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Drei schaurige Geschichten, vorgetragen von Mario Bava: Eine junge Frau wird in ihrer Wohnung von einem unheimlichen Anrufer bedroht, eine Bauernfamilie zittert vor einem Blutsauger und eine diebische Krankenschwester wird von dem Geist einer Toten heimgesucht.

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Kritik

Mit Die Stunde, wenn Dracula kommt rückte der gelernte Kameramann und schon vorher als heimlicher Feuerwehrmann-Regisseur tätige Mario Bava erstmals in den Vordergrund und erschuf direkt einen kleinen Klassiker des europäischen Gothic-Horrors. In den Folgejahren entwickelte er seinen prägnanten Stil immer weiter, beeinflusste das Genre und etliche Filmemacher maßgeblich. Eines seiner früheren Werke wird öfter mal übersehen: Der Episodenfilm Die drei Gesichter der Furcht. Drei voneinander unabhängige, in sich geschlossene Geschichten, sehr lose basierend auf Vorlagen von Anton Chekhov, Aleksei Tolstoy und Guy de Maupassant. „Lose“ bedeutet in dem Fall maximal inspiriert, lediglich die zweite Story hat größere Überschneidungen mit der Idee von Tolstoy, der Rest ist mehr oder weniger frei erdacht. Der Hintergedanke der Produzenten war auf den Erfolgszug der zur damaligen Zeit sehr populären und lukrativen (wie ebenfalls wenig werkgetreuen) Edgar Allan Poe-Adaptionen von Roger Corman (Das Pendel des Todes) aufzuspringen. Daher mit den Anleihen an namenhafter, klassischer Literatur, aber bitte so weit weg vom Original das hinterher nicht groß zur Kasse gebeten wird. Vom Konzept ein schnelles B-Movie für den noch schnelleren Lire, was in den Händen vom Maestro stellenweise zu einem wahren Fest wird.

Das prominente Zugpferd, Horrorfilm-Ikone Boris Karloff (Frankenstein), übernimmt neben seiner Rolle in der zweite Episode „Der Wurdelak“ auch die des Showmasters. Erinnernd an den Crypt Keeper aus Geschichten aus der Gruft, mit einem Intro wie direkt aus der Lavalampe und einem grandios selbstironischen Schlusswort, für das sich viele Stars vermutlich zu ernst genommen hätten. Karloff hingegen beweist mal wieder seine Erhabenheit, nicht zu verwechseln mit Arroganz und Selbstgefälligkeit. Während der frühere Kollege und Rivale Bela Lugosi (Dracula) an seinem verhassten Image zu Grunde ging, hatte Karloff immer sichtlich Spaß an der Sache, was ihn auf lange Sicht zum eindeutig größeren (und wesentlich glücklicheren) Star machte. Den Anfang macht die Geschichte „Das Telefon“. Rosy (Michèle Mercier, Angélique) wird in ihrer Wohnung von beunruhigenden Anrufen belästigt. Der Mann am anderen Ende der Leitung scheint sie zu beobachten und droht sie umzubringen. In ihrer Panik wendet sie sich an ihre ehemalige Busenfreundin Mary, die jedoch ein doppeltes Spiel spielt.

Ohne Frage, „Das Telefon“ ist eindeutig die schwächste Folge des Trios und fällt in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Während der Film sich später wieder klar im Gothic-Horror mit psychedelischem Einschlag beheimatet, wirkt diese Geschichte eher wie eine Fingerübung von Bava für das stilistisch von ihm mehr oder weniger kreierte oder wenigstens entscheidend auf den Weg gebrachte Subgenre des Giallo zu sein. Die Spannungskurve ist trotz der durchaus reizvolle Situation eher flach gehalten, auch da der (allwissende) Zuschauer viel zu früh ins Boot geholt wird und dafür am Ende nicht mit einer großen Überraschung oder einem besonders spektakulären Höhepunkt belohnt wird. Interessant wird es bei der Wahl der Waffen, denn Bava verwendet schon Methoden, die zu typischen Bausteinen des Giallo werden sollten. Sei es sein stark sexualisierter, leicht frivoler und voyeuristischer Inhalt; die grundsätzliche Raubtiersituation, der das weibliche Objekt der Begierde hier ausgesetzt ist oder natürlich diverse Inszenierungsideen, die sich später im Subgenre immer wiederholten und zu einem besonderen Merkmal wurden. Bereits hier auffällig, obwohl noch harmlos im Vergleich zum Folgenden: Der extravagante Ausstattungsfetisch von Bava. Die (weibliche) Singlewohnung ist so vollgeramscht mit allerlei exotisch-surrealem Deko-Plunder, das sieht eher aus wie der Partykeller von Sultan Schlüpferstürmer. Voll drüber, aber geil.

