scorsese seine Liebe zum Kino seiner Jugend. Ein schöne Hommage in wunderbaren Bildern und mit einem versöhnlichen Finale, gerade weil es sich gegen das Ende sträubt.

Autor: Jacko Kunze

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