In der zweiten und längsten Episode „Der Wurdelak“ darf nun nicht nur Boris Karloff richtig mitmischen, sondern Mario Bava die alten Sets (und teilweise sogar den Score) seines Erstlings Die Stunde, wenn Dracula kommt in ganz neuem, farbigem Glanz präsentieren. Die Ruinen sind eindeutig die exakt Selben wie damals und es wird auch gar nicht erst der Versuch unternommen, diesen Tatbestand vielleicht zu vertuschen. Ist ja auch kein Verbrechen, besonders unter den Bedingungen und bei der Qualität ohnehin nicht. Eine vernebelte, mittelalterliche Vampir-Geschichte, in der es einem Familienoberhaupt nach dem Blut seiner Liebsten dürstet. Wie schon bei „Das Telefon“ ist der Inhalt eher zweitrangig, allerdings ist der Film ab jetzt gleich mal mindestens um zwei Klassen besser. Während der Auftakt praktisch nur durch seine experimentierfreudige Methodik auffiel, wird hier eine solide, schon von Grund auf atmosphärische Kurzgeschichte zum wahren Freudenfest hochstilisiert. Bava tobt sich und sein Talent für Setdesign, Kameraführung, Beleuchtung, Farbgebung und Bildsprache hemmungslos aus, dazu spielt Boris Karloff als würde es einen hochdotierten Preis für den motiviertesten Star in einem günstigen Gruselfilm geben. Das ist ein kleines Spektakel, allein dieser Teilabschnitt rechtfertigt schon jedes gute Wort über Die drei Gesichter der Furcht. Aber es geht noch besser.

Die letzte, am kürzesten gehaltene Story „Der Wassertropfen“ berichtet von einer Krankenschwester, die einem nach (bzw. während) einer Séance verstorbenem Medium auf dem Totenbett ihren kostbaren Ring entwendet. Sie wird nicht lange Freude an ihrer Beute haben, denn mit bösen Geistern sollte man sich besser nicht anlegen. Die finalen 20 Minuten von Die drei Gesichter der Furcht sind wie sensorisch-cineastischer Sex, ein Highlight von der ersten bis zur letzten Einstellung. Komplett im Halbdunkel, mit indirekter Beleuchtung und im flackernden Rausch der Sinne beschwört Bava die Mächte des Bösen herauf. Erzählt eigentlich recht wenig, was die kurze Laufzeit absolut rechtfertigt (länger wäre tatsächlich nicht unbedingt förderlich gewesen), konzentriert sich gezielt auf das Erleben, zieht dafür alle Register eines begnadeten Regisseurs. Weitestgehend von unnötigem Ballast befreit lässt Mario Bava einfach Taten sprechen. Das, was er am besten kann. Warum er zu einem der wichtigsten, stilprägensten Kreativen seiner Zunft zu zählen ist, spätestens jetzt sollte diese Frage nicht mehr gestellt werden. 

Fazit

Leider kann die erste (trotzdem ordentliche) Episode nicht das Niveau der beiden Nachfolger erreichen, ansonsten wäre „Die drei Gesichter der Furcht“ nahezu perfekt für das, was er ist. Im Vergleich mit den konkurrierenden Corman-Filmen ist Bava’s Muskelspiel wesentlich beeindruckender, trotz nahezu identischer, eher geringerer Möglichkeiten. Im Stil der ersten, großen Schaffensperiode von Mario Bava entsteht einer der besten Filme des Regisseurs, den sich besonders  Fans von „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, „Der Dämon und die Jungfrau“ oder „Die toten Augen des Dr. Dracula“ auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Und von Boris Karloff erst recht nicht.

Autor: Jacko Kunze

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